Jung, unternehmerisch und sozial engagiert

Von Dominique Pierre Lüthi ‒ 23. Januar 2026

Es riecht nach Popcorn. Nicht nach dem süsslichen Kinoduft, sondern nach Unerwartetem: Rosmarin, Salz, ein Hauch von Trüffel. Was hier entsteht, ist nicht einfach ein Snack, sondern ein Lernprozess, der weit über die Schulzimmer hinausreicht.

Die Gründerinnen und Gründer des besonderen Popcorns:David Momani, Yves Grünwald, Felix Kaiser, Mats Brechlin, Lana Clercx, Emily Baumann und Anisha Graf (v.l.n.r.). (Bild: zvg)
Die Gründerinnen und Gründer des besonderen Popcorns: David Momani, Yves Grünwald, Felix Kaiser, Mats Brechlin, Lana Clercx, Emily Baumann und Anisha Graf (v.l.n.r.). (Bild: zvg)

Sieben Schülerinnen und Schüler der Kantonsschule Hottingen haben das Miniunternehmen Aureo Popcorn gegründet. Entstanden ist es im Rahmen des Akzents Entrepreneurship von Young Enterprise Switzerland (YES). Ergänzend zum wirtschaftlich-rechtlichen Profil erhalten die ­Jugendlichen die Möglichkeit, ein eigenes Start-up aufzubauen. Ziel des Programms ist es, Wirtschaft nicht nur zu erklären, sondern erlebbar zu machen.

Der 17-jährige Zolliker Mats Brechlin ist im Unternehmen für das Marketing verantwortlich. «Wir ­sahen eine Lücke im Apéro-Markt und wollten Popcorn neu denken», sagt er. Entstanden sind drei Sorten: Trüffel, Chili-Schokolade und Rosmarin-Salz. «Unser Ziel war ein hochwertiges Produkt mit speziellen Geschmacksrichtungen.» Dabei geht das Projekt weit über eine klassische Unternehmenssimulation hinaus. «In der Schule arbeiten wir intensiv an unserem Unternehmen, aber ein grosser Teil passiert zu Hause. Wir investieren viel Freizeit», erklärt Mats Brechlin. Die Jugendlichen erleben, dass unternehmerisches Handeln Verantwortung bedeutet. Verzögert sich ein Produktionsschritt, hat das Konsequenzen. Funktioniert etwas nicht, muss eine Lösung gefunden werden. Theorie wird plötzlich konkret.

Soziale Dimension

Hinter jeder Verpackung steckt mehr als nur Geschmack. Produziert wird das Premium-Popcorn in Zusammenarbeit mit der Martin Stiftung aus Erlenbach, einer Institution, in der Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung arbeiten. «Der soziale Gedanke ist uns enorm wichtig. Wir möchten der Gesellschaft etwas zurückgeben und Menschen mit einer Beeinträchtigung unterstützen. Man sollte nicht immer nur auf den Profit schauen», meint Mats Brechlin.

Die Zusammenarbeit verlangt Planung, Geduld und gegenseitiges Verständnis. Für die jungen Gründer ist es eine prägende Erfahrung und eine Begegnung auf Augen­höhe. Lernen bekommt hier eine menschliche Dimension.

Erfolg im direkten Kontakt

Neben der Produktion sammeln  die Jugendlichen auch Verkaufserfahrung. «Wir lernen, wie Prozesse funktionieren, welche Rollen es in einem Unternehmen gibt und wie man eine Marke aufbaut», sagt Mats Brechlin. Als besonderen Erfolg bezeichnet er den Auftritt am Zolliker Weihnachtsmarkt. «Wir hatten viele Gespräche mit der Bevölkerung und konnten neue Kundinnen und Kunden gewinnen. Das Feedback war sehr positiv. Das Trüffel-Popcorn war bereits nach vier Stunden ausverkauft.» Jetzt verkaufen sie die Produkte über ihren eigenen Onlineshop.

Mehr als ein Schulprojekt – eine Erfahrung fürs Leben

Für die Jugendlichen ist Aureo Popcorn mehr als ein Projekt für die Note. «Uns wurde bewusst, dass es sich lohnt, mutig zu sein und Neues auszuprobieren. Der Zeitaufwand ist gross, aber wir sind überzeugt, dass uns diese Erfahrung für unser späteres Berufsleben viel bringt», so Mats Brechlin.

Das Beispiel zeigt, wie Lernen wirkt, wenn es mit der Realität verknüpft wird. Wenn Verantwortung nicht theoretisch bleibt, sondern konkret wird und aus Popcorn ein Projekt entsteht, das wirtschaftliches Denken mit sozialem Engagement verbindet.

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