Von Dörte Welti ‒ 31. Juli 2025

Es gibt eine Menge Classic Car-Meetings und Oldtimer Ausstellungen, «Concours» und sonstige Events in der Welt der alten Autos. Die meisten sind aber für die Teilnehmer mit einer Anmeldegebühr verbunden, oder es gibt feste Klassifizierungen, zu denen das Auto, das man zeigen möchte, passen muss. Oder sie haben Regeln, die eine Teilnahme erschweren. Die Oldtimer Ausstellung Zumikon ist – erfrischend – anders. Keine Anmeldung nötig, einzig das Fahrzeug muss ein Oldtimer, also mindestens 30 Jahre alt sein.
Diese Voraussetzung erfüllen wir, als wir mit einem Porsche 944 Jahrgang 1989 zum Zumiker Dorfplatz fahren. Sofort werden wir von einem gelbbewesteten Helfer freudig begrüsst und auf den Dorfplatz dirigiert, einen Platz, auf den man sonst sicher nicht mit dem Privatwagen fahren darf. Der Helfer winkt uns sauber in eine Parklücke grad neben einen knallgelben Jeepster aus den 1950er-Jahren, wenig später gesellt sich zur Linken ein himmelblaues Käfer-Cabrio Baujahr Ende 1960er-Jahre. Es gibt keine Porsche-Reihe oder eine BMW-Sortierung, jedes Auto darf da stehen, wo grad Platz ist. Kaum hat man eingeparkt, kommen Besucher näher, machen Fotos, fragen nach Baujahr, wie lange man das Auto schon fährt (sieben Jahre), ob es ein «S» oder ein «Turbo» ist (weder noch, einfach nur 944er) und ob er noch im Originalzustand ist (sowasvon!). Auch mit dem Cabrio-Eigentümer von links kommt man schnell ins Gespräch, fachsimpelt über Restaurationen und ist sofort beim «Du».
Genauso unkompliziert geht es auf dem Rundgang weiter. Der gesamte Dorfplatz inklusive Nebengassen ist voll mit Autos, das OK schätzt ungefähr 80 Oldtimer. Es seien schon mal 150 gekommen, aber da heute Regen angesagt ist, bleiben die empfindlichen Vorkriegsmodelle und viele Cabriolets, die man nicht decken kann, zuhause. In der Beiz auf dem Dorfplatz, von der Feuerwehr Zumikon organisiert, ist es pumpevoll; es gibt Grillade und Getränke, ein Foodtruck mit «Poffertjes» sorgt für süsse Nachspeisen und Kaffee mit und ohne Schuss. An den Festbänken erzählt man sich Geschichten über Erlebnisse mit den «Chläpf». Dass Ferrari, MG und Co. rückwärts gegen die Festbänke geparkt haben und beim Wegfahren benzingetränkte Geruchsemissionen ausstossen, stört hier niemanden. Das gehört dazu, treffend findet sich auf einem ausgestellten «Trabi» der Aufkleber «Feinstaub Terrorist».
Über Umweltbelastungen diskutiert hier heute keiner. Der Kommandant der Feuerwehr Zumikon weiss, dass Besitzer von Autos, die zum Tropfen neigen, selbstverständlich ihren eigenen Karton dabeihaben und unter das Ölauslassventil legen, damit keine Schadstoffe in den Dorfplatzboden eindringen. Und sollte doch mal was danebengehen, reinigt es die Feuerwehr nach dem Anlass. Irgendwann fallen die ersten (Regen)Tropfen, eine Fünfergruppe Cobras und Jaguars verlässt das Feld im Konvoi, zwei alte Trecker machen sich gemächlich auf den Heimweg. Auch der grandiose Rolls-Royce Boat Tail von 1930, der nie ein Verdeck hatte, schnauft vom Platz, nicht ohne mit seiner imposanten Hupe nochmal ein Farewell an die versammelte Oldtimergemeinschaft zu schicken.
Ein toller Anlass, unkompliziert, läbig für den Dorfplatz, die Gemeinde und über die Grenzen hinaus inzwischen ein Magnet. Es gab Autos von einem Scirocco-Club in Aarau, von der Seegarage Portmann AG in Grüningen kam der Chef «Rolli» Portmann höchstpersönlich mit fünf Klassikern, pilotiert von enthusiastischen Angestellten. Auch Kennzeichen aus Bern und St. Gallen wurden gesichtet, der Grossteil der Oldtimer fuhr aber aus Zumikon und vielen umliegenden Zürichseegemeinden an den Anlass. Der übrigens auch ein kleiner Automarkt ist: Einige der Schönheiten hatten ein Preisschild, die Besitzer waren offen für Verhandlungen. Eine niederschwellige Idee, die Welt der Oldtimer für alle zugänglich zu machen.

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