Ein Zentrum der Gemeinschaft für Generationen

Von Joachim Lienert ‒ 5. September 2025

Zumikon steht vor einer Weichenstellung. Am 28. September gelangt das grösste Bauprojekt seit Jahrzehnten zur Abstimmung: das Gemeinschaftszentrum Zumikon (GZZ). Ein Projekt, so gross, dass die Besichtigung von letzter Woche drei Stunden dauerte. Ungewöhnlich ist nicht nur seine Grösse. Ungewöhnlich ist auch, wer zur Abstimmung aufgerufen ist.

Neue Räume für die Bevölkerung – sogar der Maschinen- wird zum Tanzraum. (Bild: jli)
Neue Räume für die Bevölkerung – sogar der Maschinen- wird zum Tanzraum. (Bild: jli)

Es war nicht nur eine Gemeinde, die am Samstag zum Tag der offenen Tür lud. Es waren gleich deren drei. Denn das Zentrum gehört zu unterschiedlichen Anteilen der politischen Gemeinde Zumikon, der refor­mierten Kirchgemeinde Zollikon-Zumikon und der katholischen Kirchgemeinde Zollikon, Zollikerberg und Zumikon. Die Besucherinnen und Besucher wurden durch das bestehende Gemeinschaftszentrum geführt, an 14 Posten gezeigt, was sich ändern wird – und was bleiben soll. Über 100 Personen nahmen an zwei Rundgängen teil, jeder satte drei Stunden lang. Im Gemeindesaal informierten sich etwa 50 weitere über das Projekt.

Die Rundgänge führten das Architektenpaar Mark Aurel Wyss und Nathalie Rossetti vom Zolliker Architekturbüro Rossetti und Wyss Architekten AG zusammen mit dem Zumiker Gemeinderat und Liegenschaftenvorstand Thomas Epprecht und weiteren Vertretern der Gemeinde und der Kirchgemeinden. Das Gemeinschaftszentrum wurde 1982 eröffnet, erbaut vom renommierten Schweizer Architekten Max Ziegler (1921–2012). Die Initiative ging von der damaligen Gemeindepräsidentin und späteren ersten Bundesrätin Elisabeth Kopp aus. Thomas Epprecht erinnerte daran, wie weitsichtig die Gemeinde damals geplant hatte und es mit dem Dorfplatz und Gemeinschaftszentrum schaffte, Zumikon vor der Zerschneidung durch die Forchbahn zu bewahren.

Die neue Bibliothek mit breiter Glasfront, Wasserspiel und Weiher. (Visualisierung: Stomeo Visualisierungen, Zürich)
Die neue Bibliothek mit breiter Glasfront, Wasserspiel und Weiher. (Visualisierung: Stomeo Visualisierungen, Zürich)

So viel wie möglich erhalten

Jetzt also soll das Gemeinschaftszentrum in die Zukunft geführt werden. Allein die Zahl der Posten deutet die Komplexität an. Mark Aurel Wyss: «Die Bausubstanz ist sehr gut, weshalb wir so viel wie möglich erhalten möchten.» Das Projekt bestehe zu 85 Prozent aus Umbau und zu 15 Prozent aus Ergänzungen, wovon rund ein Fünftel die Bibliothek betrifft. Der Gebäudekomplex muss für die heutigen Anforderungen fit gemacht werden – vom Brandschutz über die Energie­versorgung, die Schadstoffsanierung und Erdbebensicherheit bis zu den sanitären Anlagen und der Zugänglichkeit für Menschen mit eingeschränkter Mobilität. Die Erschliessung der Niveaus vom Dorfplatz bis zum Güggelplatz soll neu von aussen erfolgen, mit zwei grossen Treppen, einem Lift für 13 Personen und Rampen. Weil dadurch im Gebäudeinnern zum Beispiel Treppen wegfallen, entstehen zusammenhängende Einheiten, die sich getrennt von den anderen nutzen lassen. So muss nicht mehr das ganze Gemeinschaftszentrum geöffnet, gereinigt und beheizt werden, wenn nur ein Teil davon genutzt wird. Das wird die Betriebskosten senken.

