Von Zolliker Zumiker Bote ‒ 19. September 2025

Das Spital Zollikerberg hatte grosse Pläne: Mit einer eigenen Kindernotfallstation und einer sogenannten Short-Stay-Unit mit vier Betten wollte es sein pädiatrisches Angebot erweitern. Kinder, die eine kurze Hospitalisation oder eine Überwachung von bis zu 72 Stunden benötigen, hätten dort betreut werden können. Die Idee: Familien in der Region kürzere Wege zu bieten und gleichzeitig das Kinderspital Zürich sowie das Stadtspital Triemli zu entlasten. Jetzt scheitern die Pläne am Veto des Regierungsrats.
«Wir wollten die Versorgungslücke in der Region schliessen», erklärt Christian Etter, Direktor des Spitals Zollikerberg: «Heute müssen Kinder mit hospitalisationspflichtigen Erkrankungen regelmässig weiterverlegt werden, dabei gestaltet sich die Platzsuche zunehmend schwierig.» Gerade für Kinder, die nur kurzzeitig stationär betreut werden müssten, fehle es an wohnortnahen Angeboten. Seit 2013 betreut die Kinder-Permanence am Zollikerberg jährlich rund 10 500 Kindernotfälle. Doch für jene Fälle, die über eine ambulante Behandlung hinausgehen, fehlen bisher eigene Betten.
Der Zürcher Regierungsrat begründet die Ablehnung des Ausbaugesuchs mit fehlendem Bedarf. In seiner Mitteilung verweist er auf die Spitalplanung, die im Kanton Zürich alle zehn Jahre umfassend erfolgt. Neue Leistungsaufträge ausserhalb dieser grossen Planung würden nur sehr zurückhaltend vergeben – und nur dann, wenn ein klarer Bedarf oder eine Unterversorgung nachgewiesen seien. «In der stationären Kinder- und Jugendmedizin besteht eine ausreichende Versorgung, auch aufgrund der zusätzlichen Kapazität im Kinderspital, was punktuelle Auslastungsspitzen nicht ausschliesst», teilt die Gesundheitsdirektion mit.
Für das Spital Zollikerberg ist klar: Das Projekt hätte das Kispi sinnvoll ergänzt. «Unser Ziel war es nie, das Kinderspital zu konkurrenzieren», betont die Spitalleitung. Gerade Kinder mit weniger komplexen Krankheitsbildern hätten im Zollikerberg versorgt werden können, während das Kinderspital sich weiterhin auf hochspezialisierte Fälle und längere Aufenthalte hätte fokussieren können.
Dass es diesen Bedarf tatsächlich gibt, zeigt ein Blick zurück: In den vergangenen Jahren platzte das Kinderspital Zürich regelmässig aus allen Nähten. Immer wieder mussten Kinder in andere Häuser verlegt werden, zum Teil sogar ausserhalb des Kantons. Vor allem während Grippe- und RSV-Wellen kam es zu Engpässen.
Nach dem negativen Entscheid prüft das Spital Zollikerberg nun, wie es seine pädiatrischen Angebote künftig ausgestalten wird. Klar ist: Mit dem Neubau des Kinderspitals setzt der Kanton auf ein starkes Zentrum. Ob die Zentralisierung den tatsächlichen Bedürfnissen entspricht, wird sich erst in den kommenden Jahren zeigen. Gerade in Spitzenzeiten werden die Kapazitäten erneut auf die Probe gestellt.
Text und Bild: Sandra Strickler
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