Von Claudia Eberle-Fröhlich ‒ 18. Juli 2025

Die Messungen sind Teil des EU-Projekts Net4Cities, das Verkehrsemissionen aller Art erfasst, um im Rahmen des Zero Pollution Actionplans die Luft- und Lärmbelastung durch den Verkehr in Städten verringern. Nebst dem Strassenverkehr werden auch Flughäfen und grosse Schiffshäfen wie Rotterdam und Antwerpen untersucht. Bekanntlich schaden Abgase und Lärm nicht nur der Umwelt, sondern auch der Gesundheit der Anwohnenden.
In diesen elf Städten werden moderne Messgeräte an wichtigen Verkehrsknotenpunkten erweitert oder installiert. In einigen Städten (zum Beispiel Zürich) existiert schon eine gewisse Infrastruktur an Messgeräten, die nach Bedarf ergänzt werden, sodass in allen Partnerstädten das Gleiche gemessen werden kann. Sie erfassen in Echtzeit Daten zur Luftverschmutzung. Neben bekannten Schadstoffen wie Feinstaub oder Stickoxiden werden auch neue, weniger erforschte Stoffe gemessen, die ebenfalls als gesundheitsschädlich gelten. In allen Städten werden zudem an jeweils drei Standorten Lärmbelastungen ermittelt.
Mit den gesammelten Daten sollen vergleichbare Studien ermöglicht und Echtzeit-Karten der Luft- und Lärmbelastung öffentlich zugänglich gemacht werden. Die daraus folgenden Ideen und Massnahmen werden die zuständigen Behörden in der Planung unterstützen. Forschende, öffentliche Stellen und Entscheidungsträger arbeiten eng zusammen, um nachhaltige und vor allem praxisnahe Lösungen zu entwickeln. Das Projekt befindet sich in der zweiten Phase, in der die Datenerhebung grösstenteils im Aufbau ist, die öffentliche Plattform allerdings noch nicht bereitsteht.
Die Umwelt- und Klimawissenschaftlerinnen Franziska Stahl und Saskia Drossaart van Dusseldorp arbeiten in der Forschungsgruppe «Meteorologie, Umwelt und Luftfahrt» an der ZHAW in Winterthur und setzen sich mit Emissionen und Luftqualität auseinander. Beim Projekt Net4Cities sind sie für die Koordination und technische Umsetzung aller Messungen in Zürich zuständig. «Unsere Arbeit besteht grob gesagt aus drei Dingen», erklärt Saskia Drossaart van Dusseldorp: «Einmal agieren wir als Bindeglied zwischen dem internationalen Projektkonsortium und den lokalen Stakeholdern (Öffentliche Ämter, Interessensgruppen, Forschung).» Dieser Bereich bedeute viel Organisation und Kommunikation. Der zweite Fokus liegt auf der Koordination der Messungen hier vor Ort: der Organisation und Installation von Messtandorten, regelmässigen Arbeiten wie dem Einsammeln von Filterproben und klassischem Troubleshooting, wenn eines der Geräte Probleme macht. «Unser wichtigster Fokus liegt auf der Forschungsarbeit. Bei diesem Projekt leiten wir den Forschungsbereich der ‹Gesamtoberfläche lungengängiger Partikel›.» Was etwas sperrig klingt, ist eine (noch) nicht standardisierte Methode, um Ultrafeinstaub zu messen, die in direktem Zusammenhang zum gesundheitsgefährdenden Potenzial der Luftbelastung steht und international immer mehr Aufmerksamkeit bekommt.

Lärm kann gesundheitsschädlich sein, aber im Gegensatz zu den Luftschadstoffen gibt es keine international verbindlichen Messstandards. Im Kanton Zürich wird der Strassenlärm mit einem Modell berechnet (sonROAD18) und allenfalls projektbezogen punktuell gemessen. Die kombinierten Lärm- und Verkehrszählungen im Projekt Net4Cities sollen nun vergleichbare Daten in den elf Partnerstädten schaffen, aufgrund derer verschiedene Faktoren, wie beispielweise Flottenzusammensetzung, Tempolimiten oder Strassenbelag, auf die Lärmemissionen untersucht werden können. Daraus sollen sich Erfolgsrezepte ergeben.
Der Standort in Zollikon wurde in Absprache mit dem kantonalen Tiefbauamt (Fachstelle Lärmschutz, Verkehr und Lärmbelastung) und dem Umwelt- und Gesundheitsschutz der Stadt Zürich (UGZ) gewählt. Einerseits werden an derselben Stelle Verkehrszählungen des Kantons mittels Induktionsschleife erhoben («darüberfahren»), die dann mit den optischen Verkehrszählungen verglichen werden können. «Methodenvergleich ist aus wissenschaftlicher Sicht immer spannend», sagt Saskia Drossaart van Dusseldorp. «Unsere Lärmmessungen an dieser Stelle können dann mit den vom Modell berechneten Daten verglichen werden.»
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