Von Dominique Pierre Lüthi ‒ 16. Januar 2026
Wer in diesen Wintermonaten spät unterwegs ist, merkt es sofort. Strassen, die sonst im Dunkeln lagen, sind nun beleuchtet. Die Lichter, die nachts bislang ausgeschaltet wurden, bleiben jetzt vorübergehend im gesamten Gemeindegebiet durchgehend aktiv. Das sorgt für mehr Licht, aber nicht überall für Zustimmung.
Mehr Licht im Dunkeln soll vor allem eines bringen: ein besseres Gefühl. Ob dieses Ziel erreicht werden kann, will der Gemeinderat mit dem befristeten Versuch prüfen. «In den letzten Monaten haben uns vermehrt Rückmeldungen aus der Bevölkerung erreicht, dass die Strassen unter der Woche nachts als zu dunkel und unsicher wahrgenommen werden», sagt Gemeinderat Dorian Selz. Das Projekt soll aufzeigen, wie die Massnahme in den Nachtstunden wirkt und ob sie zur Kriminalprävention beitragen kann. «Ziel ist es, Erfahrungen zu sammeln und eine Grundlage für den weiteren Entscheid zu schaffen.»
Wenn es draussen früh dunkel wird, verändert sich auch der Blick auf die Sicherheit im öffentlichen Raum. Entsprechend erhofft sich die Gemeinde eine erhöhte Verkehrssicherheit für Fussgängerinnen, Fussgänger und Radfahrende. Diese Einschätzung stütze sich laut Gemeinderat nicht nur auf allgemeine Annahmen, sondern auch auf fachliche Rückmeldungen. Der Versuch sei mit der Dorfpolizei sowie den Werken am Zürichsee besprochen und positiv beurteilt worden.
Ganz unumstritten ist die Massnahme aber nicht. Einzelne Bewohnerinnen und Bewohner haben sich bereits über die durchgehende nächtliche Beleuchtung beschwert. Mögliche Auswirkungen auf Natur und Umwelt wurden dabei ebenfalls thematisiert. Laut Gemeinderat seien diese Aspekte im Vorfeld aber mit den zuständigen Fachstellen geprüft worden.
Dass in Zollikon vorerst nicht auf eine zeitliche oder situationsabhängige Steuerung gesetzt wird, hat technische und finanzielle Gründe. «Die bestehende Infrastruktur lässt eine solche Steuerung derzeit nicht überall zu. Eine Umrüstung wäre mit hohen Investitionskosten verbunden», erklärt Dorian Selz. Auch das aktuelle Projekt hat seinen Preis. Jede zusätzliche Nacht verursacht laut Gemeinderat Ausgaben von rund 80 Franken. Über die gesamte Dauer des Pilotprojekts summieren sich die Mehrkosten damit auf mehrere Tausend Franken. In einzelnen Nächten blieb die Strassenbeleuchtung allerdings auch bisher eingeschaltet, etwa an Wochenenden, bestimmten Feiertagen oder bei Nachtangeboten des Zürcher Verkehrsverbundes. Finanziert werden die zusätzlichen Kosten aus dem Budget der Bauabteilung.
Dass es auch anders gehen kann, zeigt der Blick nach Meilen. Dort setzt die Gemeinde seit 2024 auf LED-Leuchten mit einer smarten Steuerung. Das Licht passt sich dabei dem Verkehrsaufkommen an. Damit lassen sich rund 80 Prozent elektrische Energie und etwa 40 Prozent der Unterhaltskosten einsparen. Mit der neuen Technik wurde nicht nur auf eine durchgehende Beleuchtung umgestellt, sondern auch die Ausleuchtung punktuell verbessert.
Während Meilen mit der Umstellung gute Erfahrungen gemacht hat und auf Nachfrage erneut auf ein solches System setzen würde, bestehen in Zollikon derzeit keine konkreten Pläne für den Einsatz vergleichbarer Steuerungssysteme. Offen ist auch, wie der Erfolg des Pilotprojekts beurteilt werden soll. «Das Sicherheitsgefühl ist subjektiv und lässt sich nicht einfach messen. Deshalb gibt es derzeit keine festgelegten Kriterien für die Auswertung», sagt Dorian Selz. Ende März endet der Versuch. Danach will der Gemeinderat auf Basis der gesammelten Erfahrungen entscheiden, wie es mit der Strassenbeleuchtung weitergeht.
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