Die Grüne Partei will sichtbarer werden

Von Joachim Lienert ‒ 18. Juli 2025

Sie fliegt eher unter dem Radar – die Grüne Partei an der Goldküste. Der Zolliker Zumiker Bote hat mit einem gesprochen, der das ändern will. Im Oktober lädt die Partei zur Debatte über die Asylpolitik in der Schweiz mit einem internationalen Experten.

Alessandro Monti will als Mitglied der Grünen Partei das Bewusstsein für den Klimawandel stärken und in der Sozialbehörde für soziale Gerechtigkeit einstehen. (Bild: jli)
Alessandro Monti will als Mitglied der Grünen Partei das Bewusstsein für den Klimawandel stärken und in der Sozialbehörde für soziale Gerechtigkeit einstehen. (Bild: jli)

Sozialbehörde? Fehlanzeige. Baubehörde? Fehlanzeige. Schulpflege? Fehlanzeige. Die Grüne Partei Zumikon ist in keiner Behörde vertreten, sie tritt öffentlich wenig in Erscheinung. Der Zumiker Alessandro Monti will das ändern. Er stellt sich nächstes Jahr zur Wahl in die Sozialbehörde. Die Grüne Partei sei nicht völlig inexistent, findet er. Sie sei etwa am öffentlichen Anlass der Neuzuzüger vertreten oder am Veloplausch; zudem habe sie in den letzten Jahren zwei Diskus­sionsanlässe durchgeführt, 2023 mit Ernst Ulrich von Weizsäcker, dem ehemaligen Co-Präsidenten des Club of Rome, und letztes Jahr mit Sonia Seneviratne, einer weltweit führenden Klimawissenschaftlerin und Professorin an der ETH Zürich. «Aber vielleicht sind wir zu zurückhaltend. Alle Parteien haben ihre Legitimität. Die Grüne Partei will ein stärkeres Bewusstsein für den Klimawandel schaffen, steht aber auch für soziale Gerechtigkeit ein.»

Zu dieser sozialen Gerechtigkeit zählt für die Partei das gewichtige Thema Migration. Sie lädt deshalb am 21. Oktober im Kirchgemeindesaal zur Debatte mit Gerald Knaus, einem renommierten Experten für Fragen des Asyls und der Migration in Europa. Der Gründungsdirektor der Denkfabrik European Stability Initiative (ESI) berät Regierungen und Institutionen in Europa zu den Themen Flucht, Migration und Menschenrechte.

Asylstandort: Ja, unter einer Bedingung

Alessandro Monti arbeitete im Asylbereich für den Kanton Zürich. Der studierte Soziologe und Pädagoge begleitete als Lehrer und Betreuer die Asylunterkunft Kaserne der Stadt Zürich. Beim Bund war er 18 Jahre lang zuständig für die ­Sozialhilfe für Auslandschweizer weltweit und später für die administrative Erfassung von Flüchtenden mit Schutzstatus S aus der ­Ukraine. «Ich bringe Erfahrung auf Gemeinde-, Kantons- und Bundesebene im Umgang mit Asylbewerbern mit.» Das Thema Asyl schlägt in Zumikon weiterhin hohe Wellen. In der Grünen Partei will man mit der Debatte einen Blick aus der ­Vogelperspektive schaffen. Lässt sich denn eine Asylunterkunft mit der Nähe zu einem Schulstandort vereinbaren? Alessandro Monti sagt: «Ja – wenn der Standort von einer qualifizierten Fachperson geführt wird, die in den Strukturen ebenso versiert ist wie im Umgang mit Menschen.»

Keine Bevölkerungsgruppe abhängen

Er habe sich explizit zu dieser Frage mit der Asylkoordination ausgetauscht, die zuständig ist für die Asylbewerber im Kanton Zürich. Sein Fazit: «Insbesondere im Vorfeld gibt es immer grosse Diskussionen in der Bevölkerung. Doch wenn die Bewerber einmal da sind, gibt es im ganzen Kanton praktisch keine Probleme. Die Ängste lösen sich im Betrieb auf.» Der 65-Jährige lebt seit 2007 mit seiner Frau und den beiden Kindern in Zumikon. Sowohl seine 16-jährige Tochter als auch sein 12-jähriger Sohn gingen im Farlifang in den Kindergarten. «Ich hätte kein Problem mit diesem Nebeneinander gehabt, wenn die Leute gut betreut sind.»

Alessandro Monti ist überzeugt, dass er viel in die Sozialbehörde einbringen kann. «Meine berufliche Erfahrung mit vielen Ländern zeigt mir, dass eine Gesellschaft nur gut funktioniert, wenn keine Bevölkerungsgruppen abgehängt werden.» Dafür möchte er sich einsetzen. Und ja, die Grüne Partei ­gehöre zu den kleineren Parteien Zumikons. Deshalb ist es auch kein Thema, dass sich jemand 2026 zur Wahl in den Gemeinderat stellt. «Jetzt fangen wir bei den Behörden an, uns stärker zu positionieren. Wer weiss, vielleicht sind wir dann in vier Jahren bereit.»

Nachtrag der Redaktion: Leider musste die Veranstaltung am 21. Oktober mit Gerald Knaus abgesagt werden. (zzb)

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