Hanna Rüegg, Präsidentin der Kirchenpflege der reformierten Kirche, freut sich auf einen viel grösseren Empfangsraum, auf die Zusammenführung sämtlicher Räume im Erdgeschoss und auf die Umwandlung des Kirchgemeindesaals in einen Saal im Eigentum aller drei Parteien. «Wir lösen damit auch unser Versprechen ein: Wir bleiben in Zumikon präsent.» Auch der Cheminéeraum oben wird ins Eigentum aller drei Parteien überführt. Die neue grosszügige Gastroküche mit Tageslicht eignet sich für Catering, Produktion und Regeneration, für Anlässe bis zu 80 Personen. Die Galerie im Cheminéeraum verschwindet, der Kirchgemeindesaal wird mit Fenstern zum Dorfplatz geöffnet. Mark Aurel Wyss: «Entlang der ganzen Länge des Saals öffnet sich das Panorama zum Dorfplatz.» Der Saal wird bis zu 200, der gesamte obere Stock 300 Personen Platz bieten.

Marianne und Rolf Langenegger: «Es ist ein Riesenprojekt. Wir hoffen, dass wir es noch erleben und dass die Gemeinde bei der Abstimmung positive Signale aussendet. Hoffentlich gibt es nicht wieder Einsprachen wie beim Dorfplatz. Das Projekt ist zeitgemäss, zukunftsgerichtet, alle Elemente werden viel besser nutzbar sein. Zudem: Ein Gemeinderat hat uns versichert, dass die Gemeinde das Geld hat und keine Steuererhöhung notwendig sein wird.»

Anna Schnetzler mit der dreimonatigen Maria: «Wir wohnen im Mettelacher. Unser vierjähriger Sohn verbrachte quasi dreieinhalb Jahre seines Lebens auf dem Dorfplatz. Das Projekt ist sehr wichtig. Es betrifft uns Junge und bietet so viele gute Möglichkeiten an so zentraler Lage, für Veranstaltungen und für Events. Ich finde das geplante Gemeinschaftszentrum durchdacht und sinnvoll.»

Anna Schnetzler mit der dreimonatigen Maria: «Wir wohnen im Mettelacher. Unser vierjähriger Sohn verbrachte quasi dreieinhalb Jahre seines Lebens auf dem Dorfplatz. Das Projekt ist sehr wichtig. Es betrifft uns Junge und bietet so viele gute Möglichkeiten an so zentraler Lage, für Veranstaltungen und für Events. Ich finde das geplante Gemeinschaftszentrum durchdacht und sinnvoll.»

Dachterrasse mit Alpenpanorama

Freuen darf man sich auf eine Dachterrasse über dem Gemeindesaal, mit Sitztreppen-Arena und Rampe. Thomas Epprecht: «Von hier sieht man nicht nur die Kirche, sondern blickt ins Grüne, mit Alpenpanorama, Zimmerberg – und einem Fetzchen Zürichsee.» Ob Konzert, Seminar oder Chasperli­theater: Hier lassen sich unterschiedlichste Anlässe denken. Im oberen Stock gibt es Räume für Jassnachmittage, Generalversammlungen und andere Vereinsanlässe. «Hier oben gehört alles allen drei Gemeinden zusammen. Man kann den ganzen Stock mieten oder einen Raum in passender Grösse wählen.» Auch Firmen können Räume mieten, «doch die Zumiker Vereine sollen die Räume weiterhin bevorzugt und kostenlos nutzen können».

Vedran Zrno, Präsident der Kirchenpflege der katholischen Kirchgemeinde Zollikon, Zollikerberg und Zumikon, erläutert die Bruder-Klaus-Kapelle: «Sie bekommt dank der baulichen Veränderungen eine neue Lichtführung mit sakraler Stimmung. Die Buntglasfenster bleiben erhalten. Der Eingang wird auf die andere Seite zum Dorfplatz verlegt.» Der Raum wird erweitert und wirkt dadurch offener, die Empore mit der Orgel wird zurückgebaut. «Am Anfang wird voraussichtlich ein sogenanntes Orgelpositiv, eine transportierbare Truhenorgel, aufgestellt. Diese wurde uns geschenkt und lagert zurzeit bei uns im Zollikerberg. Das konkrete musikalisch-lithurgische Konzept ist aber noch sehr offen.» Im zusätzlichen Büro können beispielsweise Ehe- oder Taufgespräche geführt werden, und im Erdgeschoss entstehen gut vernetzte Räume und ein Unterrichtsbereich für Kinder.

