Von Joachim Lienert ‒ 16. Januar 2026

Wie kommt ein 37-jähriger Mann dazu, ein Ortsmuseum zu leiten? Das und mehr wollten rund 35 Personen an dem Abend im Café-am-Puls-Saal von Bruno Heller erfahren. Draussen fiel Schnee, drinnen herrschte eine warme Atmosphäre. Wie gewohnt beim Talk am Puls führte die Journalistin Barbara Lukesch von den Zollikernews durch das Gespräch. Simon Gebs sollte recht behalten: Bruno Heller, der mit Frau und Kindern in Zürich wohnt, erwies sich als überaus sympathisch. Viel vermittelte er über die Bedeutung eines Ortsmuseums im 21. Jahrhundert, über Zollikon aus der Sicht eines Zugezogenen aus Hessen, über seine Liebe zum Fussball und mehr. Seit 2023 leitet er das Ortsmuseum. «Das Programm kommt zu mir, ich muss es nicht planen», verriet er dem Publikum. Man müsse sich gut überlegen, was man in einem Ortsmuseum überhaupt zeigen könne. Am Beispiel der aktuellen Ausstellung «Was ein Plakat erzählt» zeigte Bruno Heller auf, wie sich scheinbar Bekanntes neu erschliessen lässt. Da komme einem in den Sinn, «Plakatausstellung, das gab’s doch schon zigmal». Doch dann taucht er in die Materie ein, erfährt von der Graphischen Kunstanstalt in Zollikon, die 1968 mit dem Tod von Paul Heinz Bender zu Ende ging, und findet nach Recherchen einen Lithografen, der heute im Tessin lebt und in den 1950er-Jahren in der Druckerei gearbeitet hatte. Also fährt er zu ihm und führt ein Interview gefüllt von Erinnerungen. «Das kann man nicht planen, das war ein Glücksfall.» Rund 1000 Leute besuchten das Ortsmuseum im vergangenen Jahr. Das klinge vielleicht nicht nach viel, aber: «Man muss das relativieren: Diese Leute kommen bewusst hierher, weil es sie interessiert.»
Während viele Ortsmuseen um die Jahrhundertwende mit einer stark bewahrenden Haltung entstanden, setzte das 1961 gegründete Ortsmuseum Zollikon von Anfang an auf Sonderausstellungen und Bewegung. Bruno Heller will diesen Ansatz weiterdenken – weg vom Wissenstempel, hin zu einem Ort, der gesellschaftliche Fragen aufnimmt und zum Dialog einlädt. Zollikon musste er, der 2014 aus Deutschland in die Schweiz zog, erst einmal verstehen lernen: «Die Gemeinde ist für viele ein Rückzugsort. Man geht hier einkaufen und schläft hier, aber man hat kein grosses Bedürfnis, sich in den öffentlichen Raum zu begeben.» Das bedeute eine gewisse Herausforderung, die Menschen ins Ortsmuseum zu locken. Er freut sich auf die Aussicht, in der Villa Meier-Severini ein Kulturhaus mitzuentwickeln. Geplant ist in zwei bis drei Jahren eine Mehrfachnutzung mit ortsgeschichtlichem Fokus, ergänzt durch Kunst, Lesungen, Workshops, kleinere Konzerte und ein kleines Café mit Aussicht. «Ein toller, repräsentativer Ort mit Garten und Baumbestand.» Das denkmalgeschützte Haus soll umfassend saniert werden; die Kosten werden voraussichtlich gegen Ende Jahr der Gemeindeversammlung vorgelegt.
Auf die Frage von Barbara Lukesch, welchen Stellenwert ein solches Museum in der heutigen digitalen Welt überhaupt noch habe, antwortet Bruno Heller: «Für mich gibt es keine Trennung zwischen der physischen und der digitalen Welt.» Das Ortsmuseum könne Zollikon Identität und Stabilität vermitteln. Fragen von Identität und Zugehörigkeit beantwortet er für sich selbst zum Beispiel bei Reisen in seine Heimat Wiesbaden – oft verbunden mit Besuchen bei seiner Schwester in Frankfurt und einem Abstecher in eine Apfelweinkneipe. «Man setzt sich einfach an einen abgenutzten Holztisch, bestellt ein Bembel und kommt mit allen möglichen Menschen sofort ins Gespräch. Das passiert einem hier auch, aber seltener.» Das Publikum lacht im Wissen, wie selten. Auch mit der dreijährigen Tochter oder dem sechsjährigen Sohn besucht er gerne ein Museum. «Man hat oft das Gefühl, man muss elitäres Wissen haben für ein Museum. Kinder sehen ganz anders.» Sie gingen einfach hinein und geniessen. So, wie das Publikum an diesem Abend einfach hineinging, um einen Talk mit einem feinen Menschen zu geniessen.
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