Zollikon ist blockiert

Von Claudia Eberle-Fröhlich ‒ 29. August 2025

Wer derzeit mit dem Auto, Velo oder Bus von Zollikon oder vom rechten Zürichseeufer in die Stadt fährt, braucht vor allem eines: Geduld. Vier Grossbaustellen auf der Bellerivestrasse, Zollikerstrasse und Forchstrasse sowie Kreuzplatz bringen den Verkehr in Zürichs Osten seit Sommer 2025 gehörig ins Stocken – und das voraussichtlich bis weit ins Jahr 2026.

Seefeldstrasse mit der Linienführung Zollikerbus 912 und 916. (Bild: cef)
Seefeldstrasse mit der Linienführung Zollikerbus 912 und 916. (Bild: cef)

Die Bellerivestrasse, das Nadelöhr im Seefeld, wird derzeit auf rund 1,6 Kilometern in vier Etappen wegen maroder Wasserleitungen aus dem 19. Jahrhundert saniert. Seit Mitte August 2025 steht nur noch eine Spur pro Richtung zur Verfügung. Abbiegen ist im Abschnitt Kreuzstrasse bis Ida-Bindschedler-Strasse nicht mehr erlaubt, zwei Bushaltestellen, Zolliker-Küsnachter Bus Linien 912 und 916, Elektrowatt und Chinagarten, fallen weg. Auch für Velofahrende, Fussgängerinnen und Fussgänger gibt es Einschränkungen. Die Bauarbeiten dauern voraussichtlich bis Herbst 2026. Die Busstation Bellevue hingegen ist voraussichtlich nur noch bis Ende Oktober 2025 an der Falkenstrasse, sagt Béla Kalman, Betriebsleiter des Busbetriebs AZZK.

Die Zollikerstrasse ist zwischen Mühlebachstrasse und Stadtgrenze für den motorisierten Verkehr seit Juni 2025 bis Sommer 2026 gesperrt. Die Erneuerung der Werkleitungen sowie die Erstellung des neuen Fernwärmenetzes bringen weitreichende Umleitungen mit sich. Während der Bauzeit ist die Zollikerstrasse nur von der Südstrasse bis zum Botanischen Garten befahrbar. Auch hier müssen Velos und Autos weiträumig ausweichen, unter anderem via Dufourstrasse oder Bleulerstrasse.

Navis müssen aktualisiert werden

Zwei weitere Einschränkungen betreffen die Forchstrasse und den Kreuzplatz. Am Kreuzplatz wird seit Mai bis Weihnachten gearbeitet: Gleise, Haltestellen und Werkleitungen werden erneuert, was an Wochenenden immer wieder zu Sperrungen von Tram und Forchbahn führt. Gleichzeitig wird die Forchstrasse im Bereich Waldburg für zwei Jahre neu gebaut, allerdings konnte der Verkehr hier zweispurig erhalten bleiben, auch wegen der Nähe zu mehreren Spitälern.

Die Auswirkungen sind spürbar: Zu Beginn der Bauarbeiten an der Bellerivestrasse stauten sich die Autos durchs Seefeld, Busse standen im Kolonnenverkehr, Velofahrerinnen und -fahrer wichen auf enge Seitenrouten aus. Die Stadt Zürich ruft auf, den öffentlichen Verkehr oder das Velo zu nutzen. Doch auch mit dieser Empfehlung machen Ersatzbusse, Umleitungen und nicht bediente Haltestellen die Fahrten zur Herausforderung. Besonders betroffen von den Einschränkungen sind Berufspendlerinnen und -pendler aus Zollikon, Küsnacht und dem übrigen rechten Seeufer. Seit Montag dieser Woche sei die Einrichtung abgeschlossen, teilt Helen Berg, Mediensprecherin des Tiefbauamts der Stadt Zürich, mit. Jede komplexe Baustelle im Hauptverkehrsnetz brauche eine Einrichtungs- und Justierzeit. «Nun läuft das System stabil.»

Die Navigationssysteme stimmen offensichtlich nicht mehr mit der aktuellen Bautätigkeit überein. Deshalb ist die Dienstabteilung Verkehr im Kontakt mit Herstellern und Anbietern von Navigationssystemen, damit sie die angepasste Verkehrsführung übernehmen, informiert Helen Berg. Man empfehle Autofahrern, der Signalisation auf den Strassen zu folgen, auf der Bellerivestrasse zu bleiben und nicht ins Quartier auszuweichen.

Koordination verpasst?

Wurde die Koordination zwischen Kanton, Stadt und den Sanierungen der drei wichtigen Zufahrten von Zollikon nach Zürich verpasst? Am Kreuzplatz verliefen die Planung und der Baubeginn im Mai termingerecht. Die Sanierung der Bellerivestrasse musste jedoch wegen zahlreicher Wasserleitungsbrüche vorgezogen werden, wie Helen Berg erklärt. Bei einer Bauzeit von eineinhalb Jahren sind Überschneidungen mit anderen Projekten unvermeidbar. Einen idealen Zeitpunkt für Bauarbeiten gibt es nie. «Die Stadt ist sich der Unannehmlichkeiten für das Quartier und den Verkehr bewusst und treibt die Bauarbeiten so schnell und effizient wie möglich voran.» Der Verkehr laufe auf der Bellerivestrasse trotz Sperrung der Abbiegemöglichkeit in die Nebenstrassen flüssig. Das eigentliche Nadelöhr bleibe unabhängig von den Bauarbeiten das Bellevue: Entscheidend sei, wie viele Verkehrsteilnehmer dort ein- oder ausfahren können. Die Kapazität bleibt daher laut Helen Berg auch auf der aktuell zweispurigen Bellerivestrasse erhalten.

