Von Aline Sloksnath ‒ 12. September 2025
Im November 2013 wurde Gounods Oper Faust am Opernhaus Zürich inszeniert. Mittendrin ich als Regiehospitantin. Es war eine Wucht. Dunkle Kostüme, grosse Gefühle, ein fast obszöner Maskenball, ein oberkörperfreier Mephisto. Ich merkte, Oper ist gar nicht so verstaubt, wie ich immer dachte. Oper kann richtig cool sein. Die in Zumikon lebende Opernsängerin Laura Ansaldi sagte während unseres Gesprächs, sie wünsche sich, dass junge Menschen Oper nicht mehr langweilig fänden. Denn das sei sie ganz und gar nicht. Wer sich ein bisschen mit Oper auskenne, der merke: Sie ist das Zentrum unserer Emotionen. Selbst wenn die Geschichten alt sind, die Emotionen sind zeitlos: Liebe, Verrat, Stolz, Ehrgeiz. Sie sagte aber auch: «Wir können Oper nicht mehr wie vor 200 Jahren machen.» Womit sie ins Schwarze trifft. Die Oper muss sich der Zeit anpassen, um lebendig zu bleiben. Doch zwischen künstlerischer Innovation und blossem Zeitgeist liegt ein schmaler Grat. TikTok-Tänze auf der Opernbühne wären dann wohl doch eher ein Schritt zu viel.
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