Oberhueb bleibt unbebaut

Von Björn Reinfried ‒ 5. Dezember 2025

Am Mittwochabend stimmten die Zollikerinnen und Zolliker über vier Geschäfte ab: das Budget, die Teilrevision BZO, den dazugehörigen Rahmenkredit und die Entschädigungsverordnung. Zu diskutieren gaben vor allem zwei Themen.

Draussen herrschte Weihnachtsstimmung – und auch drinnen entspannte man sich nach der Gemeindeversammlung zu Wein und Grittibänz. (Bild: cef)
Draussen herrschte Weihnachtsstimmung – und auch drinnen entspannte man sich nach der Gemeindeversammlung zu Wein und Grittibänz. (Bild: cef)

Um 19.15 Uhr begrüsste Gemeindepräsident Sascha Ullmann die 164 Anwesenden zur letzten Gemeindeversammlung des Jahres. Früher als üblich, da mit vielen Wortmeldungen zu rechnen war, und mit auf fünf Minuten beschränkter Redezeit, was die Stimmberechtigten einstimmig guthiessen. Sylvie Sieger erläuterte das Budget. Der Steuerfuss bleibt wie bisher bei 76 Prozent, der Aufwandüberschuss in der Erfolgsrechnung ­beträgt 5 763 700 Franken, die Nettoinvestitionen im Verwaltungsvermögen 49 861 000 Franken und die Nettoinvestitionen 720 000 Franken im Finanzvermögen. Die Diskussion war eröffnet, die Uhr auf fünf Minuten Redezeit gestellt – doch niemand meldete sich. «Ich bin überrascht», staunte Sascha Ullmann. Angenommen.

Teilrevision BZO angenommen

Die Teilrevision der Bau- und ­Zonenordnung als erster Teil einer Gesamtrevision gab mehr zu reden. Seit der letzten Revision im Jahr 1996 habe Zollikon sich substanziell verändert, sagte Dorian Selz. Zeit also für eine Erneuerung und Anpassung an das kantonale Planungs- und Baugesetz. Im Grunde waren sich die meisten einig. Nicht aber mit dem vom Gemeinderat ­vorgeschlagenen Verzicht auf die Mehrwertabgabe im Artikel 35. Diese würde greifen, wenn eine Fläche aus- oder umgezont wird und das Grundstück damit an Wert gewinnt – zum Beispiel, wenn auf einem Grundstück mit Einfamilienhaus ein Mehrfamilienhaus zu ­stehen käme. Martin Fasser vom ­Forum 5W forderte die Streichung des Artikels. Felix Wirz (EVP) unterstützte seinen Vorredner. «Die allermeisten Gemeinden haben einen Satz zwischen 10 und 40 Prozent. 40 Prozent wären nicht meine Wunschlösung, aber Null ist auch keine Option.» FDP-Präsident Felix Heer hingegen ist sicher, dass eine Abgabe zu mehr Bürokratie, Verlusten für die Gemeinde und Chaos führen würde. SP-Präsidentin Franziska Steiner wiederum ist überzeugt: «Es wird kein Chaos ausbrechen.» Die Streichung des Artikels wurde mit 87 zu 64 Stimmen abgelehnt.

Die zweite Knacknuss des Traktandums war die «Oberhueb». Aktuell eine Erholungszone, will der Gemeinderat sie auszonen und in eine kantonale Landwirtschaftszone umwandeln. Ein Redner beantragte, das Gebiet solle Freihaltezone werden. Er wurde unterstützt: Landwirtschaftszone sei im Grunde bäuerliche Bauzone. Biogas­anlagen, Wohnhaus, Mehrfamilienhaus, Stall – das seien alles landwirtschaftliche Bauten. «Für Bauernbetriebe gibt es strenge Vorschriften – da wird kein Hochhaus gebaut», relativierte der Gemeindepräsident. «Überall wird gebaut, es fehlen mehr und mehr Grünflächen. Wir müssen die Oberhueb unbebaut lassen», forderte ein weiterer Votant. «Dann kann die Gemeindeversammlung auch in Zukunft bestimmen, was mit ihr passiert», sagte Felix Wirz, der auch einen Landwirtschaftsbetrieb ausserhalb der Gemeinde führt. Bei einer kantonalen Landwirtschaftszone würde nur noch der Kanton bestimmen. Mit 77 zu 73 Stimmen wurde die «Oberhueb» zur Freihaltezone erklärt.

