Auftakt zu den Wahlen

Von Björn Reinfried ‒ 30. Januar 2026

Am Montagabend fand im Kirchgemeindesaal das Wahlpodium statt. Dabei stellten sich die Kandidierenden für die vier Behörden vor. Wichtige Fragen wurden beantwortet: Welche Gemeinde will Zumikon annektieren, und ist die RPK ein Mathe-Streber-Club?

Ein gelungener Abend: Die Kandidierenden erhalten Applaus. (Bild: bre)
Ein gelungener Abend: Die Kandidierenden erhalten Applaus. (Bild: bre)

Rund 80 Interessierte fanden sich am Montagabend im Kirchgemeindesaal ein, um die Kandidatinnen und Kandidaten für die verschiedenen Behördenämter kennenzulernen. Von ihnen fanden sich 24 von 25 an diesem Abend ein – eine Person fehlte krankheitsbedingt.

Moderiert wurde der Abend von Thomas Winistörfer, der normalerweise bei der Kantonspolizei tätig ist. Mit Witz und Spitzfindigkeit fühlte er den Kandidierenden auf den Zahn und sorgte dafür, dass alle ihre Redezeit einhielten und der Abend kurzweilig und interessant blieb. Wer politische Veranstaltungen grundsätzlich für langweilig hält, wurde an diesem Abend eines Besseren belehrt: mit witzigen Fragen oder schnellem Fragen-Antworten-Pingpong gestaltete Zumikon die Veranstaltung unterhaltsam und gleichzeitig informativ.

Den Anfang machten die vier Kandidierenden für die Sozialbehörde. Sie mussten einen fiktiven Sozialfallantrag über sich selbst ausfüllen. Die Bisherigen begannen: Name, Alter, Kinder, Familie – «Frau oder Frauen im Plural?» Das Publikum lachte. Es folgten Beruf, Hobbys, Stärken und Schwächen. Nach kurzer Zeit unterbrach ein Gong den Antrag abrupt und das Mikrofon wurde an den nächsten weitergegeben. Während die Bisherigen von ihrer Tätigkeit in der Behörde berichteten, erzählten die Neuen von sich, ihren Berufserfahrungen und Wünschen oder Zielen für den Fall einer Wahl. Das Publikum hörte zu, lachte, raunte und schien am Ende gut informiert zu sein, denn Anschlussfragen gab es keine.

Die Rechnungsprüfungs­kommission

Als Nächstes wurden die acht Kandidierenden für die Rechnungsprüfungskommission auf die Bühne gebeten. Sie mussten sich kurz ­vorstellen und dann verschiedene ­Fragen beantworten. Der Präsident der RPK erklärte die Tätigkeit der Behörde und hielt fest, dass es, wenig überraschend, in diesem Amt einer gewissen Zahlenaffinität bedürfe. Besonders stolz sei er darauf, dass er nie in der Zeitung habe lesen müssen, dass die RPK und der Gemeinderat nicht mehr miteinander sprechen würden.

Der Moderator wollte von einer Kandidatin wissen, was passieren würde, wenn die RPK eine Amtsdauer lang einfach aussetzen würde. «Dann würde der Gemeinderat total aus dem Ruder laufen», lautete die Antwort. Gelächter im Saal. Ob die RPK ein Mathe-Streber-Club sei? «Das würde ich jetzt nicht so sagen…» Das Publikum ist unterhalten und hat auch hier keine weiteren Fragen.

Die Schulpflege

Da Kinder in ihren Zeugnissen auf eine Note reduziert würden, sollte es den sechs Kandidierenden für die Schulpflege nicht anders ergehen. Sie mussten sich selbst Noten in Fachwissen, Sozialkompetenz, Leistungsbereitschaft, Zuhören und Lösungsfindung geben. Ob Selbstüberschätzung oder Glück für die Gemeinde, die vergebenen Noten fielen durchwegs erfreulich aus.

Thomas Winistörfer wollte wissen, was die Schulpflege genau macht, ob die Klassen zu gross seien und wie die Behörde mit der steigenden Zahl psychischer Probleme bei Kindern und Jugendlichen umgehen wolle. Auch kritische Fragen fehlten nicht: «Erklär mir, wie sich ein Asylheim auf den Lernerfolg von Schülerinnen und Schülern auswirkt.» Raunen im Saal. Die Antwort fiel klar aus: «Gar nicht. Das hätte sich gar nicht ausgewirkt.»

Wie die Schule aussehen würde, wenn alle Kinder machen und sein dürften, wie sie möchten? «Wunderschön und furchtbar chaotisch.» Man lacht und diskutiert die Wichtigkeit von geeigneten Lernumfeldern und die Grenzen individueller Förderung. Man ist sich in einer Sache einig: Kinder sollen gerne zur Schule gehen.

Der Gemeinderat

Zum Abschluss betraten die Kandidierenden für den Gemeinderat die Bühne. Die Funktion dieses Gremiums musste nicht weiter erklärt werden, und Thomas Wini­s­törfer begann mit Gemeindepräsident Stefan Bührer: zehn Fragen in einer Minute. Berufswunsch als Kind? Hobbys? Talente? Lieblingsstadt? Dann folgten amtsbezogene Fragen, die ausführlicher beantwortet werden konnten. «Wenn du ins Jahr 2030 reisen könntest, wie würde Zumikon dann aussehen?» wollte der Moderator wissen. ­Stefan Bührers Antwort: «Der Dorfplatz wäre fertig, die Tiefgarage auch, und auch für die Asylunterkunft hätten wir eine Lösung gefunden.»

«Präsidenten auf der Welt liebäugeln mit neuen Gebieten. Welches Gebiet würdest du gerne für Zumikon annektieren?» Stefan Bührer muss lachen. Zum Glück der Nachbargemeinden hegt er keine Annexionspläne: «Es ist gut, wenn der Zumiker Gemeindepräsident nicht so ist, wie jener mit den gelben Haaren. Wir brauchen auch nicht dieselbe Medienaufmerksamkeit und das ist uns in der letzten Legislatur ziemlich gut gelungen. Ich glaube deshalb, dass wir viel richtig gemacht haben.»

Die restlichen Kandidierenden beantworteten die Fragen des Moderators, erzählten von ihren bisherigen Erfolgen im Amt, ihren Visionen und Gedanken, diskutierten über fehlende Dorfbeizen und darüber, wie sich Zumikon in den kommenden Jahren entwickeln soll.

Auch bei den Kandidierenden für den Gemeinderat verzichtete das Publikum auf Fragen; vielleicht auch deshalb, weil im Foyer bereits der Apéro wartete.

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