Von Dörte Welti ‒ 28. November 2025

An die hundert Gäste, laut Teilnehmerliste viele Vertreter von Unternehmen, einige Firmenbesitzer persönlich und ein paar «early achievers», die bereits Mitglieder sind, füllten den grossen Veranstaltungssaal im «Löwen» in Meilen. Gastgeber war der Verein Standortförderung Goldküste, der sich vor wenigen Wochen gegründet hat (ZoZuBo 43/2025). Vereinspräsident und Zumiker Gemeinderat Marc Bohnenblust eröffnete den Anlass mit einer kurzen Begrüssung. Es folgte eine Ansprache des Küsnachter Gemeindepräsidenten und Vereins-Beisitzers Markus Ernst, in der er den Weg umriss, der zur Gründung des Vereins geführt hatte. Heute falle der offizielle Startschuss, verkündete Markus Ernst, nachdem es von der ersten Idee bis zur definitiven Gründung doch sage und schreibe zehn Jahre gedauert habe. «Wer wartet, bis alles perfekt ist, fängt nie an», zitierte Markus Ernst einen bekannten Motivationsspruch.
So ganz perfekt war es denn auch nicht, was den Gästen geboten wurde. Viele waren gekommen, um herauszufinden, was der neue Verein vorhat, wie er erreichen will, dass «wir in Zukunft verstärkt als Wirtschaftsregion wahrgenommen werden», wie es Marc Bohnenblust formulierte. Mit dem «wir» ist die Goldküste mit ihren elf Gemeinden und rund 8000 Unternehmen gemeint, das schliesse auch die Gewerbeverbände mit ein. Markus Ernst betonte, man erachte die Zusammenarbeit mit ihnen für wichtig und sehe sich nicht als Konkurrenz. In seiner Keynote lobte Fabian Streiff, Direktor des Amts für Wirtschaft des Kantons Zürich, die Vorzüge der Region und die optimalen Rahmenbedingungen für Innovationen. Der Standort Goldküste sei ideal für Med-Tech-Unternehmen, Bildung und Stiftungen. Das Amt für Wirtschaft hat denn auch finanzielle Starthilfe für den Verein geleistet, Fabian Streiff liess aber offen, wie die Institution in Zukunft konkret Unterstützung bieten will, verwies lediglich auf das Innovationsförderungsprogramm der Kantone. In einer zweiten Keynote lieferte Nationalrätin Regine Sauter (FDP), ehemalige Direktorin der Zürcher Handelskammer (2012 bis Ende 2023), eine generelle Sicht auf die Bedeutung von wirtschaftlichem Erfolg, wie sehr die Wirtschaft heute unter Druck ist und welche Chancen sich gleichwohl bieten. Sie betonte, dass die Stimme der Wirtschaft in politischen Entscheidungen gebraucht werde und wie wichtig regionale Organisationen wie dieser neue Verein seien, um Kräfte zu bündeln und eine strukturierte Stimme abzugeben.
Nach viel Theorie gab Daniel Rohr, Schauspieler, Regisseur und Leiter des Theater Rigiblick, eine gesungene Showeinlage mit Klavierbegleitung zum Besten, bei der er buchstäblich sein letztes Hemd gab, um die Anwesenden in Verzückung
zu versetzen. Was dem Profi mit italienischen Gassenhauern auch gut gelang. Beim anschliessenden Apéro kam man an Stehtischen ins Gespräch. Gefragt, ob sie jetzt wisse, wofür der Verein steht, war eine Einzelunternehmerin ratlos. Die Konzentration auf die Sparten Med-Tech, Bildung und Stiftungen stimmte sie nachdenklich, für sie käme eine Mitgliedschaft wohl nicht infrage. Andernorts unterhielt man sich über die fehlende Erwähnung von Handwerksbetrieben,
die von der Standortförderung profitieren könnten. Aus dem Vorstand
des Vereins war dazu zu hören, was Markus Ernst schon in seiner Eingangsrede betont hatte, dass man nämlich die Gewerbevereine, denen Handwerksbetriebe in der Regel angehören, nicht konkurrenzieren wolle. Zwei weitere Unternehmer meinten, sie wüssten noch nicht genau, welchen Mehrwert der Verein Ihnen bringen könne und was die konkreten Massnahmen seien, mit denen man gedenke, seine künftigen Mitglieder zu unterstützen. Auch Jungunternehmer waren unter den Gästen, die auf die Frage, was ihnen der Abend gebracht habe, antworteten, sie müssten sich erst noch tiefer mit den Zielen und Ideen des Vereins auseinandersetzen. Zustimmung versprühten hingegen die Vertreter der ersten neun Mitgliedsfirmen, die der Verein bis dato zählen kann.
Fazit: ein bunter Abend mit viel Networking unter den Gästen, an dem der Grundstein dafür gelegt wurde, sich zu verbünden und gemeinsam stark aufzutreten. In Zukunft sollen Veranstaltungen und Exkursionen mit Mitgliedern, auch zu deren Unternehmen, mehr Einsichten bringen. Learning bei doing scheint für den Verein das Gebot der Stunde zu sein.
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