Nach Annahme der Teilrevision BZO bedankte Dorian Selz sich sichtlich erleichtert: «Mir und uns ist ein Stein vom Herzen gefallen.» Er präsentierte das nächste Geschäft, den Rahmenkredit für die Gesamtrevision der kommunalen Richt- und Nutzungsplanung. Wie bei fast allen Finanzgeschäften des Abends gab es für diese 900 000 Franken wenig Widerstand. Ein Rückweisungsantrag wurde abgelehnt, das Geschäft angenommen.

Mehr Geld für Behörden­mitglieder

«Ich vertrete hier ein Geschäft, das mich selbst nicht mehr betreffen wird», sagte der Gemeindepräsident zur Totalrevision der Verordnung über die Behördenentschädigungen. Hauptargumente des Gemeinderats sind die gestiegenen An­forderungen an Fachwissen und Verfügbarkeit, sowie die Sitzungen, die immer ­öfter tagsüber stattfinden und die reguläre Arbeitszeit tangieren. Er schlägt eine transparente, an die Teuerung angepasste Entschädigung für alle Behördenmitglieder vor. Die Grundvergütung würde erhöht, die Sitzungsgelder gestrichen. «Mein Lohnzettel ist kein Staatsgeheimnis», sagte ­Sascha Ullmann und zeigte seinen Lohnausweis. Er verdient knapp 70 000 Franken. Bei Annahme der Entschädigungsverordnung würde das präsidiale Salär auf 78 000 Franken erhöht.

«Diese Argumente sind alarmierend», sagte SVP-Präsident Bernhard Ecklin; die Erhöhung der Entschädigungen würden die Verwaltung verteuern. Zudem scheine vergessen zu gehen, was Miliz bedeutet. «In unserem System sollen die politischen Aufgaben nebenberuflich geleistet werden.» Die Streichung der Sitzungsgelder findet er gut und fordert, alle anderen Erhöhungen auch abzulehnen – ausser jene des Friedensrichters. Der Rückweisungsantrag wurde abgelehnt.

Felix Heer unterstützte den Gemeinderat: «Demokratie funktioniert nicht, wenn nur die mit dem dicken Portemonnaie mitmachen können. Wer mehr arbeitet, soll auch angemessen entschädigt werden.» Er brachte das Beispiel der Trichtenhausermühle: «Hier hat das Volk 1,5 Millionen ausgegeben, was nicht für Unmut gesorgt hat, aber wenn es um eine faire Entschädigung geht für jene, die Verantwortung tragen, ist die Empörung gross …» Das Klingeln einer Glocke unterbrach die Rede. Sascha Ullmann blickte zum Redner: «Fünf Minuten Redezeit.» Applaus und Lachen im Saal.

Der FDP-Präsident beantragte, die Entschädigung für die Mitglieder der Rechnungs- und Geschäftsprüfungskommission um 2000 Franken zu erhöhen. Der Kontext schien sich den Stimmbürgerinnen und Stimm­bürgern wegen der unterbrochenen Rede nicht ganz zu erschliessen; sie lehnten den Antrag mit 86 zu 46 Stimmen ab. Die Totalrevision der Entschädigungsverordnung hingegen wurde mit grossem Mehr angenommen.

Um 22 Uhr beendete Sascha Ullmann die Versammlung und entliess die Anwesenden ins Foyer, wo man bei Wein und Grittibänz weiterdiskutierte.

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