Highlight Helikopter: Das war der Blaulichttag

Von Aline Sloksnath ‒ 19. September 2025

Ein rauchendes Auto, ein ­Rettungshelikopter und grosse Kinderaugen. Der Zumiker Blaulichttag war ein voller Erfolg.

Zum ersten Mal war auch ein Rettungshelikopter dabei. (Bilder: asl)
Zum ersten Mal war auch ein Rettungshelikopter dabei. (Bilder: asl)

Auf dem Zumiker Dorfplatz raucht ein Auto. Mehrere Feuerwehrfahrzeuge sind vor Ort. Zusätzlich Polizei, Samariter, Schutz und Rettung, die Alpine Air Ambulance und der ­Zivilschutz. Was nach einem Grosseinsatz aussieht, ist in Wahrheit ein Spektakel zum Mitmachen. Der Blaulichttag, organisiert von der Feuerwehr Zumikon-Küsnachterberg, bot vergangenen Samstag spannende Einblicke in die Welt der Blaulichtorganisationen.

Auftakt aus der Luft

Kurz nach 11 Uhr begrüsst Feuerwehrkommandant Thomas Uebersax die Gäste und kündigt bereits das erste Highlight des Tages an – die Ankunft eines Rettungshelikopters der «AAA» Alpine Air Ambulance. Klein und Gross stürmen zur Wiese neben dem roten Platz. Kaum sind die ersten Neugierigen angekommen, kündigt das Brummen der Rotorblätter den besonderen Gast aus der Luft an. Dann taucht der Helikopter am Himmel über dem Dorfplatz auf, fliegt eine Runde über den Köpfen der Zuschauer und setzt zur Landung an. «Bitte Chäppli festhalten», weist eine Mitarbeiterin die Anwesenden an. Kinder halten sich die Ohren zu, Erwachsene zücken ihre Smartphones, um den seltenen Moment festzuhalten. Es ist das erste Mal, dass ein Rettungshelikopter zu Besuch am Zumiker Blaulichttag ist.

Zurück auf dem Dorfplatz wartet schon das nächste Ereignis: Jemand muss aus einer brennenden Wohnung gerettet werden. Da die Feuerwehr Zumikon-Küsnachterberg nicht über ein eigenes Fahrzeug mit Auto-Drehleiter (ADL) verfügt, ist auch die Feuerwehr Zollikon vor Ort und demonstriert, wie eine Evakuierung damit abläuft.

Die Kleinsten waren begeistert vom Blaulichttag.
Die Kleinsten waren begeistert vom Blaulichttag.

Die Feuerwehr Zollikon am Blaulichttag Zumikon? «Wir sind der Drehleiter-Stützpunkt in der Region und decken die Gemeinden Zollikon, Zumikon, Erlenbach und Küsnacht ab», erklärt Simon Diener, stellvertretender Kommandant. «Wenn es in einer Nachbargemeinde die Drehleiter braucht, sei es für einen Einsatz der Feuerwehr oder den Rettungsdienst, werden wir aufgeboten.» Eingeteilt werden diese Stützpunkte durch die Gebäudeversicherung des Kantons Zürichs, die auch die Kosten trägt. Ein solches Fahrzeug ist teuer, zusätzlich braucht es extra Ausbildungen für die Maschinisten. «Müssen wir mit der Drehleiter nach Zumikon oder Küsnacht ausrücken, gehen auch immer mindestens drei Feuerwehrleute von uns mit», erklärt ­Simon Diener.

Die Feuerwehr und ihre Abkürzungen

Die Feuerwehr Zumikon-Küsnachterberg verfügt zwar nicht über eine ADL, dafür aber seit diesem Wochenende über zwei neue PTF – Personentransportfahrzeuge. In jedem finden jeweils acht AdF – Angehörige der Feuerwehr – Platz. «Die Feuerwehr liebt ihre Abkürzungen», scherzt Gemeinderat und Vorsteher Sicherheit und Liegenschaften Thomas Epprecht bei seiner Ansprache. Im Anschluss übergibt er dem Kommandanten Thomas Uebersax feierlich zwei riesige Autoschlüssel, die neuen PTF sind nun offiziell Bestandteil der Fahrzeugflotte.

Feierlich übergibt der Zumiker Gemeinderat und Sicherheitsvorsteher Thomas Epprecht (l.) die Schlüssel für die neuen PTF an Kommandant Thomas Uebersax.
Feierlich übergibt der Zumiker Gemeinderat und Sicherheitsvorsteher Thomas Epprecht (l.) die Schlüssel für die neuen PTF an Kommandant Thomas Uebersax.

Das Besondere an den neuen Fahrzeugen ist, dass damit nicht nur Feuerwehrleute, sondern auch wichtiges Material an den Einsatzort transportiert werden kann. Eines ist mit Atemschutzausrüstungen ausgestattet, im anderen befindet sich alles, was für den Verkehrsdienst benötigt wird. «Die Regel ist: Zehn Einsatzkräfte müssen ab Alarm innert zehn Minuten vor Ort sein. Wenn wichtige Ausrüstung bereits bereitsteht, gewinnen wir wertvolle Zeit», erklärt Thomas Epprecht.

