Zumikons Nein zur Asylunterkunft

Von Aline Sloksnath ‒ 5. Dezember 2025

Das Urteil des Bundesgerichts war deutlich: Die Zumiker Stimmbevölkerung muss an der Urne erneut über den Verpflichtungskredit für die Asylunterkunft Farlifang bestimmen. Nun hat sie entschieden – und den Beschluss der Gemeindeversammlung vom Juni 2023 umgekehrt.

Die Zumiker Stimmbevölkerung hat sich am Sonntag gegen eine Asylunterkunft Farlifang ausgesprochen. (Bild: jli)
Die Zumiker Stimmbevölkerung hat sich am Sonntag gegen eine Asylunterkunft Farlifang ausgesprochen. (Bild: jli)

Am Standort Farlifang wird keine Asylunterkunft gebaut. 57,51 Prozent der Stimmbevölkerung haben am Sonntag den Verpflichtungskredit an der Urne abgelehnt. Die Stimmbeteiligung lag bei etwas über 67 Prozent.

«Unsere Argumente haben die Stimmbürger überzeugt», erklärt Marc Wachter, Co-Präsident des Komitees «Asylzentrum Farlifang Nein», den «Vollerfolg». «Eine deutliche Mehrheit der Zumikerinnen und Zumiker wollte kein Asylzentrum auf dem Schulareal Farlifang. Zudem waren viele Leute unzufrieden mit den hohen Kosten. Im Gegensatz zur Gemeindeversammlung konnten auch junge Eltern mitbestimmen, welche dort auf Grund der Kinderbetreuung nicht teilnehmen konnten.» Im Dorf spüre er Erleichterung: «Die fragwürdige Standortwahl hat viele Leute umgetrieben. Auf der Strasse oder beim Einkaufen erhalte ich viele anerkennende Worte von zufriedenen Stimmbürgern.»

Seitens der Gemeinde klingt es ­anders: «Der Gemeinderat ist enttäuscht, dass eine Mehrheit den Argumenten der emotional geführten Gegenkampagne folgte», schreibt er in der Medienmitteilung. Wäre eine ebenso emotional geführte Befürworter-Kampagne möglich gewesen? «Der Bau einer Asylunterkunft bereitet nur wenigen Leuten Freude. Viele sehen es auch einfach als Pflichtaufgabe einer Gemeinde. Es ist einfacher, Personen zu finden, die sich gegen eine Asylunterkunft wehren, als solche, die sich aktiv dafür einsetzen», sagt Gemeindepräsident Stefan Bührer. Vor der Abstimmung sei die Stimmung aufgeheizt gewesen, nach der Resultatbekanntgabe habe er emotionale Reaktionen von beiden Seiten erhalten: «Die Wogen werden sich wieder glätten müssen, das braucht Zeit. Grundsätzlich gilt, der Gemeinderat macht Vorschläge und der Souverän entscheidet. Es geht hier nicht um Sieg oder Niederlage. Dieses Mal hat unsere Vorlage offenbar nicht (mehr) überzeugt. Das gehört dazu.»

Die bereits entstandenen Kosten von geschätzt rund 450 000 Franken, unter anderem für die Projektierung und das Submissions­verfahren, müssen abgeschrieben werden. Für die neue Standortsuche werden weitere Kosten anfallen. «Wir haben jetzt erst einmal Kosten von fünf Millionen eingespart», bemerkt Marc Wachter.

Aktuelle Situation

Wie weiter? «In einem ersten Schritt werden wir auf die Gemeinde Küsnacht zugehen und anfragen, ob ­wir den Mietvertrag für die dortige Unterkunft verlängern können», erklärt Stefan Bührer. Die aktuell vollständig ausgelasteten rund 30 Plätze in Küsnacht sind, Stand heute, bis Ende August 2026 gesichert. Ob eine Vertragsverlängerung realistisch ist, weiss der Gemeindepräsident nicht. «Als Abmachung mit Küsnacht gilt, dass dort nur ukrainische Flüchtlinge untergebracht werden dürfen. Sollten in Zukunft vermehrt Asylsuchende aus anderen Ländern nach Zumikon kommen, müssen diese im eigenen Dorf untergebracht werden.» Aktuell sei dies kurzfristig nicht möglich, der Gemeinderat muss prüfen, ob noch weitere Wohnungen angemietet werden müssen.