Bibliothek und Disco

Der einzige komplette Neubau-Teil ist die Bibliothek. Wie bei Max Zieglers Architektur wird das Dach in einer Holzkonstruktion gefertigt. Eine breite Glasfront öffnet sich zum Güggelplatz, im Obergeschoss scheint die Sonne auf drei Seiten hinein, ebenso wie von oben durch die Oberlichter des versetzten Dachfirsts. Ein Ort zum Schmökern, zum Lernen, für Lesungen. Der Liegenschaftenvorstand sagt: «Hinter allem, was wir hier planen, steht der Gedanke, dass es die nächsten 40 Jahre nutzbar sein soll.» Sollte sich etwa der Platzbedarf der Bibliothek ändern, liesse sie sich einfach umnutzen.

Das Dachwasser wird gesammelt, fliesst wie ein Wasserspiel entlang des Chirchbüels hinunter und mündet in einen Weiher mit Versickerung. Auch der Güggelplatz soll neu bespielt werden und sich zum Bänningerweg hin öffnen. Der Platz «mit italienischem Innenhof-Flair» ist zudem wichtig für die hindernisfreie Zufahrt zum Gemeindesaal. Dessen Regenerationsküche lässt sich nutzen, beispielsweise für Caterings. «Der Güggelplatz soll leben.» Er ist bereit für Veranstaltungen von Konzert bis Kino.

Auch am Modell wurde eifrig über das neue Gemeinschaftszentrum diskutiert. (Bild: jli)
Auch am Modell wurde eifrig über das neue Gemeinschaftszentrum diskutiert. (Bild: jli)

Zum Schluss steigt die Gruppe in den Bauch des Gebäudes, den Technikraum – in ein Gewirr von Röhren und Installationen. Die gewaltige Haustechnik braucht es nicht mehr. In eine Disco soll sich der Raum verwandeln, in einen Begegnungsort für Junge. Hier unten stört es niemanden, wenn gelärmt wird, und Geburtstagspartys sind ebenso denkbar wie Yogakurse und andere Treffen.

Dem Publikum gefällt’s

Im Gemeindesaal angekommen, sind die Teilnehmerinnen und Teilnehmer dankbar, sich setzen zu dürfen. Nicht zuletzt Thomas Epprecht, der an diesem Tag an einer Krücke geht und inzwischen sechs Stunden Rundgang hinter sich hat. Dieser Saal, er soll geöffnet werden, das Podest wird entfernt, der Treppenaufgang nach aussen verlegt, die Unterteilung aufgehoben. Das künftige Foyer wird dort eingerichtet, wo einst das Restaurant Güggel war, jetzt noch dunkel, müffelnd und kaum genutzt. Der Gemeinderat: «Wenn sich jemand fragt, warum das Zentrum erneuert werden muss, dann sieht und riecht man das hier.»

Das Gemeinschaftszentrum sei das beste Beispiel dafür, wie vor 40 Jahren die drei Gemeinden etwas gemeinsam für Generationen schufen, sagt Mark Aurel Wyss. «Heute ist die Frage, ob wir wieder ein solches Vorhaben für alle ermöglichen. Die Gemeinden haben sich damals zusammengerauft und bewiesen eine Weitsicht, von der wir alle noch immer profitieren. Jetzt liegt es an uns, die gleiche Verantwortung für die kommenden Generationen zu übernehmen.»

Gäbe es eine Alternative zum Projekt? Der Liegenschaftenvorstand sagt: «Das Gebäude ist sanierungsbedürftig. Es muss so oder so saniert werden. Würde man aber nur sanieren, hätte dies trotzdem sehr hohe Kosten zur Folge – ohne jeglichen Mehrwert für die Nutzer.» Dem Publikum jedenfalls gefällt’s an diesem Tag. Man vernimmt
nur positive Stimmen zu diesem Generationenprojekt.

Die Abstimmung
Die Stimmberechtigten werden am 28. September über das grosse Bauvorhaben «Gemeinschaftszentrum Zumikon» abstimmen – und zwar gleich dreimal:
1. einmal das Zumiker Stimmvolk an der Urne über den Kredit der
politischen Gemeinde von 29,95 Millionen Franken,
2. einmal die Stimmberechtigten der reformierten Kirchgemeinde Zollikon-Zumikon an der Urne über ihren Kredit von 3,18 Millionen
3. und schliesslich die Stimmberechtigten der katholischen Kirchgemeinde Zollikon, Zollikerberg und Zumikon. Sie stimmen an der Kirchgemeindeversammlung im Anschluss an den Gottesdienst am Sonntagmorgen im Pfarreizentrum St. Michael im Zollikerberg über ihren Kredit von 4,03 Millionen ab.
Ausführliche Informationen zum Gesamtprojekt mit Vorher-Nachher-Visualisierungen finden sich hier:
www.gemeinschaftszentrum-zumikon.ch

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