Von Dörte Welti ‒ 15. August 2025

Das Haus von Annevre Imfeld liegt in einem pittoresken Zumiker Wohnquartier, es ist eines von drei nebeneinander liegenden Architektenhäusern, die dort noch stehen. Hier lebte Hugo Imfeld mit Frau und Kindern, hier schuf er die meisten seiner über 200 Werke; hier stand sein Atelier, das zu einem Magnet für Kunstschaffende und Intellektuelle seiner Zeit wurde. Heute «leben» im Garten einige seiner Bronzeplastiken, Momentaufnahmen einer Epoche, in der sich gewisse Gruppierungen in der Schweiz kritische gesellschaftliche Fragen gestellt haben.
Hugo Imfeld (1916 – 1993) kam 1955 mit seiner Frau Vreni Meyer, Tochter eines Seidenfärbers und grafisch arbeitende Künstlerin nach Zumikon. Das Paar hatte sich anfangs der 1940er-Jahre bei Germaine Richier, einer Schülerin von Bildhauer und Lehrmeister Antoine Bourdelle, kennengelernt. Eine Künstlerehe, ein gemeinsames Leben für die Kunst, wobei Vreni Meyer mit drei Kindern nicht mehr allzu oft dazu kam, kreativ zu arbeiten, sondern ihren Mann unterstützte. Die Imfelds waren nicht ganz unschuldig daran, dass sich Zumikon von einem kleinen Bauerndorf zu einer veritablen Künstlerkolonie wandelte. Sie führten ein offenes Haus, wie sich die Tochter heute noch gerne zurückerinnert. Architekten kamen ins Dorf, es gab viel Land, schmucke Häuser wurden gebaut, die teils heute noch stehen.
Hugo Imfeld bekam Aufträge für Kunst am Bau. Die Sonnenuhr «Engel Mosaik» stellte er mit Hilfe von Kunstmaler Ernst Leu bereits 1959 fertig. Annevre Imfeld erzählt, dass sie als Kinder schon gewusst hätten, dass der Vater Urheber dieses Werkes war, aber man habe sich deswegen nicht besser als andere gefühlt. «Mein Vater war ein gradliniger Mensch. Er hatte seine Bildhauerei, daneben hatten wir Hühner, Kaninchen und Tauben, nicht zu vergessen die Mopszucht.» Er sei ein typischer Innerschweizer gewesen, geboren in Sarnen (Obwalden), katholisch erzogen, aber nur in einer scheinbar heilen Welt. Hugo Imfeld musste als Kind und Jugendlicher Züchtigungen von Nonnen und Missbrauch vom Pater erfahren. Seine Frau Vreni war Protestantin, man habe die verschiedenen Kulturen offen gelebt in der Familie.


Kirche spielte trotz der traumatischen Erfahrungen – oder gerade deshalb, möchte man als Beobachter bemerken – eine grosse Rolle im gestalterischen Leben von Hugo Imfeld. Wiederkehrende Elemente sind das Kreuz Jesu, Engel, die einen Kranz niederlegen, Mutter und Kind. Als seine Hauptarbeit gilt die Ausstattung der Propsteikirche St. Gerold, Priorat des Klosters Einsiedeln. Gemeinsam mit dem Architekten Arnold Stöckli und dem Maler Ferdinand Gehr entstanden 1965/66 diverse Bronzearbeiten, Lichtgestaltungen, das Taufbecken und Skulpturen für den Friedhof. Unzählige Friedhofsarbeiten stehen im Werkverzeichnis, öffentliche Auftraggeber wie Schulen und Stiftungen, diverse Auszeichnungen für seine Kunst. Annevre Imfeld hat in einer Plexiglasvitrine Miniaturentwürfe der Skulpturen gesammelt, ein unfassbar schönes und reiches Werk tut sich auf, wer sich bei ihr umschaut. Bilder und Gestaltetes der vielen Künstlerfreunde bevölkern die Wände, in allen Ecken steht irgendetwas, geschaffen von irgendeinem der Kreativen rund um Imfelds. Annevre Imfeld hat einmal eine Ausstellung «Hugo Imfeld und seine Malerfreunde» kuratiert – mit Werken von Otto Charles Bänninger, Karl Landolt, Karl Madritsch, Albert Pfister, Walter Sautter und Rudolf Zender, ein Kaleidoskop der Schaffenskraft der Nachkriegsjahre bis weit in die 1980er-Jahre. So geballt werden diese Werke wohl länger nicht mehr gemeinsam auftreten; Annevre Imfeld beschäftigt sich derzeit aber intensiv mit dem Nachlass ihres Vaters. Ihr Ziel ist, zu erreichen, dass man Hugo Imfeld kennenlernt, besser kennt, dass man die Kraft und Tragweite seiner Arbeiten anerkennt, dass man sich seiner erinnert. Und wer mit dem Gedanken spielt, sich eine der wunderbaren Imfeld-Skulpturen ins Haus oder in den Garten oder Park zu holen, darf die Tochter gerne kontaktieren (über das Werkverzeichnis hugo-imfeld.ch). Alles ist möglich. Man muss nur fragen.


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