«Fünf Kinder, Arbeit, Haus und Pferd, das braucht einen Zeitplan»

Von Martina Gradmann ‒ 3. Oktober 2025

Nora Hablützel ist Mutter einer Grossfamilie, Lehrerin mit Herzblut und Offenstallbesitzerin im äussersten Zipfel von Zumikon. Nora Hablützel liebt ihr Pferd Charly, ihren Hund Sam und gemeinsame Essen mit der ganzen Familie.

Nora Hablützel mit ihrem Pferd Charly, das in einem Offenstall direkt vor dem Haus lebt. (Bild: mag)
Nora Hablützel mit ihrem Pferd Charly, das in einem Offenstall direkt vor dem Haus lebt. (Bild: mag)

Der Weg hinunter in die Wengi ist steil, und man fühlt sich sofort mitten im Wald. Dort, quasi am untersten Punkt von ­Zumikon, steht das Haus der ­Familie Hablützel, umgeben von hohen Bäumen, und davor ein Stall mit mehreren Pferden in einer umzäunten Koppel. «Der Stall mit dem Gelände gehört zum Haus und wird als sogenannter Offenstall von der Hufschmiedin Hanna Ackermann geführt», erzählt Nora Hablützel, welche diesen lauschigen Ort seit bald zwanzig Jahren ihr Zuhause nennt.

Hier hat sie ihre fünf Kinder grossgezogen, sich um die Pferde und den Stall gekümmert, den Hund Sam ins Haus geholt und immer auch als Lehrerin in der Stadt gearbeitet. Wie hat sie das alles unter einen Hut gebracht? Das sei nicht immer ganz einfach gewesen, doch irgendwie sei es immer gegangen, sagt Nora Hablützel und lacht. Erst als 2005 ein grosser Wunsch in ­Erfüllung ging und sie nach vier Söhnen eine Tochter zur Welt brachte, suchte die Familie, die bis anhin in der Stadt Zürich wohnte, ein neues Zuhause und wurde in Zumikon fündig.

Eine leidenschaftliche Lehrerin

«Das Haus gehörte Thomas Homberger, dem ehemaligen Schulleiter der Rudolf-Steiner-Schule in Zürich, der hier mit seiner Frau Kik, vier eigenen Kindern und zwei Pflegekindern wohnte, auch Schülerinnen und Schüler nach Hause brachte und Ponyreiten organisierte. Wir lernten ihn kennen, und er meinte, er habe das richtige Haus für unsere Familie mit fünf Kindern und machte es uns schmackhaft.» Als Stadtkind, das Ausgang und Kultur schätzte, war Nora Hablützel anfangs allerdings skeptisch. Was sie dann lockte, waren der Stall und die Pferde, obwohl sie als berufstätige Mutter bis anhin nicht viel Zeit mit Reiten verbringen konnte. «Das kennen wohl alle Mütter, zuerst kommen die Kinder, dann die Arbeit und für einen selbst bleibt dann meist keine Zeit mehr übrig», sagt die fünffache Mutter.

Geboren in Tschechien, kam Nora Hablützel 1968 als Kleinkind in die Schweiz nach Effretikon, Zollikon und Witikon, wo ihre Eltern heute noch leben. Nora Hablützel ist ausgebildete Sekundarlehrerin, hat während der Kinderphase auch als Primarlehrerin gearbeitet und wirkt heute als Sekundar- und Werklehrerin. «Ich habe mich immer gerne in der Schulwelt bewegt und konnte während dieser Zeit zum Glück auf die Unterstützung von Familienpraktikantinnen zählen», erklärt die Zumikerin, «eine wertvolle Unterstützung, ähnlich einem Au-pair, nur dass die Mädchen nicht hier wohnten und es nach einem halben Jahr jeweils einen Wechsel gab.» Ganz klassisch habe ihr Mann Martin ­Hablützel für das Familieneinkommen gesorgt, sich aber auch sehr um die sportliche Betätigung der vier Jungs gekümmert.

Sohn ist Profi-Snowboarder

«Vor allem Fussballspielen und Wellensurfen waren wunderbare Aktivitäten für die pubertierenden Jungen, die in den Sommerferien im französischen Atlantik ihre Energie abladen konnten», erinnert sie sich. Das Surfen im Sommer und das Snowboarden im Winter verbindet die Familie noch heute. Und nicht nur das: Der älteste Sohn ­David ist inzwischen Profi-Snowboarder und mehrfacher Olympia-Teilnehmer. «Wir haben ihn zuerst auf die Ski gestellt, doch als er sechs Jahre alt war, musste es unbedingt ein Snowboard sein, und jetzt fahren wir alle Snowboard», sagt Nora Hablützel und lacht. Während ihre mittleren Söhne ausgezogen sind, ist David immer wieder mal zu Hause, bis es ihn zum nächsten Wettkampf zieht. Sportlich sind auch die anderen Kinder, einer als erfolgreicher Fussballer, die anderen als Surfer.

Das Haus mit Garten und Stall der Familie Hablützel ist umgeben von einer Freihaltezone, die von den Hausbesitzern bewirtschaftet werden muss. «Wenn wir keine Pferde halten würden, müssten wir einen Bauern zahlen, der zum ­Mähen kommt», erklärt Nora ­Hablützel. Auch wenn die Pferde ihr viel bedeuten, standen sie nicht immer an erster Stelle. Zuerst ­kamen die Familie, das Haus, die Ordnung und dann der Stall. Eine gewisse Ordnung und ein Zeitplan seien ihr immer wichtig gewesen, vor allem auch am Familientisch als Treffpunkt für Hausaufgaben und Familienessen. «Die Corona-Zeit habe ich sehr genossen, weil dann alle hier zu Hause waren», sagt sie und lacht.

Auch die Pferde hätten ihr gutgetan. Erst habe sie eines und dann ein zweites Pferd gehabt und sei allein für den Stall zuständig gewesen. Heute gehöre nur noch Charly ihr, und dank der geteilten Stallpflege habe sie viel mehr Freiheiten und könne auch mal in die Ferien gehen. «Mit den kleinen Kindern konnte ich nicht viel weg, dafür hat mich die Arbeit im Stall und mit den ­Tieren abends dann geerdet und entspannt», sagt Nora Hablützel.

Mitwirken im Kulturverein

Während dieser Zeit absolvierte sie eine Weiterbildung als Werklehrerin und arbeitet als solche auch noch heute mit Leidenschaft. Durch ihre Schülerinnen und Schülern habe sie immer einen guten Draht zu Jugendlichen gehabt. In Zumikon habe sie nicht nur die Kinder, sondern auch sich selbst «eingefädelt», wobei die Zumikerinnen und Zumiker sehr auf die Stadt ausgerichtet seien, was ihr sehr entgegengekommen sei. Schnell konnte sie sich zu ihrem bestehenden, einen neuen Freundeskreis aufbauen.

Neu waren für die ehemalige Städterin vor allem die Vielzahl der Vereine und die Vereinstätigkeit. «Das gehört hier einfach dazu, und mittlerweile engagiere ich mich schon länger im Kulturverein, habe auch dort tolle Bekanntschaften gemacht.» Während des Gesprächs kommt ein grosser Berner Sennenhund in die Küche und beschnuppert neugierig die Besucherin. «Das ist Sam», stellt ihn Nora Hablützel vor, ihr eigentlicher Wachhund, der ihr Sicherheit vermittle, wenn sie manchmal ganz allein im Haus sei.

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