Von Joachim Lienert ‒ 28. November 2025

Im Juli 2024 hatte der Kanton Zürich im «Steckbrief Potenzialgebiete» mögliche Standorte für Windenergieanlagen veröffentlicht, die Baudirektion wertete Rückmeldungen dazu aus (ZoZuBo 28/2025). Jetzt teilt der Regierungsrat mit, dass er beim Kantonsrat beantragt, Eignungsgebiete für die Nutzung von Wind- und Wasserkraft im kantonalen Richtplan einzutragen. Für die Pfannenstielregion relevant: Die Regierung schlägt einen Verzicht des Eintrags von 15 Gebieten im Richtplan vor, die in der öffentlichen Auflage als «Zwischenergebnis» vorgeschlagen waren. Dazu zählen Standorte in Zollikon, Küsnacht, Erlenbach, Herrliberg und Meilen. Auf Anfrage des Zolliker Zumiker Boten benennt die Baudirektion
die Gründe für den Verzicht: «Der Hauptgrund waren unterschiedliche Konflikte mit aviatischen Nutzungsinteressen, sowohl zivile wie militärische. Es gibt jedoch auch andere Vorbehalte/Konflikte, etwa bezüglich Wetterradar (Niederschlagsradar Albis).» Sprich: die An-/Abflugschneise des Flughafens Zürich ist ein Hindernis. Angaben zu den Vorbehalten finden sich in den Steckbriefen der Gebiete: zh.ch
Wann das Geschäft in die Ratsdebatte des Kantonsrats kommt, entscheidet dieser selbst. Aufgrund ihrer Erfahrung rechnet die Baudirektion damit, dass dies 2027 sein wird. Sollte der Kantonsrat dem Antrag des Regierungsrats zustimmen, sind die Gebiete am Pfannenstiel zurückgestellt, bis Lösungen für die erkannten Nutzungskonflikte gefunden sind. Sie entfallen also nicht komplett. Es wäre möglich, sie später wieder ins Spiel zu bringen. «Hierfür wäre jedoch ein neues Richtplanverfahren notwendig», teilt Wolfgang Bollack von der Medienstelle der Baudirektion mit.
Gemeindepräsident Sascha Ullmann beurteilt den voraussichtlichen Wegfall des Eintrags im Richtplan gelassen: «Wir nehmen den Entscheid zur Kenntnis. Der Gemeinderat war in dieser Sache immer ziemlich neutral.» Zwar gab es in Zollikon eine Einzelinitiative des damaligen SVP-Ortsparteipräsidenten Stephan Geiger, die den Mindestabstand zwischen einer Windenergieanlage und einer bewohnten Liegenschaft auf 700 Meter erhöhen wollte. Doch die emeindeversammlung vom 29. November 2023 lehnte sie mit Zweidrittelmehrheit ab. «Man kann also nicht sagen, dass die Zolliker grundsätzlich gegen den Standort waren», sagt Sascha Ullmann.
Das Zolliker Potenzialgebiet gehört der Holzkorporation Zollikon. Revierförster und Betriebsleiter Marc Bodmer beurteilt die Situation so: «Wir sind nicht traurig, dass der Standort jetzt wohl wegfällt. Wir sind erneuerbaren Energien gegenüber positiv eingestellt, aber man kann sich fragen, wie sinnvoll es wäre, solche Windräder im Wald statt 30 Meter weiter unten auf der Wiese aufzustellen.» Der Wald erfahre ohnehin von allen Seiten Druck: «Die Holznutzung, die Erholung, der Naturschutz, da prallen viele Welten aufeinander.» Da wären die Windkraftanlagen eine weitere Last gewesen. Über eine konkrete finanzielle Entschädigung der Holzkorporation als Eigentümerin sei ohnehin noch nie gesprochen worden. Auch deshalb hält sich die Trauer bei ihr in Grenzen.
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