Von Lea Moser ‒ 16. Januar 2026

Die Gäste wurden mit kalten und warmen Gaumenfreuden in gemütlicher Atmosphäre empfangen. Die Vorstandsmitglieder des Gemeindevereins hatten mit der Essens- und Getränkeausgabe alle Hände voll zu tun. Nach einer guten Stunde wurde es Zeit für die Rede des Gemeindepräsidenten Stefan Bührer. Dieser musste sich auf fünf Minuten beschränken und meinte dazu: «Mir war gar nicht bewusst, dass ich zu denjenigen gehöre, die langfädige Reden halten und denen man ein Zeitlimit setzen muss.» Ein Lachen ging durch die Reihen. Da die Zeit für einen Jahresrück- und Ausblick mit dieser Vorgabe zu knapp sei, wolle er sich stattdessen der Schweizer Tradition des Apéros widmen. Nach einem kurzen Exkurs über verschiedene Apéro-Arten und Empfehlungen der Stadt Zürich folgten die Verhaltensregeln.

In der Schweiz wird alles geregelt, sogar die Apéro-Kultur. So gelte es etwa, nicht pünktlich zu erscheinen, sondern besser fünf bis fünfzehn Minuten später, und das Glas in der linken Hand zu halten, damit die rechte frei bleibt, um Hände zu schütteln. Exakt beim Apéro-Knigge-Punkt «Handys lautlos schalten und in der Tasche lassen», ertönte ein lauter Klingelton im Saal, und ein Gast rief «Telefon!». Stefan Bührer fuhr unbeirrt fort: «Es ist nicht angebracht, sich sofort auf das Buffet zu stürzen und bei Häppchen mit Dipsaucen sollte ‹double dipping› – also zweifaches Tunken – bitte vermieden werden.» Eine weitere Grundregel sei, dass Ansprachen nicht länger als fünf Minuten dauern sollten, weshalb er nun aufhöre. Das Publikum applaudierte, während er von seinem Stuhl hinunterstieg. Es hätten sich schon öfter Schrauben der Stühle gelöst, wie wir im Nachhinein hörten, und waren froh, dass die Organisatoren ein standhaftes Exemplar für diese tragende Rolle auserkoren hatten. Es reichte schon, dass einige Gläser in die Brüche gingen. Anhand der Glasbruchbilanz dürfte 2026 ein sehr glückliches Jahr werden.

Susan Neidhart, Vorstandsmitglied des Gemeindevereins, erinnerte an die über 30-jährige Tradition des Neujahrsblatts, das jeweils von einer kunstschaffenden Person aus Zumikon gestaltet und am Neujahrsapéro kostenlos abgegeben wird. Dieses Jahr stammt es von der Künstlerin Susann Bodmer, die seit 2007 in Zumikon wohnt. Auf die Frage nach der Inspiration für das Motiv sagte sie: «Ich habe versucht, nach meiner Intuition zu malen und die Vernunft und meinen Verstand komplett auszuschalten.» Das sei gar nicht so einfach gewesen. Das Original sowie drei weitere Bilder dieser Serie waren am Eingang des Saals ausgestellt. Bei den Werken kommen Acryl, Mixed-Media wie Tinte, Kohle, Grafit und verschiedene Arten von Stiften zum Einsatz. Fazit: In der Kunst gibt es zum Glück im Gegensatz zu einem Apéro keine festen Regeln. Da dürfen auch mal Kaffee, Rotwein oder Eierlikör verwendet werden.
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