Keine Lösung in Sicht

Von Aline Sloksnath ‒ 26. September 2025

Der Gemeinderat Zollikon hat den Projektwettbewerb für die Erweiterung des Schulhauses Buechholz abgebrochen. Wir haben nach den Hintergründen gefragt.

Das Container-Provisorium wird der Schule Buechholz wohl noch etwas länger erhalten bleiben. (Bild: cef)
Das Container-Provisorium wird der Schule Buechholz wohl noch etwas länger erhalten bleiben. (Bild: cef)

Das Schulhaus Buechholz muss dringend saniert werden. Die Schulräume sollen an die heutigen Anforderungen angepasst und das Container-Provisorium zurückgebaut werden. Dafür wurde ein offener Projektwettbewerb ausgeschrieben. Das Vorhaben: «Die bestehende Schule Buechholz soll mit einem Aufenthalts- und Verpflegungsbereich, zwei neuen Schulküchen sowie den dazugehörigen Nebenräumen erweitert werden.» Ein passendes Projekt schien vorerst gefunden, ein Siegerprojekt wurde ausgesucht. Doch Mitte September brach der Gemeinderat den Projektwettbewerb überraschend ab. Was steckt dahinter?

Bereits Anfang 2021 sprach die damalige Zolliker Schulpräsidentin Corinne Hoss-Blatter in einem Interview mit dem Zolliker Zumiker Boten darüber, dass aufgrund steigender Schülerzahlen in der Sekundarstufe eine Erweiterung des Buech­holzareals ins Auge gefasst werden müsse. Deshalb wolle man noch im selben Jahr mit der Vorbereitung eines Projektwettbewerbs beginnen.

Siegerprojekt, das nicht zum Sieg führt

Vier Jahre später war es so weit. Diesen Januar wurde der Wettbewerb ausgeschrieben, bis im April hatten Interessierte Zeit, ihren ­Beitrag bei der Wettbewerbsbetreuung planzeit GmbH in Zürich einzureichen. Wie üblich suchte nicht die Bauherrin – in diesem Fall die Schule Zollikon – sondern ein Fachpreis- und ein Sachpreisgericht das Siegerprojekt aus. Das Fachpreisgericht bestand aus vier verschiedenen Architekturbüros aus Zürich. Im Sachpreisgericht sassen neben dem Projektleiter Liegenschaften der Schule Zollikon auch die Co-Schulleiterin der Schule Buechholz sowie eine Lehrperson.

Vor dem Start des Wettbewerbs reichte die Schule ihre Anforderungen ein, sie dienten als Kriterien­katalog für die Ausschreibung. Wie dem Projektwettbewerb zu entnehmen ist, sollte die Ergänzung in den städtebaulichen Kontext eingebunden und die betrieblichen Anliegen der Schule eingehalten werden. Zudem sollte es ein «wirtschaftlich vorbildliches Projekt» sein, was zu den ökologischen Standards der Schule passt. Das Fachpreis- und Sachpreisgericht sah dies im Siegerprojekt der Ryf Partner Architekten AG aus Zürich erfüllt. Dieses sah vor, das Schulhaus B mit neuen Klassenzimmern aufzustocken und das Areal um einen freistehenden Neubau für den Verpflegungs- und Aufenthaltsraum zu ergänzen.

Ende Juni wurde das Siegerprojekt dem Gemeinderat vorgestellt, rund zwei Monate später brach er das Projekt ab. Hätte die Entscheidung gegen das Projekt nicht früher ­getroffen werden können? «Der ­Gemeinderat und die Schulpflege waren bei der Kürung des Siegerprojekts nicht beteiligt», schreiben Patrick Dümmler, Gemeinderat und Ressortvorsteher Liegenschaften, und Schulpflegepräsidentin Claudia Irniger auf Anfrage. Der Gemeinderat äussert sich in dieser Sache geschlossen.

Betriebliche und ästhetische Gründe

Bei der Wahl des Siegerprojekts seien vor allem architektonische und städtebauliche Kriterien im Vordergrund gestanden, schulbetriebliche Aspekte seien in den Hintergrund getreten. Das sei erst bei der vertieften Prüfung durch die Schulpflege als unzureichend erkannt worden. «Für die Schulpflege steht die Ertüchtigung und Modernisierung der Schulräume des Schulhauses Buechholz A sowie die Schaffung von zusätzlichem Unterrichtsraum im Fokus», heisst es in der Stellungnahme. Beim Siegerprojekt sei ­hingegen der vorgesehene Verpflegungs- und Aufenthaltsbereich zu stark in den Mittelpunkt gerückt.

Der vorgesehene Neubau, der den offenen Pausenplatz in unterschiedliche Bereiche gegliedert hätte, scheint ebenfalls ein Dorn im Auge gewesen zu sein: «Ein Neubau an der Westseite des Platzes würde die offene Raumqualität und das Panorama auf dem Buechholzhügel erheblich einschränken – ein Aspekt, dessen Erhalt im Wettbewerbsprogramm betont wurde.» Das Ge­bäude hätte zwar aus viel Glas bestanden, trotzdem empfand der Gemeinderat die Einschränkung der Seesicht als zu gross.

Zudem sorgten die Kosten für Kritik. Schätzungsweise 5,48 Millionen Franken hätte das Projekt gekostet. Das sei sehr teuer für ein eigenes Gebäude nur für den Mittagstisch, insbesondere auf einer Fläche, die offen gehalten werden könne. «Angesichts der Gesamtkosten, die durch das Siegerprojekt ­zusammen mit den notwendigen Sanierungen anstehen würden, empfahl die Schulpflege dem Gemeinderat, das vorgeschlagene Projekt nicht umzusetzen», heisst es dazu.

Der Wunsch ist klar: «Der Gemeinderat und auch die Schulpflege wünschen sich eine kostengünstige aber gleichwohl zweckmässige Lösung, die sowohl den Schulabläufen gerecht wird als auch den Aussichtsperimeter auf dem Buech­holz­hügel respektiert.»

Und jetzt?

Rund 200 000 Franken wurden für den Projektwettbewerb bewilligt. Ob Ergebnisse aus diesem Wettbewerb weiterverwendet werden können, ist unklar. Die Schulpflege wird in den nächsten Wochen den Raumbedarf und die betrieblichen Rahmenbedingungen erneut eruieren und zusammen mit der Liegenschaftenabteilung einen neuen Prozess initiieren. Wie der aussehen wird, ist noch nicht klar. Offen ist auch, ob es nochmals einen Projektwettbewerb geben wird. Klar sei nur der Handlungsbedarf: «Die Gemeinde wird eine Lösung suchen.»

Werbung

Neuste Artikel

Newsletter

Dieses Feld wird benötigt.

ANMELDEN

Herzlich willkommen! Melden Sie sich mit Ihrem Konto an.