Der Küsnachter Thomas Maag, Mediensprecher der Zürcher Baudirektion, präzisiert: «Die Bellerivestrasse liegt in der Verantwortung der Stadt, doch es gibt regelmässige Koordinationsgespräche zwischen Kanton, Stadt und Gemeinden. Äussere Einflüsse wie Einsprachen beeinflussen die Planung. Bei der Sanierung von Strassen und den Werkleitungen darunter wird die Dringlichkeit primär durch deren Zustand bestimmt.» Feste Prioritäten gebe es nicht. Die Koordination der Strassen- und Werkleitungseigentümer ziele darauf ab, den Verkehrsfluss bestmöglich zu erhalten. «Die Witellikerstrasse und die Seestrasse (Tiefenbrunnen bis Zollikon) beispielsweise sind in der Warteschleife und werden erst 2030 bzw. nach Abschluss laufender Projekte saniert. Bei Werkleitungsreparaturen entscheidet die Dringlichkeit des Strassenzustands, bei Oberflächenänderungen oder Spurverlegungen hat der Kanton das Sagen.»

Baustelle des EWZ am Tiefenbrunnen. (Bild: cef)
Baustelle des EWZ am Tiefenbrunnen. (Bild: cef)

Jährlich 10 000 Fahrzeuge mehr

Thomas Maag betont: «Heute hat jede Strassenbaustelle, die eine Verkehrseinschränkung nach sich zieht, viel grössere Auswirkungen als früher. Denn jedes Jahr verkehren allein im Kanton Zürich 10 000 Fahrzeuge mehr, das Strassennetz bleibt aber gleich gross.»

Der Rückstau beim Tiefenbrunnen zur Überführung Zollikon hängt nicht mit der Baustelle Bellerivestrasse zusammen. Laut Béla Kalman verursachte eine 20-minütige Busverspätung zwischen Überführung und Tiefenbrunnen nicht die Bellerive-Sanierung, sondern der geplante langgestreckte Gewerbebau der SBB. Seit dem 23. Juni baut das EWZ dort bis Ende Oktober die Werkleitungen für eine Transformatorenstation; der Verkehr wird zeitweise einspurig bei der Autowaschanlage vorbeigeführt. Béla Kalman zeigt sich insgesamt zufrieden mit dem Verkehrsfluss und der Durchfahrt über die Seefeldstrasse. Ab Ende Oktober wird die Buslinie vom Bellevue nach Zollikon und Küsnacht wieder aufgenommen, allerdings vorerst ohne die Haltestellen Elektrowatt und Chinawiese. Diese sollen erst im Herbst 2026 wieder bedient werden.

Wie beurteilen die SBB die Situation an der Bellerivestrasse? Einige kleinere Vorarbeiten wie Rückbauten und Arbeiten an der Arealentwässerung wurden bereits seit Mai 2024 durchgeführt. Reto Schärli, Mediensprecher der SBB, teilt mit: «Ab Anfang 2026 wird die Baugrube ausgehoben. Die Fertigstellung und Inbetriebnahme des Gebäudes ist für 2028 vorgesehen. Auswirkungen auf umliegende Strassen oder den Verkehr entstehen nicht.»

Blick in die Zukunft

Auf die Frage, wie die Zufahrten von Zürich nach Zollikon Dorf und Berg geplant sind, informiert Helen Berg: «Im Rahmen des laufenden Betriebs- und Gestaltungskonzepts für den Spitalcluster Lengg mit Forch-, Lengg- und Witellikerstrasse werden Massnahmen geprüft, um den Verkehrsfluss für Individual- und öffentlichen Verkehr zu optimieren. Die Stadt steht im Austausch mit dem Kanton und der Gemeinde Zollikon.» Zur Bellerivestrasse betont Helen Berg: «Das geplante Oberflächenprojekt sieht keine Kapazitätsreduktion vor, daher sind keine zusätzlichen Massnahmen ausserhalb der Baustelle nötig. Die Gemeinde Zollikon ist informiert.»

Weitere Baustellen in Zollikon (2025–2030):
– Seestrasse (Bahnhofstrasse–Grenze Küsnacht): Der Kanton plant beidseitige Radstreifen und Massnahmen für mehr Verkehrssicherheit, besonders für Fussgänger und Schulkinder. Die Einsprachefrist endete am 7. Juli 2025; Einwendungen werden nun an das kantonale Tiefbauamt weitergeleitet.
– Forchstrasse (Zollikerberg–Zumikon): Bis 22. September 2025 läuft die Ausschreibung für einen neuen Veloweg und die Sanierung der Strasse. Einsprachen sind möglich.
– Kreisel Dufourplatz Zollikon (Baujahr 1935) und Dufourstrasse bis Alte Landstrasse: Die Sanierung beginnt im Februar 2026 und dauert 18 Monate.
-Witellikerstrasse: Die Sanierung des Strassenbelags ist erst für 2030 vorgesehen – in -Abstimmung mit weiteren städtischen und kantonalen Projekten.
-Bergstrasse Zollikon (Dufourplatz bis Gemeindehaus): Sanierung Werkleitungen und Strassenbelag im 2028.

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