Von Björn Reinfried ‒ 18. Juli 2025

«Eigentlich brauche ich nur meinen Computer, das Telefon und mein Adressbuch. Dann kann ich arbeiten», sagt Christian Bonnot. Der Zumiker ist Inhaber einer Eventagentur in Zollikon und seit 37 Jahren im Eventbusiness tätig. Er konzipiert und organisiert Events in allen Grössen und Formen: von Firmenanlässen über Jubiläen bis zu Konzerten und grossen Generalversammlungen. «Einzig Abdankungen mache ich nicht.»
Christian Bonnot wuchs in Zollikon auf und besuchte ein Internat im Kanton Bern. Als Jugendlicher begann er eine Schreinerlehre, brach diese jedoch nach eineinhalb Jahren ab und ging nach England, um die Sprache zu lernen. Eigentlich wollte er danach seine Lehre fortsetzen. Doch es kam anders. Zurück in der Schweiz arbeitete er unter anderem als Bühnenhandwerker im Opernhaus Zürich, als Messebauer, später in der Video Post Production und gelangte so ins Showbusiness. Sein Schwager arbeitete in der Veranstaltungsbranche und so stieg er bei ihm ein – als Handwerker und Techniker, als Mädchen für alles. Er trennte Privates vom Beruflichen und gründete seine eigene Firma. Das war vor 37 Jahren. Heute lebt er mit seiner Frau in Zumikon und ist rundum glücklich: «Ich bin ein dankbarer Mensch. Ich habe vier erwachsene Kinder und mit meiner zweiten Frau zwei mehr. Wir haben es ‹huere guet›.»
Musik, Bier und Toiletten reichen nicht. «Viele denken, dass jeder einen Event organisieren kann. Aber so einfach ist das nicht», moniert Christian Bonnot. Tatsächlich sind es oft die Details, die zählen: Was ist der Anlass? Was das Ziel? Wer sind die Gäste? Ihr Alter? Ihre Sprache? Ihre Religion? Es sind viele Dinge, die der Eventmanager beachten muss. «Ein Event kann in Zürich wunderbar funktionieren und dann in Bern gnadenlos scheitern – weil man die feinen Unterschiede zwischen den beiden Mentalitäten nicht beachtet hat. Ein Event sollte mehrheitsfähig sein.» Ein grosser Teil seiner Arbeit ist deshalb das Recherchieren.
Ein Beispiel, das diese Detailversessenheit zeigt: Ein Kunde wollte für einen Event einen 30 mal 8 Meter grossen japanischen Pavillon haben. «Natürlich hatte ich den nicht hier herumstehen, also musste ich ihn anfertigen lassen – aber wie sieht ein japanischer Pavillon aus?» Christian Bonnet begann zu recherchieren, setzte sich mit einer Japanologin in Kontakt, die minutiös die Farbwelt und Formen definierte. «Man bekommt oft Aufgaben, die man noch nie zuvor gesehen hat – und sucht dann eine Lösung.»
Obschon jeder Kunde und jeder Event andere Anforderungen und Probleme mit sich bringen und jedes Mal neue Lösungen gefunden werden müssen, ist es Christian Bonnot wichtig, seriös zu arbeiten: «Am Ende bin ich verantwortlich gegenüber dem Kunden – für alles. Wenn das Catering kalt ist, das Licht nicht funktioniert, der Künstler seinen Text vergisst oder sonst etwas nicht stimmt; das fällt am Ende auf mich zurück.» Deshalb arbeitet er gerne mit zuverlässigen, langjährigen Partnern zusammen. Was es heisst, wenn ein Event so richtig nach hinten losgeht, weiss er aus eigener Erfahrung: «Einmal ist es passiert, dass die Leute angestanden sind, um rauszukommen – weil der vom Veranstalter engagierte Künstler völlig ungeeignet für das eher ältere Publikum war. Da musste er die Notbremse ziehen und die Show stoppen.»
Was war sein Lieblingsevent? «Nach 37 Jahren im Geschäft ist das schwierig zu sagen. Grosse Events machen Spass. Ich habe schon Veranstaltungen gemacht mit 10 000 Personen und einem Budget von 1,7 Millionen Franken», erzählt Christian Bonnot nicht ganz ohne Stolz, «aber am Ende hängt das Gelingen nicht vom Budget ab, sondern von der Idee dahinter.»
Zu den meisten Events gehört im Normalfall ein Künstler oder eine Künstlerin: Musik, Comedy, Zauberei, Unterhaltung – Show eben. Die richtigen Unterhalter für das richtige Publikum und den richtigen Anlass zu finden, ist eine Kunst für sich. Christian Bonnot hat dafür ein riesiges Adressbuch: «Ich kenne sehr viele Künstler – international und in der Schweiz.» Er ist Personalvermittler mit staatlicher Konzession.
Er muss Künstler und Künstlerinnen oder deren Agenturen kontaktieren und die Bedingungen aushandeln. Auch hier zählen oft die Details – und das ist viel mehr als nur die Gage: «Einige kommen nicht, wenn die Zahl der Gäste grösser oder kleiner als X ist. Oder sie verlangen, keine Hindernisse im Blickfeld auf das Publikum zu haben.» Aber auch kleinste Sachen wie das Essen im Backstage-Bereich oder die passende Garderobenmöblierung, seien wichtig und Teil des Vertrags.
Sein Beruf bringt ihn zwangsläufig mit Prominenten zusammen, aber Christian Bonnot ist nach wie vor ein wenig überrascht: «Auch Weltstars sind ganz normale Menschen, wie du und ich.» Eine der absurdesten Situationen, die je an einem seiner Anlässe passiert sind, erlebte er mit der Entourage des ehemaligen sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow: «Der Personenschutz der Schweizer Polizei und derjenige aus Moskau waren dabei. Diese diskutierten eine Stunde lang, wie man Gorbatschow vom Hotel bis zum nahegelegenen Veranstaltungsort bringen könnte: Strasse sperren und zu Fuss gehen oder doch eine Limousine organisieren?»
Ob Dorfanlass, Foodfestival, Grossevent, Generalversammlung oder sowjetischer Besuch: Christian Bonnot weiss, wann Lachsbrötchen angebracht sind und wann es eine Hüpfburg sein muss. Er weiss, welche Musik gespielt werden soll und welches Licht wann wo angehen muss, damit der Anlass reibungsfrei über die Bühne geht. Seit über 37 Jahren ist er Perfektionist und Tüftler in einem. Wie lange er das noch machen will? «Wenigstens bis 65. Mit 80 ärgere ich mich vielleicht über die laute Musik, dann bin ich fehl am Platz …» Bis dahin aber will er alles geben, denn er weiss: «Ein guter Ruf geht weit, ein schlechter noch viel weiter.»
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