Zur Erinnerung: Aktuell leben in der Unterkunft Schwäntenmos acht Personen, noch dieses Jahr sollen neun weitere aus der Ukraine dazukommen. Die Unterkunft hat 28 Betten, laut der Gemeinde ist eine Auslastung mit mehr als 21 Personen über längere Zeit unrealistisch. Neben den Plätzen in Küsnacht mietet die Gemeinde auch Privatwohnungen für rund 40 Personen. Die externen Mieten kosten rund 500 000 Franken pro Jahr.

Gibt es Alternativen?

Der Gemeinderat moniert in seiner Mitteilung, dass sich das Komitee gegen den Standort in der Nähe des Kindergartens wehrte, ohne Alternativen aufzuzeigen. «Das war nie der Sinn unseres Komitees», erklärt Marc Wachter. «Der Zweck war die Verhinderung des verfehlten Standorts. Ein neues Projekt zu lancieren ist nicht unsere Aufgabe, sondern die der kommunalen Exekutive.» Ein neues Projekt dürfe «nicht wieder eine Luxuslösung sein. Es muss pragmatisch und kostensparend sein und die berechtigten Sorgen der betroffenen Zumikerinnen und Zumiker berücksichtigen.» Diese Sorgen sind laut dem Co-Präsidenten unter anderem der Platzbedarf der Schule, die Sicherheit allgemein und auf dem Schulweg. Für ihn ist klar: «Die bestehende Infrastruktur im Schwäntenmos muss ausge­lastet werden. Ansonsten erhoffe ich mir vom Gemeinderat nun ein tiefes Durchatmen und dann eine Ausarbeitung einer mehr­heitsfähigen Alternativlösung. Der Standort Farlifang ist nun definitiv vom Tisch.»

Der Gemeinderat wird auf der ­Suche nach einem alternativen Standort voraussichtlich auf bereits im Vorfeld des Farlifang-Projekts geprüfte Grundstücke zurück­greifen. Für eine Asylunterkunft kommt nur eines in einer Wohnzone oder in einer Zone für öffentliche Bauten infrage. Stefan ­Bührer: «Die Gemeinde besitzt nur wenige Grundstücke, welche im Vorfeld alle geprüft wurden. Alle haben ihre Vor- und Nachteile. Auch ein anderer Standort wird vor­aussichtlich wieder seine Tücken respektive Nachbarn haben.»

Komitee am Ziel

Mit einem Ja wäre der Entscheid der Gemeindeversammlung vom Juni 2023 aufgehoben. Durch das Nein bleibt dieser bestehen. Laut Medienmitteilung werde «separat zu entscheiden sein, wie mit dieser Tatsache nun umgegangen werden soll». Im vor der Abstimmung erstellten Bericht heisst es, bei einem Nein sei an einer der nächsten Gemeindeversammlungen über «die Verwendung oder Aufhebung des bereits genehmigten und rechtskräftigen Verpflichtungskredits» zu befinden.

Auch die Pflicht zur Aufnahme von 92 Asylsuchenden ist durch das Nein nicht aufgehoben. «Der Bedarf an einer Asylunterkunft wird kurz- und mittelfristig bestehen bleiben», so Gemeindepräsident Stefan Bührer. Die Vermutung liegt nahe, dass es irgendwann wieder zu einer Entscheidung des Gemeinderats kommen wird, bei der der Souverän das letzte Wort hat. Wird das Komitee weiter bestehen? «Das Komitee hat sein Ziel erfüllt», betont Marc Wachter. «Sollte am Standort Farlifang festgehalten werden, würden wir uns aber weiter wehren.»

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