Von Joachim Lienert ‒ 15. August 2025

94 Kinder treten am Montag in Zumikon ihren Schulweg im Kindergarten an. Für 47 ist es der erste Kindergartentag. In Zollikon geht es wegen der Chilbi erst einen Tag später los – hier werden 212 Kindergärtler erwartet, davon 94 im ersten Jahr. Die neue Kampagne «Luege – Brämse – Halte» hat der TCS Schweiz für die Jahre 2025 bis 2028 im Auftrag des nationalen Fonds für Verkehrssicherheit (FVS) entwickelt. Auch die Kantonspolizei, die Stadtpolizei von Zürich und Winterthur und die kommunalen Polizeikorps beteiligen sich. Peter Zimmermann, Leiter Sicherheit und Polizeichef von Zollikon, erklärt den aktuellen Fokus: «In den letzten Jahren lauteten die Slogans ‹Stoppen für Schulkinder› und davor ‹Rad steht, Kind geht›. Jetzt kehrt man wieder etwas zu den Wurzeln des griffigen Slogans ‹Warte, luege, lose laufe› zurück mit ‹Luege, brämse, halte›, das sich aber an die Automobilisten und nicht an die Kinder richtet.» Vieles ist dabei neu. Zum Beispiel wird die Kampagne mit einem Geruch assoziiert. Schulkinder haben im Unterricht Duftbäume gebastelt. Diese geben sie ihren Eltern fürs Auto und überreichen sie zudem an Verteilaktionen zum Schulstart. Der vom Aromahersteller Farfalla entwickelte Duft soll die Konzentration fördern und gleichzeitig an umsichtiges Fahren erinnern.
Peter Zimmermann ist mit der Kantonspolizei Zürich, der Stadtpolizei Zürich und der Stadtpolizei Winterthur Teil der Arbeitsgruppe, welche die Kampagne für die Polizei ausgearbeitet hat. Die Gruppe hat zum Beispiel Filme für die sozialen Medien gedreht. «Wir sind stark in Social-Media-Kanälen vertreten, unter anderem mit unserer Polizistin und Verkehrsinstruktorin Manuela Sereinig. Ich bin erstaunt, wie häufig die Filme angeschaut werden. Bewegte Bilder sind heute so wichtig.» Es seien herzige Filme entstanden, in denen auch Zolliker Kinder den Polizisten Fragen zur Verkehrssicherheit stellen.
Zum Schulstart werden die Gemeindepolizistinnen und -polizisten in Zusammenarbeit mit der Kantonspolizei morgens, mittags und nachmittags am Strassenrand stehen. «Einerseits geht es darum, die Kinder sicher über die Strasse zu bringen. Anderseits wollen wir den Automobilisten gezielt aufzeigen: Jetzt ist Schulstart, und wir haben neue, schwächste Verkehrsteilnehmer auf der Strasse.» Die Polizei wird bei Verkehrsübergängen an der Bergstrasse beim Schulhaus Buechholz und an der Rosengartenkreuzung im Zollikerberg die Kinder und den Verkehr beobachten. «Leider können wir nicht alle Zeiten abdecken, aber wir werden nach unseren Möglichkeiten in den nächsten zwei Wochen stark präsent sein», sagt Peter Zimmermann.

Roger Ryser, Polizeichef und Leiter Sicherheit von Zumikon, bestätigt die aktive Beteiligung an der Schulwegsicherung. «Sie beinhaltet einerseits die Sensibilisierung von Fahrzeuglenkenden, indem an neuralgischen Standorten die Plakate der Schulbeginn-Kampagne aufgehängt sind. Andererseits wird die Polizei täglich an mehreren Stellen in der Gemeinde, insbesondere bei den Strassenübergängen zum Kindergarten und zu den Schulen, sichtbar präsent sein.» Man mache sowohl Automobilisten wie Fussgänger aktiv auf das korrekte Verhalten vor den Fussgängerstreifen aufmerksam. Roger Ryser: «Für die Kinder ist es wichtig zu wissen, wie sie sich beim Überqueren von Strassen richtig verhalten.»
Beurteilt er die für die Jüngsten erstmals beginnende Schulzeit als besonders gefährlich? «Grundsätzlich ist das Gefährdungspotenzial zu Beginn der Schulzeit nach den Sommerferien nicht grösser als während des gesamten Jahres. Ein gesunder Respekt gegenüber dem Strassenverkehr, jedoch keine Angst davor, soll bei den Schülern jederzeit bestehen.» Automobilisten seien das ganze Jahr hindurch angehalten, in Schulbereichen und bei Schulwegen noch aufmerksamer zu sein und mit der nötigen Rücksicht auf Kinder zu fahren. «Für die Polizei liegt bei Schulbeginn der Fokus auf den Kleinsten, sprich Kindergärtlerinnen und Kindergärtlern, die die Risiken im Strassenverkehr erst erlernen müssen. Die Polizei unterstützt sie durch aktive Präsenz vor Ort und trägt damit zu ihrer Sicherheit bei.» Er betont aber auch die Verantwortung der Eltern. Verkehrserziehung mit dem Beibringen von richtigem Verhalten im Strassenverkehr sei nicht nur die Aufgabe von Polizei und Schule. «Sie beginnt bei den Eltern. Es ist genauso ihre Aufgabe, Kinder schrittweise an die Risiken im Strassenverkehr heranzuführen.»
Peter Zimmermann bestätigt: «Es ist nicht so, dass beim Schulbeginn mehr passiert.» Zweischneidig sei, dass Eltern vermehrt ihre Kinder zur Schule bringen. «Man muss die Kleinen fit machen für den Verkehr. Irgendwann braucht es das Vertrauen, dass sie den Schulweg allein gehen. Man hilft ihnen nicht, wenn man sie immer abholt.» Zum Glück sehe man als Eltern nicht immer alles, sagt er, selbst Vater einer Tochter, die mittlerweile Teenager ist. In Zollikon hat die Gemeinde mit der Gemeindepolizei eine Vereinbarung getroffen: Die Verkehrsinstruktion in der Schule wird von den eigenen Verkehrsinstruktorinnen Manuela Sereinig und Claudia Geyer durchgeführt. Diese beginnt kurz nach dem Schulstart. Die beiden besuchen die Kindergärten und laufen mit den Kindern den Schulweg ab. In Zumikon übernimmt diese Aufgabe wie in vielen anderen Gemeinden seit einigen Jahren die Kantonspolizei.
Am liebsten würde die Polizei noch mehr machen. Doch wie so oft ist auch diese Aufgabe eine Frage der personellen Ressourcen. Eines verspricht Peter Zimmermann: «In nächster Zeit werden wir vermehrt Geschwindigkeitskontrollen an Schulwegstrassen durchführen. Unsere mobile Geschwindigkeitsmessanlage wird heisslaufen.» So dürfte auch das Portemonnaie gewarnt sein, dass es sich lohnt, sich an die Verkehrsregeln zu halten. Man sollte also nicht nur luege, wo sich eine Radarfalle, sondern vor allem, wo sich ein Kind verstecken könnte. Und in jedem Fall sofort bereit sein, z’brämse und z’halte.
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