Von Joachim Lienert ‒ 15. August 2025

Welcher Titel ist der wichtigste? «Gute Frage», antwortet Yaëlle Klauser, überlegt kurz und fährt fort: «Der Titel im Cross-Country Short Track (XCC). Bei diesem kürzesten Track musste ich gegen ältere Konkurrentinnen fahren. Diese Disziplin existiert in der Schweiz gar nicht, die fahre ich nur an den Europameisterschaften. Sie ist sehr taktisch.» Ihr Vater Philipp Klauser, Trainer, Mechaniker und Organisator in Personalunion, erklärt: «Bei einem normalen Rennen beträgt die Renndauer zwischen 45 und 55 Minuten, der Short Track dagegen nur rund 15 Minuten. Das Tempo ist viel höher, und es spielen taktische Aspekte hinein, etwa der Windschatten. Man sollte nicht vorne fahren, nicht hinten, aber am Schluss muss man einen Angriff starten, sonst kommt es zum Sprint, und dann wird’s schwierig.» Yaëlle verblüffte ihre Gegnerinnen, indem sie in der dritten von vier Runden genau dort angriff, wo sie sich zuvor hatte zurückfallen lassen. Die Taktik zahlte sich aus: Sie gewann die Goldmedaille gegen 44 Gegnerinnen, die besten Juniorinnen aus ganz Europa. Das Gleiche gelang ihr beim langen Cross-Country Olympic (XCO).
Es ist kaum vermessen zu sagen, dass Yaëlle, in Zumikon geboren, aufgewachsen und zur Schule gegangen, zu den grossen Nachwuchstalenten der Schweiz – und gar Europas – im Mountainbike-Sport zählt. Der Werdegang ihres jungen Lebens widerspiegelt die Aussage. Soeben hat sie die Kunst- und Sportschule Zürcher Oberland (KuSs ZO) in Uster abgeschlossen. Nächste Woche beginnt ihre KV-Lehre – auch sie abgestimmt auf den Sport, an der United School of Sports in Zürich, einer staatlich anerkannten und zertifizierten Swiss Olympic Partner Schule für nationale Talente. Die Lehre dauert vier statt drei Jahre, wovon die ersten zwei nur in der Schule, die zweiten in einem Unternehmen absolviert werden. Dieses Modell gibt Raum für Yaëlles Hobby. Hobby oder doch eher Beruf? Auf jeden Fall Berufung. Yaëlle sagt: «Klar, es ist ein megagrosses Ziel, am liebsten würde ich Mountainbike-Profi werden.» Nebenbei fährt sie auch Radquer. Abgeklärt weiss sie: «Jetzt muss man halt schauen, wie ich mich in den nächsten Jahren entwickle. Dann kann ich, wenn ich in Radquer und Mountainbike gute Karten habe, vielleicht auf Radquer setzen. Aber das Hauptziel ist für mich Mountainbike.»
Der Erfolg ist diszipliniert erarbeitet – offensichtlich aus eigenem Antrieb. «Für mich ist Velofahren Freizeit», fasst Yaëlle ihre Ambitionen zusammen. Pro Woche trainiert sie 12 bis 14 Stunden, ein bis zweimal pro Woche beim Radsportverein Wetzikon, dann auch in Pfäffikon SZ im regionalen Trainingsstützpunkt für Mountainbike. Dazu kommt ihr eigenes Training – mehrmals pro Woche in den Wäldern von und um Zumikon.
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