Von Aline Sloksnath ‒ 22. August 2025

Beim Betreten seiner Praxis an der Dufourstrasse 7 läuft «Your Body is a Wonderland» im Radio. Passender könnte ein Songtitel nicht sein, denn Peter Steiners Laser kommen dann zum Zuge, wenn die Tinte unter der Haut das «Wonderland» stört. Viele kämen mit Jugendsünden, die sie sich mit 18 haben stechen lassen: «Häufig ein Akt der Rebellion gegen die Eltern.» Oder sie kommen mit schlecht gestochenen Motiven. Oft sei es auch ein Berufswunsch, der zur Tattooentfernung bewegt: Flight Attendant, Polizei, Bank oder Aussendienst.
Seit 2012 arbeitet Peter Steiner in dieser Branche. Reingerutscht ist er zufällig: «Ich habe mich mit einem Freund zum Abendessen getroffen. Der erzählte mir von seiner neuen Businessidee: Tattooentfernung.» Und wollte Peter Steiner mit an Bord haben. Einen Mitarbeiter, der sich mit Lasern auskennt, hatte er schon, nun suchte er jemanden, der Ahnung im medizinischen Bereich mitbringt. Peter Steiner mit seiner Erfahrung in der Pflege und der Stationsleitung von Spitälern wäre ein Volltreffer. «Ich hatte schon im Kopf, dass ich irgendwann weg will aus der Spitalwelt. Nur wohin wusste ich nicht.» Die neue Möglichkeit faszinierte ihn, er sagte zu.
Er und sein Geschäftspartner entschieden, sich auf Tattooentfernung zu spezialisieren: «Wir wollten kein Gemischtwarenladen sein, wir wollten eine Kompetenz in diesem Bereich aufbauen.» Die Anfänge beim Bahnhof Dietlikon waren rudimentär. Sein damaliger Partner hatte in einem Solarium begonnen, notdürftig abgetrennt hinter einer Holztrennwand. Das entsprach nicht Peter Steiners Ansprüchen, er brauchte eine richtige Praxis. Er überzeugte seinen Kollegen, gemeinsam zogen sie in geeignetere Räumlichkeiten am Bahnhof Schwerzenbach. 2012 wurde die Praxis bereits zum Schweizer Marktführer im Bereich Photothermolyse. Investitionen in fortschrittlichere Lasersysteme folgten, die Behandlungen stiegen von Jahr zu Jahr an.
2016 folgte der Umzug nach Zollikon. Auch das war Zufall. Ausschlaggebend war eine Verordnung, nach der Tattooentfernungen mit Lasern nur noch unter ärztlicher Aufsicht geschehen durften. Ein plastischer Chirurg aus Zollikon nahm sie unter seine Fittiche. Weil dieser nicht mehr pendeln wollte, zügelte Peter Steiner an die Goldküste. Es gefällt ihm hier: «Zollikon ist durch die Praxis zu meiner zweiten Heimat geworden.»
Als er in die Branche einstieg, gab es keine Ausbildung zur Tattooentfernung – alles war Learning by Doing. Seit Juni 2024 verlangt der Bund nun einen Sachkundeausweis. Das Wissen im medizinischen Bereich brachte er mit, den Umgang mit dem Laser lernte er anfangs vom dritten Mann im Bunde. «Nachher geht es nur über Erfahrung.» Peter Steiner war wissensdurstig. Er wollte mehr lernen, mehr verstehen. Auch nach über 20 000 Behandlungen informiert er sich über neue Entwicklungen. «Ich bin ein Tattooentfernungs-Nerd.»
«Die Tätowierer wollen ihre Arbeit zeigen. Bei uns ist es anders, eher wie bei Medizinern.» Man sei verschlossen, und als Nichtmediziner werde man ohnehin eher belächelt. Trotzdem geht Peter Steiner an Laserkongresse und tauscht sich innerhalb seiner Branche aus. Meist sei es aber so, dass er Anfragen zur Beratung oder Wissensvermittlung bekomme. «Ich hätte gerne jemanden, den ich mal um Rat fragen kann.» Als Arzt wäre er eine Koryphäe in seinem Bereich. Von sich selbst würde Peter Steiner dies nie behaupten.
Sein Lebenslauf ist ungewöhnlich. «Ursprünglich habe ich Heizungszeichner gelernt.» Das geometrische Zeichnen habe ihm gefallen. Doch nach zwei Jahren wollte er die Lehre abbrechen; der Vater drängte zum Abschluss. «Nach der Ausbildung habe ich keinen Tag auf dem Beruf gearbeitet.» Stattdessen wurde er Programmierer. Zu einer Zeit, als dies noch niemand war. «Ich war jung, frisch dabei und habe gut verdient.» Doch die Medaille hatte eine Kehrseite: «Ich wurde unbewusst immer materialistischer und habe oft bis in die Nacht gearbeitet.» Seine damalige Freundin bewegte ihn zu einer Veränderung, zu etwas Sozialem. Der gebürtige Rapperswiler liess sich überreden und absolvierte ein halbjähriges Praktikum im Spital Uznach. Darauf folgten sechs Monate Praktikum in der Altenpflege. Nun stand er erneut vor einer Weggabelung: Ausbildung zum Pflegefachmann oder zurück in die Programmierwelt? Peter Steiner, mittlerweile 28, entschied sich für Ersteres, für die Höhere Fachschule, und arbeitete dann im Unispital und im Triemli. Doch für immer wollte er nicht am Bett arbeiten. «Ich wollte eine Führungsaufgabe.» Er fand sie als Stationsleiter Chirurgie im Spital Wetzikon. Zehn Jahre blieb er im Zürcher Oberland, arbeitete sich zum Leiter Bereich Chirurgie hoch, später zum Leiter Patientenmanagement. Bis ihn der Zufall in die Tattooentfernungs-Branche brachte.
Doch wer ist Peter Steiner abseits von Lasern und Lebenslauf? «Sport war schon immer mein Ding.» Handball, Tennis, dann Unihockey bis zur Nati B. Später kam Velofahren dazu, bis heute eines seiner liebsten Hobbys. «Wann immer es geht, fahre ich mit dem E-Bike zur Arbeit.» 36 Kilometer pro Weg, von Hittnau nach Zollikon und wieder zurück. Auch seine Frau ist sportlich. Zusammen schafften sie den Gigathlon, eine zweitägige Ausdauer-Sportveranstaltung. «Heute treibe ich Sport nur noch zum Ausgleich.» Daneben sei sein Garten der Ort, an dem er am besten herunterfahren könne.
«Ich mache mir langsam Gedanken, wie es weiter geht», sagt der 58-Jährige. Bis zum Pensionsalter möchte er nicht arbeiten. Gerne würde er seine Praxis jemandem vom Team übergeben – oder sie verkaufen. «Dann könnte ich einen cleanen Cut machen.» Klar ist: Peter Steiner wird auch in seinem dritten Lebensabschnitt eine erfüllende Herausforderung finden.
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