Von Joachim Lienert ‒ 15. August 2025

Es ist nicht ganz einfach, dieser Tage Maximilian Thiersch zu erreichen. Der 18-Jährige (siehe auch «Persönlich» im ZoZuBo 18/2025) absolviert gerade die Rekrutenschule als Aufklärer in Bière. Kaum hatte er im Sommer die Matura am Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Gymnasium Rämibühl abgeschlossen, ging es auch schon in die RS, zwei Tage nach den letzten Prüfungen. Dazwischen gab es Urlaub, am 20. Juli, für die Reise nach Baku, der Hauptstadt von Aserbaidschan. Zehn Tage lang war er mit seiner Delegation dort. «Ich habe mich jeweils im Zug nach Genf auf die Olympiade vorbereitet, auch abends in der Kaserne, sonst hatte ich kaum Zeit.»
Doch Urlaub bedeutete alles andere als Ferien. Natürlich trafen sich die Delegationen auch für eine Eröffnungsfeier, Ausflüge und mehr. «Alle Delegationen waren in einem Hotel untergebracht, man unterhielt sich miteinander, wir spielten Karten, gingen in den Ausgang. Wir aus der Schweiz tauschten uns stark mit Delegationen aus England und Pakistan aus, das waren sehr sympathische Leute.»
Doch eben, es war mehr Arbeit als Urlaub. Vier Tage lang schrieben die jungen Menschen Prüfungen, beurteilten mikro- und makroökonomische Fragen, nahmen Investmentanalysen vor, berechneten die Wirtschaftlichkeit von Projekten und erarbeiteten Lösungsansätze für wirtschaftliche Probleme. Und dann kam das Filetstück, das einzige Projekt, das keine Einzelleistung, sondern Teamarbeit war: der «Business Case». Dieses Jahr mussten die Teilnehmer und Teilnehmerinnen den wirtschaftlichen Sinn eines Infrastruktur-Grossprojekts in Form einer Brücke oder eines Tunnels zwischen Kasachstan und Aserbaidschan beurteilen, auch hinsichtlich technischer und ökologischer Aspekte. Um Mitternacht erhielt jede Delegation das Dossier mit dem Thema. Danach hatte sie 24 Stunden Zeit, den Fall zu erarbeiten und später zu präsentieren. Maximilian Thiersch sagt: «Wir gingen am Mittag ins Bett, damit wir fit waren, um nach Mitternacht 24 Stunden durchzuarbeiten. Im Supermarkt gegenüber dem Hotel deckten wir uns mit Nescafé ein, um uns wach zu halten.» Die Brücke würde als längste Brücke der Welt oder als Tunnel sagenhafte 300 bis 370 Kilometer lang durch oder über das Kaspische Meer verlaufen. Maximilian Thiersch erlebte die aserbaidschanische Regierung, die am Anlass vertreten war, als sehr ambitioniert. Auch bei uns kennt man das Land, das zu den 25 grössten Öl- und Gasproduzenten der Welt zählt: Die Marke Socar gehört dem aserbaidschanischen Staat. Das Schweizer Team mit Maximilian Thiersch beurteilte die Brücke als wirtschaftlich nicht sinnvoll. «Wir schlugen kleinere Brücken mit vorgelagerten Häfen und einer Fährverbindung vor.»

Die Wirtschafts-Olympiade ist Teil der Wissenschafts-Olympiade, die Wettbewerbe in elf Fächern anbietet, und eines der sechs praxisorientierten Wirtschafts- und Meinungsbildungsprogramme von Young Enterprise Switzerland (YES). An der Wirtschafts-Olympiade können Schülerinnen und Schüler bis zum Alter von 19 Jahren teilnehmen. Für seine Einzelleistung holte sich Maximilian Thiersch zusammen mit rund 30 anderen Teilnehmern eine Silbermedaille. Als Team reichte es der Schweiz für eine überdurchschnittliche Leistung. «Gegen hochtrainierte Delegationen aus Kanada, China oder Russland wird es für uns Schweizer zwar schwierig – doch wir haben trotzdem eine Chance.» Er betont die Wichtigkeit der Olympiaden: «Die Schweiz zeigt, was sie als Land kann, wir machen auf unser Bildungssystem aufmerksam, fördern die Jugend und geben ihr die Möglichkeit, sich auf der globalen Bühne zu zeigen und Experten auf den Fachgebieten kennenzulernen.» Die globale Bühne, sie scheint für Maximilian Thiersch wie gemacht. Sobald er die RS beendet hat, wird er ein Zwischenjahr mit Praktika in der Schweiz und im Ausland absolvieren.
Nächstes Jahr möchte er mit dem Wirtschaftsstudium beginnen und bewirbt sich an Universitäten in den USA. Ganz oben auf seiner Wunschliste stehen zudem die ETH und die Universität St. Gallen (HSG). Eine Botschaft an junge Leute liegt ihm am Herzen: «Ich möchte alle Zolliker und Zumiker Schülerinnen und Schüler ermutigen, an den Wissenschafts-Olympiaden teilzunehmen. Es ist eine grossartige Gelegenheit, sich in den eigenen Lieblingsfächern zu vertiefen und dabei viele tolle Menschen kennenzulernen.» Die erste Runde der nächsten Wirtschafts-Olympiade beginnt im September und findet online statt.
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