Von Martina Gradmann ‒ 7. November 2025

Seit 45 Jahren begegnen sich Menschen im Freizeitzentrum Zumikon und verbringen dort ihre Freizeit. Darunter auch Beda Schibig, der seit Jahren in der Holzwerkstatt arbeitet, Holzbretter fabriziert aus verschiedenen Hölzern wie Ahorn, Buche, Kirsche Birne und Nussbaum, auch Vasen, Spiele und Kinderspielzeug herstellt – alles aus Holz. «Die Plastiksachen haben einfach nicht die gleiche Wertigkeit.» Ein Glücksfall für die «Holzi» ergab sich, als der Mammutbaum vor der reformierten Kirche im Dorf Küsnacht kränkelte und aus Sicherheitsgründen gefällt werden musste. «Es gelang uns damals, mehrere Holzstücke für unsere Zwecke abzuzweigen», erzählt der Freizeithandwerker. «Die rötliche Färbung des Holzes und die spezielle Maserung eignete sich besonders für die Herstellung von stilisierten Engelsfiguren und Adventssternen. Das weiche Holz war für die Bearbeitung mit den Kindern sehr beliebt.» Beda Schibig, Vater von drei Töchtern, hat neun Enkelkinder und neun Urenkel und möchte vor allem den Kleinsten Holzspielzeuge wieder näherbringen. Er konstruiert nicht nur kleine Holzautos, sondern auch Puzzles mit Tierfiguren, die man wie die Bremer Stadtmusikanten aufeinandertürmen kann. Mit ruhiger Hand führt er vor, wie das geht, und erklärt: «Zu jedem Puzzle gibt es eine Anleitung, die zeigt, welches Tier wohin kommt.» Holzarbeiten kann man ihm auch zum Auffrischen bringen und so deren Lebenszyklus verlängern.
Mit seinen 92 Jahren ist der Senior aussergewöhnlich fit, was er auf seine sportlichen Aktivitäten zurückführt. «Ich habe immer geturnt, auch heute noch, lief Marathon und bin ein passionierter Langläufer.» Um fit zu bleiben, sei Langlauf einer der besten Sportarten, weil man dabei Arme, Beine und den Atem koordinieren müsse. Auch die Gartenarbeit mache ihm immer noch viel Freude. In Itschnach, wo er heute mit seiner Frau Erika wohnt, hat er mehrere Gemüsebeete angelegt, mit denen sich die beiden fast selbst versorgen. Auch Obstbäume wachsen hier, die er selbst schneidet. Besonders angetan ist er von seinem Salat: «Frauen legen sich, um nahtlos zu bräunen, im Garten an die Sonne, und ich trachte danach, das ganze Jahr nahtlos Saisonsalate zu ernten. Mit viel Aufwand und klimabedingt gelingt das Vorhaben meistens», schmunzelt er. In den 70er-Jahren zog der damalige Swisscom-Mitarbeiter mit seiner Familie in eine Genossenschaftswohnung im Thesen-acher in Zumikon, Jahre später folgte der Umzug nach Küsnacht.
Beda Schibig ist gelernter Telegrafist, hat noch das Morsen gelernt und war später bei der Swisscom vor allem mit Mietleitungsanschlüssen für die Privatkundschaft beschäftigt. Aufgewachsen in Lachen, hat er als Bub den Zweiten Weltkrieg miterlebt. «Wir konnten von Lachen aus beobachten, wenn die Flieger Friedrichshafen bombardierten und der Feuerschein weitherum zu sehen war.» Damals seien ihm die Zusammenhänge nicht klar gewesen, aber die vielen Soldaten hätten ihm Eindruck gemacht. Nach dem Krieg sei es dann nur aufwärts gegangen, die damalige Aufbruchstimmung habe auch er gespürt.
Seine Frau war es, die in Zumikon zuerst in der Holzwerkstatt gearbeitet hat, er sei erst später dazu gekommen. «Sie sagt heute noch, ich hätte sie verdrängt», lacht er. Auch die Idee, die Einnahmen aus den verkauften Holzerzeugnissen für die Aktion «Denk an mich» zu spenden, sei von seiner Frau gekommen. «Wir hatten damals neun gesunde Enkelkinder, für dieses Glück wollte sie etwas weitergeben.» Und so ziert heute ein Holzherz und der Schriftzug «Denk an mich» den Verkaufsstand an der Herbstmesse.
Positiv denken, aktiv bleiben und bescheiden leben sind Beda Schibigs Lebensgrundsätze. Mit Bescheidenheit meint er, dass es eigentlich nicht viel brauche, um glücklich zu sein. So hat er trotz Führerschein nie ein Auto besessen, sondern ist täglich mit der Forchbahn zur Arbeit gefahren. «Auch die Kinder konnten einer Autofahrt nicht wirklich etwas abgewinnen. Heisst, ihnen wurde es im Auto regelmässig schlecht», lacht er. Dankbar ist er heute für die gut ausgebaute Busverbindung von Itschnach nach Zumikon. So kann er zweimal die Woche in die Holzwerkstatt kommen und sich seinen Projekten widmen. Er ist nicht nur einer der langjährigsten Mitarbeitenden, kurzzeitig hatte er auch die Werkstattleitung übernommen. Die Arbeit mit seinen Handwerker-Kolleginnen und -Kollegen sei bereichernd, man diskutiere, mache Spässe und helfe sich gegenseitig.
Traurig macht ihn eigentlich nur, dass seine Frau nach einem Unfall nicht mehr in der Werkstatt mitarbeitet. «Sie hatte einen grossen Webstuhl, weben war ihre Leidenschaft. Unsere Tochter Barbara, die im Allgäu wohnt, interessierte sich auch für dieses anspruchsvolle Hobby. Im Allgäu wird das Handweben noch gepflegt und unter kundiger Anleitung machte sie rasche Fortschritte, neue Websachen entstanden.»
65 Jahre sind Beda und Erika jetzt verheiratet. Auf das Rezept dazu angesprochen, lacht er nur. «Da gibt es wohl kein Rezept, man muss einfach miteinander auskommen.» Was die Familie nach wie vor zelebriert, ist die gemeinsame Adventsfeier, die jetzt bei einer Enkelin in einem Gemeinschaftsraum stattfindet. Wenn alle zusammen sind, seien das über 30 Personen samt den vielen Enkeln und Urenkeln. Die heutige Weltlage mag er nicht kommentieren. Zu viel negative Meldungen, zu viele Unruhen und Kriege, daran ändern könne er ja doch nichts. Was ihn momentan mehr beschäftigt, ist der anstehende Umbau des Freizeitzentrums und die zeitweilige Auflösung der Holzwerkstatt. Doch auch hier reagiert Beda Schibig mit Gelassenheit. Man müsse jetzt halt schauen, wie es kommen werde.
ANMELDEN
Herzlich willkommen! Melden Sie sich mit Ihrem Konto an.