«Die Seeüberquerung gehört zum Sommer dazu»

Von Aline Sloksnath ‒ 22. August 2025

Wenn das Wetter mitspielt, findet morgen zum 53. Mal die Zolliker Seeüberquerung statt. Geschwommen wird eine 1800 Meter lange Strecke vom Hafen Mönchhof in Kilchberg bis in die Seebadi Zollikon. Wir haben mit den Geschwistern Peter und Lilian Valko über den Traditionsanlass gesprochen.

Peter Valko (l.) und Lilian Valko nach der letztjährigen Seeüberquerung. (Bild: zvg)
Peter Valko (l.) und Lilian Valko nach der letztjährigen Seeüberquerung. (Bild: zvg)

Lilian Valko, Peter Valko, Sie beide nehmen schon lange regelmässig an der Zolliker Seeüberquerung (SeeQ) teil. Wann sind Sie zum ersten Mal über den See geschwommen?

Lilian Valko: Meine erste Seeüberquerung war Anfang der 1990er-Jahre, ich war ungefähr 14 Jahre alt. Ich bin schon sehr lange Mitglied im Schwimmclub Zollikon. In meinen besten Jahren erreichte ich sogar als eine der zehn schnellsten Schwimmerinnen in meiner Alterskategorie das Ziel.

Peter Valko: 1993, als ich 13 Jahre alt war, habe ich zum ersten Mal den Zürichsee überquert. In meiner Altersklasse habe ich auch schon gewonnen. Ich war wie meine Schwester im Schwimmclub, zusätzlich noch bei den Wasserballern. Unser Vater hat immer an der Zolliker Seeüberquerung mitgemacht, noch als wir beide klein waren und nur zuschauen konnten. Auch unsere Mutter war ein paar Mal als Helferin dabei. Ich kann nicht mehr genau sagen, ob nun die Mitgliedschaft im Schwimmclub oder unsere Eltern den Ausschlag gaben für meine erste Teilnahme.

Seither fand die SeeQ bis auf ein paar wetter- oder coronabedingte Absagen jedes Jahr statt. Waren Sie bei allen dabei?

Lilian Valko: Unterbrüche gab es bei mir in der Zeit, als meine Kinder klein waren. Bis dahin habe ich jedes Jahr teilgenommen. Als meine Kinder dann grösser wurden, habe ich wieder angefangen, regelmässig teilzunehmen.

Peter Valko: Ich kann mich nicht erinnern, dass ich je für eine längere Zeit nicht dabei war. Vielleicht war ich mal in den Ferien oder im Ausland. Aber eigentlich bin ich immer mitgeschwommen, wenn ich hier war und die Überquerung stattgefunden hat.

Seit ein paar Jahren helfen Sie auch bei der Organisation vor Ort mit. Auch dieses Jahr?

Lilian Valko: Ich war eine Zeit lang im Vorstand des Schwimmclubs und Schwimmtrainerin. Ich helfe schon länger bei der Organisation, früher vor allem vor dem Event, beispielsweise bei der Akquise der unzähligen freiwilligen Helferinnen und Helfer, die es jedes Jahr für einen reibungslosen Ablauf braucht. Seit einiger Zeit helfen mein Bruder und ich nun vor allem vor Ort, meist in Kilchberg. Auch dieses Jahr werden wir die Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Hafen Mönchhof begrüssen und einweisen.

Wann beginnt Ihr Tag am Samstag?

Peter Valko: Wir werden uns zwischen 5.30 und 6 Uhr in der Seebadi treffen. Dann gibt es ein Briefing der Helfer, alsbald wird auch die gemietete professionelle Zeitmessungsanlage angeliefert, die seit ein paar Jahren Teil der SeeQ ist. Um 7 Uhr werden wir dann mit dem Schiff der Seeretter nach Kilchberg gefahren, wo wir unsere Arbeit aufnehmen.

Jeden Sommer finden mehrere Seeüberquerungen am Zürichsee statt. Was macht die Zolliker speziell?

Peter Valko: Ich war schon bei anderen Seetraversierungen dabei und muss sagen, die SeeQ wird von Jahr zu Jahr professioneller. Als ich angefangen habe, wurde einem die Startnummer noch mit einer Sicherheitsnadel an der Badehose befestig und die Zeiten von Hand gemessen. Nun haben wir seit ein paar Jahren diese professionelle Zeitmessungsanlage. Das zieht viele Leistungsschwimmer an, die auf Zeit schwimmen. Zusätzlich ist die SeeQ für uns Zolliker ein Traditionsanlass, man kennt sich und trifft sich jedes Jahr wieder.

Was macht die Seeüberquerung für Sie persönlich besonders?

Lilian Valko: Auch für mich ist sie zur Tradition geworden. Die SeeQ hat etwas Familiäres. Mir gefällt, dass man sich hier untereinander kennt. Auch die Bratwurst und die Bouillon danach gehören dazu. Ebenso, dass man bei schönem Wetter noch etwas in der Badi verweilt.

Peter Valko: Für mich ist die SeeQ auch ein Abschluss der Sommersaison, ein Abschied vom See, bevor es wieder ins Hallenbad geht. Sie gehört zum Sommer dazu. Mit den Wasserballern haben wir mal ein Goal mit über den See genommen, ein andermal schwammen wir mit Bällen von Kilchberg nach Zollikon. Diesen Zusammenhalt schätze ich.

Was ist Ihr Ziel für die morgige Überquerung?

Lilian Valko: Ein zeitliches Ziel habe ich keines mehr. Ich werde von Jahr zu Jahr langsamer (lacht). Das Hauptziel ist sowieso, den See erfolgreich zu überqueren. Dieses Jahr gibt es für mich aber ein besonderes Highlight: Meine 13-jährige Tochter schwimmt zum ersten Mal mit.

Peter Valko: Das stimmt, man wird wirklich von Jahr zu Jahr langsamer (lacht). Trotzdem will ich für mich eine gute Zeit schwimmen. Aber nicht mehr wie früher, da wollte ich immer schneller sein als im Jahr zuvor. Ehrlich gesagt weiss ich noch nicht, ob ich morgen überhaupt antrete – ich entscheide spontan.

Worauf freuen Sie sich am meisten?

Peter Valko: Ich freue mich natürlich auch darüber, dass meine Nichte mitmacht. Und ich hoffe auf schönes Wetter. Wir sind meist die Ersten, die rüber nach Kilchberg fahren, dann ist der See ganz ruhig und spiegelglatt.

Lilian Valko: Das ist immer ein spezieller Moment.

Peter Valko: Das Schwimmen, wenn ich dann mitmachen werde, ist natürlich auch toll. Auch wenn ich in der Mitte ehrlich gesagt meist denke, so lässig ist es eigentlich gar nicht, eher anstrengend (lacht). Aber das Körpergefühl, wenn man in Zollikon aus dem See steigt, ist grossartig.

Lilian Valko: Es gibt an jeder SeeQ viele schöne Momente: Der gemeinsame Start, wenn man im See ist und das Ziel immer näherkommt.

Peter Valko: Und meist applaudiert dann jemand – man kennt sich ja untereinander.

Und was, wenn die SeeQ entgegen den Wetterprognosen ins Wasser fällt?

Lilian Valko: Dann bin ich vielleicht ganz wenig erleichtert, dass ich doch nicht so früh aufstehen muss. (lacht)

Peter Valko: Dann geht die Welt nicht unter, dann schwimmen wir einfach nächstes Jahr wieder mit.

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