Warum gibt es den Blaulichttag?

Für die Kleinen ist der Event vor allem eines: ein Ort zum Staunen. Eine Mutter sagt über ihre kleine Tochter, die für den Blaulichttag extra ein Feuerwehrkostüm angezogen hat: «Sie hat sich schon lange auf diesen Tag gefreut. Sie wird im Kindergarten sicher alles erzählen.» Darüber hinaus bietet er auch Berührungspunkte. «Auch uns von der Polizei ist es ein Anliegen, der Bevölkerung die Blaulichtorganisationen und insbesondere die Polizei näherzubringen. Denn viele trauen sich oftmals nicht, der Polizei einfach Fragen zu stellen», sagt ­Roger Ryser, Polizeichef und Leiter Sicherheit von ­Zumikon. Nebst ­Fragen zum Polizeitöff und der präsentierten Einsatzausrüstung, beantwortet Roger Ryser an diesem Tag auch die Frage, wie man Polizist wird. Bietet der Blaulichttag die Chance, Nachwuchs zu gewinnen? «Fragen Sie mich das in 20 Jahren noch einmal. Dann werden die jüngsten Besucher bereit sein, sich zu entscheiden, ob sie die Laufbahn der Polizei einschlagen wollen.»

Der Zumiker Polizeichef Roger Ryser zeigt seine Spezialausrüstung.
Der Zumiker Polizeichef Roger Ryser zeigt seine Spezialausrüstung.

Kommandant Thomas Uebersax sieht das ähnlich: «Es ist klassische Öffentlichkeitsarbeit.» Die Feuerwehr sei eine Freiwilligenorganisation, ist aber auf den Goodwill von Gemeinde und Einwohner angewiesen: «Bei öffentlichen Auftritten zeigen wir, dass wir mit den Profis mithalten können.» Zudem wolle man damit der Bevölkerung etwas zurückgeben und das Dorfleben fördern. Durch den Event neue Feuerwehrleute zu rekrutieren, sei nicht das primäre Ziel, man habe genügend Leute, aktuell sogar über dem Sollbestand.

Ein gelungener Tag bei schönstem Wetter

Auf dem Dorfplatz sind nicht nur Polizei und Feuerwehr vertreten, sondern auch Organisationen, die ohne Martinshorn und Blaulicht agieren, etwa der Zivilschutz Küsnacht, Erlenbach, Zumikon und Zollikon, kurz KEZZ. «Der Zivilschutz ist zwar keine klassische Blaulichtorganisation, aber auch wir gehören zum Bevölkerungsschutz», erklärt Sven Wenzl, ­Offizier und stellvertretender ­Kommandant. Der Zivilschutz unterstützt die Feuerwehren bei Einsätzen wie eingestürzten Häusern, Bergrutschen oder überlaufenden Gewässern. Das Aufstellen provisorischer Wasserbecken ist eine weitere seiner Spezialitäten, beispielsweise in Waldgebieten ohne Hydranten. «Damit können in kurzer Zeit grössere Mengen Wasser von einem in ein anderes Becken gepumpt werden.» Letzteres zeigen die Zivilschützer an diesem Blaulichttag – inklusive Gummienten zur Belustigung.

Ebenfalls ohne Blaulicht agiert der Samariterverein Zumikon. Trotzdem ist dieser Tag auch für ihn wichtig. Präsident Beat Brunner: «Das ist eine hervorragende Ge­legenheit, der Bevölkerung zu zeigen, wie wichtig erste Hilfe ist.» Vor Ort üben die Besucherinnen und Besucher die Herzdruckmassage oder die stabile Seitenlage, die Kinder dürfen ihren Daumen eingipsen und den Abdruck mit Farbe, Pailletten und Federn verzieren.

Beat Brunner, Präsident des Samartiervereins, zeigt, wie ein Defibrillator funktioniert.
Beat Brunner, Präsident des Samartiervereins, zeigt, wie ein Defibrillator funktioniert.

Die meisten von uns beschäftigen sich mit den Blaulichtorganisationen nur im Ernstfall. An diesem Blaulichttag ist das anders: Zahlreiche Besucherinnen und Be­sucher nutzen die Gelegenheit, Neues zu lernen, zu staunen
und die Arbeit der Einsatzkräfte hautnah zu erleben. Organisator ­Thomas Uebersax zeigt sich zufrieden: «Ich habe gehofft, dass so viele Menschen heute den Weg zu uns finden. Von dieser Menge bin ich jedoch positiv überrascht. Wenn man etwas mit Blaulicht macht, dann zieht das an. Und das Wetter spielte natürlich auch mit.»

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