Zukunftstag-Reporterin übernimmt Küsnacht und Zollikon

Von Yara ‒ 21. November 2025

Am Zukunftstag besuchte Yara vier Betriebe in Küsnacht, auf der Forch und in Zollikon und schrieb über ihre Eindrücke von den verschiedenen Berufen.

Yara mit Reporter-Hund Theo. (Bilder: zvg)
Yara mit Reporter-Hund Theo. (Bilder: zvg)

Ich heisse Yara, bin zehn Jahre alt und habe am Zukunftstag etwas erlebt, das ich nie vergessen werde. Mein Gotti Regula ist Teilzeit­-Lokaljournalistin, und sie nahm mich mit auf eine Tour durch Küsnacht und Zollikon. Sie sagte, wir würden ein paar Leute interviewen und ihre Berufe kennenlernen. Am Ende hatte ich das Gefühl, wir ­hätten eine ganze Zeitung gefüllt. Und vielleicht habe ich meinem Gotti tatsächlich für einen Tag die Schlagzeilen gestohlen.

Frühstart in der Bäckerei

Unser Zukunftstag begann in der Bäckerei von Burg in Küsnacht. Für den Bäcker beginnt der Tag schon um halb eins in der Nacht. Während ich um diese Zeit tief schlafe, bäckt er bereits an den 15 Sorten Grossbrot und 30 Kleinbrot, die später in den Regalen liegen. Rund 400 grosse Brote und 1500 Brötli entstehen jeden Tag.

Er erzählte, dass er als Jugendlicher viele Branchen ausprobiert hat, vom KV bis zu anderen Handwerksbetrieben. Dass er schliesslich ­Bäcker-Konditor wurde, habe er nie bereut. Heute führt er die Bäckerei zusammen mit seiner Frau Sara. Am besten gefallen ihm die Abwechslung und die Möglichkeit, aus einfachen Zutaten etwas zu schaffen, das Menschen glücklich macht. Mir gefiel dieser Gedanke sofort: Aus Mehl, Wasser und Geschick entstehen Brote, Torten und vieles mehr.

Notitzen machen bei von Burg.
Notitzen machen bei von Burg.

Hühnergackern und Hofgeschichten

Danach fuhren wir auf die Forch zum Pünthof von Karin und Stefan Fenner. Schon beim Aussteigen schauten uns Hühner neugierig an, fast so, als wollten sie wissen, ob wir etwas Spannendes zu berichten hätten. Im Stall entdeckten wir ein Kalb, das erst wenige Stunden alt war. Ich durfte es streicheln – es trägt denselben Namen wie unser Reporterhund Theo.

Im Wohnhaus berichteten uns die beiden Fenners von ihrem Alltag auf dem Biohof. Stefan, der sich vor kurzem mit der Motorsäge ins Knie gesägt hat, erzählte mit überraschend viel Energie. Auf dem Hof dürfen die Kälber bei den Müttern bleiben, auch wenn das heisst, dass manche Kühe Nasenklipper tragen müssen, damit sie nicht bei anderen Kühen trinken. Besonders eine gierige Kuh sei ständig unterwegs und versuche, sich Extras zu holen. Karin würde gern auch Schweine halten, aber Stefan winkt ab. «Schweine pflügen alles um.»

Neben den Tieren bauen sie viele verschiedene Getreidesorten an und pflegen Hochstammbäume. Aus ihren Äpfeln und Birnen durfte ich einen Süssmost probieren, der frisch und süss schmeckte. Im Hoflädeli verkaufen sie Fleisch, Mehl und weitere Spezialitäten. Und sie laden auch dieses Jahr zu einem Weihnachtsmarkt auf dem Hof ein.

Das Kälbli Theo kam vor wenigen Stunden zur Welt.
Das Kälbli Theo kam vor wenigen Stunden zur Welt.

