Ein neues Jahr steht zur Wahl

Von Joachim Lienert ‒ 9. Januar 2026

Am Dienstagabend lud das Vereinskartell zum traditionellen Neujahrsapéro. Etwa 120 Gäste trafen sich im Foyer des Gemein­desaals zum Austausch. Manche von ihnen befanden sich bereits im Wahlkampfmodus.

Rief dazu auf, sich auf den Weg zu machen und dabei das Ziel immer im Auge zu behalten: Gemeindepräsident Sascha Ullmann. (Bild: jli)
Rief dazu auf, sich auf den Weg zu machen und dabei das Ziel immer im Auge zu behalten: Gemeindepräsident Sascha Ullmann. (Bild: jli)

Die Würstchen, die letztes Jahr noch serviert wurden, waren dieses Jahr wurst. Das Filetstück war ein Kuchenstück, genauer gesagt deren zwei. Die beiden Könige in den Dreikönigskuchen, welche Zolliker Firmen ebenso wie den reichhaltigen Apéro gesponsert hatten, berechtigten nämlich zu einem Goldvreneli. Entsprechend wurden die Gäste gebeten, nicht zu hamstern, sondern nur ein Stück zu wählen. Ums Wählen drehten sich auch viele Gespräche. Gemeinderätinnen und Gemeinderäte samt Gemeindeschreiber waren in corpore vertreten, ebenso diverse Kandidierende für Behördenämter, darunter die Konkurrenten um das Amt des Schulpflegepräsidiums, Rui Biagini von der GLP und David Sarasin von der FDP. Kandidierende betonten in Gesprächen mit dem Zolliker Zumiker Boten, sie seien die richtigen Personen, wahlweise für die Rechnungs- und Geschäftsprüfungskommission oder die Schulpflege. Einzig beim Gemeinderat waren keine neu Kandidierenden unter den Gästen auszumachen – dabei darf dieses Rennen als längst nicht ausgemacht bezeichnet werden. Eine Nachbarin von Gemeinderat und Gemeindepräsidiumskandidat ­Patrick Dümmler stellte klar, sie werde ihn nur wählen, wenn er seinen Garten endlich aufhübsche. Amüsiert und eloquent zählte er daraufhin auf, was er alles versuche, damit dieser sich endlich in schönerer Blüte präsentiere, doch zerstörten die Wühlmäuse stets seine so geliebten Johannisbeeren.
Nicht nur hohe Gartenpolitik war Thema am Anlass. Im Vergleich zu vergangenen Jahren waren etwas mehr jüngere Gesichter vertreten, darunter Neuzuzügerinnen und Neuzuzüger, denen es weniger um Politik als um das Einleben in die Gemeinde ging. Eine langjährig in Zollikon verwurzelte Frau bestätigte den Wert dieser Gelegenheit, Kontakte zu knüpfen: «Als ich vor Jahren zum ersten Mal an einem Neujahrsapéro teilnahm, wurde ich gleich für die Teilnahme im Musikverein Harmonie angefragt – und bin heute noch immer dabei.»

Premiere für den Gemeindepräsidenten

Auch Gemeindepräsident Sascha Ullmann richtete in seiner Ansprache das Augenmerk auf das Miteinander: «Das ist einmal ein Anlass, an dem wir nicht dabei sein müssen, sondern dabei sein dürfen.» Sein persönliches Highlight des letzten Jahres sei die Gemeindeversammlung vom 3. ­Dezember gewesen. «Ich bereite mich immer auf alles vor, aber nicht darauf, dass beim Traktandum Budget keine einzige Wortmeldung kam. Dafür sage ich danke – ihr habt mir ein einmaliges Erlebnis ermöglicht.» Die Gemeindeversammlung beurteilte er als Musterbeispiel der direkten Demokratie. So habe diese etwa einen Änderungsantrag eines Bürgers zur Bau- und Zonenordnung gutgeheissen und damit die Vorlage des Gemeinderats verbessert. «Nicht jeden Seich, den der Gemeinderat vorschlägt, muss man gut finden.»

Der Neujahrsapéro: Plattform für Diskussionen mit bekannten und neuen Gesichtern in der Gemeinde. (Bild: jli)
Der Neujahrsapéro: Plattform für Diskussionen mit bekannten und neuen Gesichtern in der Gemeinde. (Bild: jli)

Echtes Dorfleben – mit Königin und König

Die drei Könige des Tages stünden symbolisch dafür, dass man sich im neuen Jahr auf den Weg machen und dabei das Ziel nie aus den Augen verlieren dürfe. Sascha ­Ullmann zog Parallelen zu den drei Lebensabschnitten: der Kinder- und Jugendphase, dem mittleren – und dem hohen Alter. «Mein Wunsch ist es, dass wir Respekt bewahren gegenüber der älteren Bevölkerung, gegenüber Menschen mittleren Alters, aber auch den Kindern und Jugendlichen Vertrauen schenken.» Der Abend stand im Zeichen dieses Respekts und des Dorflebens. Die Stimmung war – nicht nur vom Lunggesüder angeregt – freundlich, geradezu familiär, sichtbar in den Gesichtern und hörbar im Stimmpegel. So möge der Anlass Vorzeichen sein für ein Jahr, in dem man sich mit Wohlwollen in der Gemeinde begegnet. Die strahlenden Goldvreneli-­Gewinner krönten die Symbolik des Miteinanders der Generationen: eine junge Königin und ein älterer König.

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