Von Dörte Welti ‒ 28. November 2025

Es ist wie mit allen Dingen, von Menschen gemacht und kultiviert: Sie kommen in die Jahre. Auch kultivierte Natur, genutzt für Landwirtschaft und anderes. Das ist jetzt der Fall beim herrlichen Plateau Chellen (oder «Chelle» oder «Chalen», der Name änderte sich im Laufe der Jahrzehnte), das sich vom Schützenhaus bis zum Süessblätz in der Länge und in der Breite fast bis zur Grenze zum Golfplatz und dem gesamten Hinderberg erstreckt. Als Laie würde man meinen, es kann ja nicht so schwer sein, ein bisschen umpflügen, nährstoffreicher Humus drauf – und schon kommt es gut.
Fakt ist, das Kerngebiet der Chellen ist ein rund 25 ha grosses ehemaliges Riet, das früher teilweise ein Hochmoor war. Im zweiten Weltkrieg wurde es drainiert, man verlegte also Tonleitungen, damit das Wasser abläuft und das Land nutzbar wird. Vor rund zehn Jahren wurde das Naturnetz Pfannenstil (NNP), eine Organisation der Zürcher Planungsgruppe Pfannenstiel (umfasst 13 Gemeinden von Zollikon bis Hombrechtikon mit einer Gesamtfläche von 100 km2), auf den Zustand des Riets aufmerksam. Der Boden ist mit den Jahren grossflächig um rund 40 Zentimeter abgesackt, weil er sich nach dem Entzug des Wassers organisch abbaut und verdichtet. Zudem sind die Drainagen in einem mangelhaften Zustand. Die Idee ist, das Riet und die landwirtschaftlichen Nutzflächen aufzuwerten.
Ein Riesenprojekt, zumal die rund 50 Parzellen in der Zone auch ähnlich vielen – fast alles privaten – Besitzern gehören und von rund zehn Landwirtschaftsbetrieben bewirtschaftet werden. Das NNP hat in der Region bereits ähnliche Projekte durchgeführt – zum Beispiel die Moorrenaturierung unterhalb der Waldwirtschaft Guldenen. «Das Projekt Chellen ist ein langer Prozess», erklärt Fachberater Christian Wiskemann vom Naturnetz.

Als Erstes wurden alle Eigentümerinnen, Eigentümer, Bewirtschafterinnen und Bewirtschafter kontaktiert, ein Informationsanlass veranstaltet, Bedürfnisse abgefragt, Begehungen organisiert und die anderen Anspruchsgruppen wie Gemeinden und Naturschutzorganisationen einbezogen. In weiteren Workshops versuchte man herauszufinden, wie es vor allem mit der Landwirtschaft weitergehen könnte. Denn: Der Boden wird immer weniger und tendiert zur Vernässung (das Wasser stockt, sickert schwer ab), die landwirtschaftliche Nutzung wird schwieriger und weniger ertragreich. Man habe mit allen immer wieder das Gespräch gesucht und versuche, Lösungen zu finden, beteuert Christian Wiskemann: «Uns ist es ein wichtiges Anliegen, dieses Projekt partnerschaftlich mit allen Betroffenen zusammen zu erarbeiten und Lösungen anzubieten für Landwirtinnen, Landwirte, Eigentümerinnen und Eigentümer.» Je nach Situation und Bedürfnis könnte man den landwirtschaftlichen Boden sanieren. Oder die ursprüngliche Situation vor der Trockenlegung wiederherstellen, also eine Renaturierung durchführen. Wenn Letzteres, wäre es eine Lösung, für die landwirtschaftlich genutzten Flächen Alternativstandorte zu finden, Landabtausch nennt man das. Im November letzten Jahres hatte schon der Ornithologische Verein Zollikon seine Mitglieder angefragt, ob sie für einen eventuellen Abtausch Land anbieten könnten.
Noch ist aber nichts in einer Planungs- sondern alles in einer Verhandlungsphase; zu viele Feldsteine liegen noch im Weg. Sobald diese weggeräumt und eine Einigung erreicht ist, wird das Planungsteam konkrete Umsetzungspläne erstellen. In manchen Publikationen war zu lesen, man wisse, dass es einen See auf der Chellen geben soll. Das sei Unsinn, sagt Christian Wiskemann. Es gibt keine konkrete Vision, nur die, dass das Gebiet aufgewertet werden soll – was noch einige Jahre beschäftigen wird.
ANMELDEN
Herzlich willkommen! Melden Sie sich mit Ihrem Konto an.