Von Joachim Lienert ‒ 18. Juli 2025

Im Februar genehmigten die Zollikerinnen und Zolliker den Kredit für ein provisorisches Betreuungshaus in der Schulanlage Rüterwis. Der Zeitplan sah eine rasche Vergabe an einen Anbieter für Modulbauten und eine Produktionszeit von sechs Monaten vor. Dieser Plan kann nicht eingehalten werden. Der zuständige Gemeinderat Patrick Dümmler, Ressortvorsteher Liegenschaften, sagt auf Anfrage: «Wir planten, das Betreuungshaus in den Sportferien 2026 zu übergeben. Jetzt wird es ein halbes Schuljahr später.» Als Grund nennt er in erster Linie die personellen Ressourcen der Liegenschaftenabteilung. «Wir sind personell wirklich stark limitiert.» Dies zum einen, weil Anfang Jahr der Abteilungsleiter unerwartet verstorben war. Hinzu kam, dass der stellvertretende Abteilungsleiter wegen eines Unfalls mehrere Wochen ausfiel. «Das trug dazu bei, dass unserer Abteilung momentan die Kapazität fehlt, so viele Projekte gleichzeitig zu stemmen.»
Deshalb konnte die Projektarbeit erst im Frühling aufgenommen werden. In der Folge verschiebt sich auch die Inbetriebnahme des Provisoriums. Projektleiter Thomas Schumann erklärt: «Seit April erarbeitet das Projektteam unter Einbezug der Leitung des Betreuungshauses im Zweiwochen-Rhythmus intensiv das Raumlayout und die technischen Anforderungen.»
Patrick Dümmler verspricht Besserung und kann gleich zwei erfreuliche Nachrichten für Zollikon verkünden. Zum einen ist der stellvertretende Abteilungsleiter ab August wieder voll einsatzfähig. Und dann dies: «Ab 1. September wird es besser. Wir haben einen neuen Abteilungsleiter.» Der Mann heisst Mathias Humm und ist ein Kenner der Materie. Zurzeit ist der diplomierte Architekt noch Leiter der Abteilung Portfoliomanagement im Hochbauamt des Kantons St. Gallen. «Es war sein ausdrücklicher Wunsch, auf Gemeindeebene zu wechseln. Der Vertrag ist unterschrieben und alles geregelt.» Patrick Dümmler freut sich auf das Ende der monatelangen personellen Baustelle in seinem Ressort. Die Gemeinde habe glücklicherweise viele Bewerbungen für die Stelle erhalten. «Mathias Humm durchlief mehrere Runden, und er war unsere erste Wahl.» Der künftige Abteilungsleiter aus Steinmaur nahm bereits an der letzten Zolliker Gemeindeversammlung und am Vertiefungsforum Ortskernentwicklung Zollikerberg teil, um sich ein erstes Bild der örtlichen Verhältnisse zu verschaffen.
Es soll nicht bei dieser Personalie bleiben. «Wir werden wohl Anfang 2026 einen weiteren Projektleiter einstellen, um das grosse Investitionsvolumen für 2026 überhaupt stemmen zu können und künftig allfällige Engpässe auszugleichen, wenn mal jemand ausfällt.»
Der Ressortvorsteher legt Wert auf die Feststellung, dass das Provisorium Betreuungshaus Rüterwis trotz der Verzögerungen im Kreditrahmen der kommunizierten 6,5 Millionen Franken bleibt, den die Stimmbevölkerung im Februar bewilligt hat. «Aufgrund der Lehren gerade aus der Sportanlage Buechholz haben wir eine Steuerungsgruppe eingesetzt, bestehend aus Schule, Liegenschaften und der politischen Begleitung durch mich. Da prüfen wir das Projekt regelmässig hinsichtlich Kosten und Terminen.» Zudem gibt die Gemeinde für alle Bauprojekte von über einer Million Franken seit Frühjahr externe Gutachten in Auftrag. «Die Zweitmeinung kam zum gleichen Ergebnis wie wir: Stand heute wird der Kostenrahmen eingehalten.» Er betont, das externe Planungsbüro, das dieses Gutachten anfertigte, sei in keiner Weise in das Projekt involviert – es sei neutral und unabhängig.
Und wie beurteilt die Schule die Verzögerung? «Natürlich sind wir nicht erfreut, dass sich der Bezug ins Betreuungshaus-Provisorium weiter verzögert», sagt Katja Baur, Leiterin Betreuungshaus Rüterwis, «Es bedeutet, dass die aktuell unbefriedigende Betriebs- und Infrastruktursituation ein ganzes Schuljahr lang bestehen bleibt. Trotz aller und täglicher Herausforderungen engagieren wir uns weiterhin mit vollem Einsatz für die Kinder, bis wir ins Provisorium umziehen können.» Patrick Dümmler kann den Unmut verstehen: «Es ist ein Problem, die Schule wartet seit Jahren auf ein neues Betreuungshaus.»
Er sei aber zuversichtlich, dass die Schule den Engpass überbrücken könne. Allenfalls hilft dabei ein wenig die Tatsache, dass die Zahl der betreuten Schülerinnen und Schüler minimal abnimmt – bei über 200 Kindern sinkt sie um etwa zehn. Wie die Schule vermutet, ist dies eine Folge des öffentlich gemachten Bauzustands des aktuellen Gebäudes. Wie viele Kinder auch immer es sein werden: In ziemlich genau einem Jahr dürften sie dann endlich ein Betreuungshaus erhalten, das ihren Bedürfnissen rundum gerecht wird.
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