Von Brigitte Selden ‒ 19. Dezember 2025

Urs Ruoss (58), verheiratet und Vater dreier erwachsener Söhne, ist seit über 20 Jahren die prägende Figur und Leiter des «Zumiparks». Sein beruflicher Werdegang ist ungewöhnlich und zeugt von einem tief verwurzelten Sinn für das Gemeinwohl. Aufgewachsen in Wallisellen, startete er zunächst als Primarlehrer und unterrichtete sieben Jahre lang die 4. bis 6. Klasse, zuletzt in Kloten. Doch sein Engagement für die Gemeinschaft reichte weit über das Klassenzimmer hinaus: Schon als Jugendlicher organisierte er mit seiner Schwester Schülerlektionen für jüngere Kinder im Quartier – frühe Zeichen einer Haltung, die ihn bis heute auszeichnet: Verantwortung übernehmen, wo sie gebraucht wird. «Ich habe früh gespürt, dass es mir Freude macht, anderen etwas mitzugeben. Wenn man sich für seine Mitmenschen einsetzt, kommt Positives zurück», sagt er rückblickend. Dieser Wunsch führte schliesslich zu einem überraschenden Wechsel: Er liess sich umschulen, trat der Kantonspolizei bei und war am Flughafen Zürich zuständig für die Sicherheit und Passkontrollen. Der Impuls für den Schritt kam über einen Kompaniekommandanten aus seiner Militärzeit, der ihn für die Flughafensicherheitspolizei rekrutierte.
Über die Wohnbaugenossenschaft Zumikon, deren Präsident Urs Ruoss bis heute ist, fand er schliesslich ein Zuhause in der Gemeinde. 2004 bot sich ihm die nächste grosse berufliche Veränderung: Die Eigentümerfamilie di Gallo bot ihm an, als stellvertretender Leiter in den Zumipark zu wechseln. Eine glückliche Fügung. «Die Familie di Gallo achtet nicht primär auf formelle Abschlüsse, sondern auf Potenzial und Persönlichkeit.» Im Februar 2005 übernahm er die Gesamtleitung. «Ich kann nur in einem Unternehmen arbeiten, hinter dessen ethischer Grundhaltung ich voll und ganz stehe.»
Der Zumipark hat eine besondere Geschichte. Er war die erste private Residenz im gehobenen Segment in der Schweiz. Im Jahr 2000 übernahm die Familie di Gallo das Haus. Urs Ruoss betont, Ziel des Hauses sei nicht allein die Pflege, sondern die würdevolle und selbstbestimmte Begleitung der 39 Bewohnenden. «Es geht darum, Menschen nicht nur zu versorgen, sondern ihnen ein Leben zu ermöglichen, das sich am Ende zu einem Kreis vollendet.» Die geringe Grösse ermöglicht eine höchst persönliche Betreuung; selbst der Küchenchef weiss präzise Bescheid über die Essgewohnheiten jeder einzelnen Person. Und Urs Ruoss’ Bürotür steht offen, um Anliegen und Kritik unkompliziert entgegenzunehmen: «Ich will Kritik nicht abwehren, sondern früh hören und darauf reagieren können.»
Als Geschäftsführer trägt er eine Doppelbelastung, da er neben dem Management einen Grossteil der Buchhaltung und Lohnabrechnung selbst übernimmt. Die grösste Herausforderung sieht er im Mangel an pflegerischem Nachwuchs. Er kritisiert die Politik, dass die Weiterbildungen an Fach- und Hochschulen für Pflegekräfte trotz Annahme der Pflegeinitiative immer noch mit hohen Kosten verbunden seien. «Wir brauchen dringend bessere Rahmenbedingungen. Es darf nicht sein, dass junge Menschen aus finanziellen Gründen auf eine Pflegeausbildung verzichten.» Gleichzeitig betont er: «Das Herz am richtigen Fleck kann man nicht lernen – das muss man mitbringen.»
Auch der Zumipark spürt die tiefgreifenden Veränderungen in der Alterspflege deutlich: Aufgrund des hervorragenden ambulanten Angebots ist die durchschnittliche Aufenthaltsdauer von fünf auf anderthalb Jahre gesunken. «Die Menschen bleiben so lange wie möglich zu Hause, was Häuser wie das unsrige zwingt, eine Auslastung von über 90 Prozent zu halten», erläutert Urs Ruoss. Trotzdem bleibt das Haus erfolgreich, nicht zuletzt dank Mundpropaganda und einem klaren Bekenntnis zu ethischen Werten. Als Ausdruck dieser Haltung bietet das Haus zehn Prozent der Zimmer zu EL-Konditionen
(Ergänzungsleistungen) an, um auch Menschen ohne grosses Vermögen aufzunehmen. Die finanzielle Stabilität basiere darauf, dass die Eigentümerfamilie die erwirtschafteten Gewinne konsequent in die Sanierung und Modernisierung der 40 Jahre alten Residenz reinvestiert: «Sie gehört zur averecura-Gruppe mit Sitz im Haus Wäckerling in Uetikon am See. Diese Gruppe hat sich mit insgesamt elf Häusern der Betreuung von Menschen mit unterschiedlichsten Bedürfnissen verschrieben.»
Um die Intensität seiner Arbeit auszugleichen, hat Urs Ruoss, der mit seiner Frau in Hombrechtikon wohnt, klare Prinzipien für sein Privatleben: Er nimmt die Arbeit praktisch nie mit nach Hause und hält sich einen Tag pro Woche komplett von Geschäftsgedanken frei. Entspannung und Erholung findet er in der Stille und beim Reisen. Besonders wichtig ist ihm sein gepachteter Schrebergarten, der ihm sprichwörtlich zur Erdung dient. «Wenn ich mit den Händen in der Erde arbeite, komme ich zur Ruhe.» Seit seine Söhne erwachsen sind, unternimmt er mit seiner Frau regelmässig Kurzreisen von zwei bis vier Tagen, meist mit dem Zug durch Europa, wobei sie insbesondere Italien entdeckt haben: die Ligurische Küste und Städte wie Florenz, Rom und Mailand. «Diese kurzen Auszeiten sind für uns essenziell. Sie geben uns neue Energie und Inspiration.»
Seine goldene Regel, die er auch seinem Personal mitgibt, ist denkbar einfach: «Wir gehen mit den Menschen so um, wie wir es gerne hätten, dass man mit uns selbst umgeht.» Eine Haltung, die seiner Meinung nach im Alltag oft fehlt, aber der Schlüssel sei zu einem harmonischen Miteinander. «Manchmal reicht schon ein freundliches Wort oder ein Lächeln, um den Tag eines anderen heller zu machen.»
ANMELDEN
Herzlich willkommen! Melden Sie sich mit Ihrem Konto an.