Schrauben, Speichen und fünf Sterne

In Küsnacht besuchten wir als Nächstes «dä Velomech Beni» in seiner neuen Werkstatt. Erst vor kurzem zog er vom ersten Stock ins Erdgeschoss, weil der Platz oben nicht mehr reichte. Beni arbeitet gern an Velos, und er erklärt geduldig, wie abwechslungsreich der ­Beruf ist. Auf meine Frage nach seinen Google­-Bewertungen grinste er stolz. Bisher hat er ausschliesslich Fünf-Sterne-Bewertungen bekommen.

Eine Lernende arbeitet ebenfalls in der Werkstatt, doch am Zukunftstag war sie in der Schule. Ich frage ihn, wie er seine Hände sauber kriegt. Er lacht und zeigt auf eine grobkörnige Seife. Die brauche er unbedingt, denn die Schmiermittel kleben hartnäckig. Und er betonte, dass er mehrmals täglich die Hände wäscht.

Viele Fragen an den Velomech.
Viele Fragen an den Velomech.

Holzduft und grosse Projekte

Nach einer Mittagspause am Küsnachter Horn, wo ich mein Gotti über ihren Beruf ausfragen durfte, ging es weiter nach Zollikon zur Schreinerei Ernst Wieland AG. Dort erwartete uns Projektleiter Raphael Schäfer. Im Lager zeigte er mir die vielen Holzarten, die sie verarbeiten, wobei Eiche besonders beliebt sei. In der Werkstatt arbeiteten die Schreiner konzentriert, überall roch es nach Holz.

Raphael erzählte, dass er sich einmal an einer Tischfräse ein Fingerbeeri abgeschnitten habe, weil er nicht vorsichtig genug war. Trotz dieser schmerzhaften Erinnerung schwärmte er von der Vielseitigkeit des Berufs. Sie bauen vom kleinen Badezimmerschrank bis zu riesigen Innenausbauten für Firmen oder Schiffe alles. Besonders stolz ist er auf die Wandverkleidung im «Home of FIFA» und auf Arbeiten für Expo-Vino-Schiffe.

achwuchsprobleme hat die Firma nicht, denn immer mehr junge Leute – auch Frauen – möchten Schreinerin oder Schreiner werden. Frauen hätten heute übrigens keine Nachteile mehr, weil man sowieso nichts Schweres mehr tragen darf.

Raphael Schäfer und Yara bei Ernst Wieland.
Raphael Schäfer und Yara bei Ernst Wieland.

Ein Blumenladen voller Geschichten

Der letzte Halt unserer Tour führte uns zu Andrea Leu vom Blumenladen Verdissimo. Der Laden existiert schon seit 30 Jahren. Andrea erzählte, dass sie ursprünglich eine KV-Lehre gemacht habe und nie dachte, einmal einen eigenen Blumenladen zu führen. Doch als sie gemeinsam mit ihrer Geschäftspartnerin Bettina Eichhorn ein Popup mit Trockenblumengestecken organisierte, lief es so gut, dass aus einem Hobby ein Beruf wurde.

Andrea mag besonders bunte Sträusse und zeigte mir, wie man einen zusammenstellt. Unter ihrer Anleitung durfte ich einen eigenen Strauss kreieren. Er wurde wunderschön, und ich nahm ihn für meine Mama mit.

Die Floristin Andrea Leu zeigt ihr Handwerk.
Die Floristin Andrea Leu zeigt ihr Handwerk.

Ein Tag voller Eindrücke

Am Ende des Zukunftstags war mir klar, wie viele spannende Berufe es gibt und wie unterschiedlich die Menschen arbeiten. Ob man Brote bäckt, Kühe betreut, Velos repariert, Schränke baut oder Blumen bindet – überall steckt Leidenschaft drin. Ich weiss noch nicht, was ich später werden will. Aber ich weiss jetzt, dass man viel entdeckt, wenn man neugierig fragt. Und vielleicht schreibe ich tatsächlich noch öfter Berichte. Dieser Tag hat mir gezeigt, wie aufregend das sein kann.

Mittagspause der jungen Journalistin am Horn.
Mittagspause der jungen Journalistin am Horn.
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