Hellgrünes Licht für die Velobahn

Von Joachim Lienert ‒ 20. Juni 2025

Sie ist erst eine Studie, die Vernehmlassung bei den Gemeinden neigt sich dem Ende entgegen. Der rechtliche Prozess und die Mitwirkung aller beginnt voraussichtlich erst nächstes Jahr. Doch die Velobahn Pfannenstiel polarisiert bereits. In Zollikon sieht man ihr ziemlich entspannt entgegen.

Schon heute nutzen Velofahrerinnen und -fahrer gerne die Guggerstrasse. (Bild: jli)
Schon heute nutzen Velofahrerinnen und -fahrer gerne die Guggerstrasse. (Bild: jli)

Die Goldküste hat keine Autobahn. Aber vielleicht schon bald eine Velobahn. Eine solche sieht zumindest der Kanton Zürich vor. Das finden nicht alle gut. Küsnacht wehre sich vehement, berichtete die Zürichsee-Zeitung, und verlange, die Route ganz aus dem Richtplan zu streichen. Der ACS Zürich wiederum «warnt vor einseitigen Eingriffen zulasten des motorisierten Individualverkehrs.» Eine grosse Sorge: Der motorisierte Verkehr müsste auf andere Strassen ausweichen und wichtige Parkplätze für Anwohner und Gewerbe würden gestrichen. Rund 240 Parkfelder sollen gemäss mehreren Zeitungen der Velobahn weichen, 189 davon in Küsnacht, 52 in Zollikon. Sascha Rhyner von der Medienstelle der kantonalen Baudirektion sagt dazu: «Die genaue Ausführung ist noch komplett offen und somit auch die Zahl der betroffenen Parkplätze. Wir können keine nennen, weil wir noch gar nicht so weit sind mit der Planung.»

Die Velobahn soll von Tiefenbrunnen über Zollikon und Küsnacht nach Erlenbach führen. Man sei zusammen mit den betroffenen Gemeinden alle drei möglichen Korridore an der Seestrasse, der Zürichstrasse und der Alten Landstrasse abgefahren – und zum Schluss gekommen, dass die Variante Zürichstrasse «der sinnvollste Korridor» ist.

Geringe bauliche Massnahmen

Gemäss den erst als «Korridorstudie» bezeichneten Plänen des Kantons soll die Velobahn auf Zolliker Gemeindegebiet von der Dammstrasse über die Bahnhofstrasse auf die Guggerstrasse führen. «Die Gemeinden waren von Beginn an involviert und sind Teil des Projektteams», sagt Sascha Rhyner. Im Januar fand ein runder Tisch mit Regierungsrat Martin Neukom statt. Dabei konnten die Gemeinden ihre Anliegen vorbringen, und «es wurde inhaltlich Konsens gefunden».

Angesprochen auf den Widerstand aus den Goldküsten-Gemeinden, antwortet Sascha Rhyner: «Es gibt lediglich eine Rückmeldung zur Ablehnung der Studie seitens des Gemeinderats Küsnacht in der Phase der Vernehmlassung.» Zollikon beurteilt in ihrem Gemeinderatsbeschluss vom 9. April die Velobahn so: «Der Korridor Zürichstrasse weist als Velobahn eine attraktive, direkte, intuitive Linienführung und günstige Verkehrssituation auf. Mit einer Führung als Velostrasse können die Anforderungen der Standards des Veloverkehrs bis auf wenige punktuelle Stellen erfüllt werden. Sie ist mit geringen baulichen Massnahmen und ohne Landerwerb umsetzbar.»

Nur punktuelle Aufhebung von Parkplätzen gewünscht

Bedenken hat Zollikon einzig ­wegen zwei Punkten, sagt André Müller, Gemeinderat und Ressortvorsteher Umwelt und Sicherheit: «Da ist zum einen die Aufhebung aller Parkplätze an der Guggerstrasse. Wir wären einverstanden mit der Aufhebung einzelner Parkplätze zur Hebung der Sicherheit.» Bei der Dammstrasse und der Bahnhofstrasse gibt es keine Parkplätze, ­sodass die Gemeinde bei diesen ­Abschnitten zurzeit nichts ein­zuwenden hat. «Grundsätzlich begrüssen wir die Velobahn. Sie ist grossteils mit der Veloroute 66, die an dieser Stelle durchführt, ohnehin bereits realisiert.» Diese nutzen schon heute viele Velofahrende, um abseits der Seestrasse nach Zürich und zurück zu gelangen. Der zweite Punkt betrifft die eher heikle Verkehrsführung bei der Bushaltestelle an der Bahnhofstrasse, die von der Velobahn betroffen wäre. «Da muss der Kanton eine Lösung suchen.» Bis jetzt seien der Gemeinde noch keine konkreten Ideen präsentiert worden, um solche gefährlichen Stellen zu entschärfen.

Kommt sie noch in diesem ­Jahrzehnt?

Die Velobahn-Projekte unterliegen dem Strassengesetz und müssen öffentlich aufgelegt werden. Nachdem der Kanton in der Vernehmlassung die Meinungen der Gemeinden und kantonalen Stellen eingeholt hat, wird er als Nächstes Vorprojekte erarbeiten. Dies im ­Plural, weil der Kanton sie in Etappen planen wird und zusammen mit den Gemeinden Synergien nutzen will, zum Beispiel wenn ohnehin Strassen wegen der Verlegung von Werkleitungen aufgerissen werden müssen. Nur bei solchen Bauvorhaben würden für Zollikon Kosten anfallen. Dagegen werden die Kosten für Trottoir-Überfahrten, Absenkungen, Einengungen, Markierungen und weitere Massnahmen vom Kanton finanziert. Bis wann eine Velobahn Realität wird, ist offen. Im kommenden Mitwirkungsverfahren werden sich neben Gemeinden auch Private und Verbände einbringen können. Das wird kaum vor nächstem Jahr der Fall sein. Steht die Velobahn noch in diesem Jahrzehnt? Sascha ­Rhyner erklärt: «Das hängt auch davon ab, wie viele Rechtsmittel ergriffen werden.»

Was ist eine Velobahn?
Sprach man früher von Velo­schnellrouten, hat der Kanton Zürich inzwischen den Begriff «Velobahn» von Bundesbern übernommen. Analog zur Auto- oder Eisenbahn bezeichnet sie einen Korridor für einen möglichst sicheren Veloverkehr auf einem eigenen oder baulich eindeutig abgetrennten Trassee ­abseits von schnellem motorisiertem Verkehr. Dies im Gegensatz zur reinen Velospur, die nur optisch durch gelbe Markierungen vom normalen Strassenverkehr getrennt ist.

Die bevorzugte Route der Velobahn von Zürich nach Erlenbach. In Zollikon soll sie von der Dammstrasseüber die Bahnhofstrasse auf die Guggerstrasse führen. (Grafik: bre)
Die bevorzugte Route der Velobahn von Zürich nach Erlenbach. In Zollikon soll sie von der Dammstrasse
über die Bahnhofstrasse auf die Guggerstrasse führen. (Grafik: bre)
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