Von Aline Sloksnath ‒ 30. Januar 2026
Mehr als zwei Jahre dauerten die Verhandlungen, letzten Sommer schien alles auf der Zielgerade zu sein, doch nun heisst es wieder zurück auf Start: Die Gemeinde Zumikon löst im gegenseitigen Einvernehmen die Zusammenarbeit mit der Oase Service AG für das Projekt Alterswohnungen «Neues Wohnen im Farlifang» auf. Das schreibt die Gemeinde in einer Medienmitteilung am Mittwoch.
2022 erhielt die Oase Gruppe von der Gemeinde den Zuschlag für einen neuen Betrieb mit Alterswohnungen und einzelnen Pflegeplätzen am Standort Farlifang. Bereits fünf Jahre zuvor hatte die Gemeinde das rund drei Hektar grosse Grundstück hinter dem Gemeindehaus erworben; der Kauf der Wiese und deren Umzonung wurden 2016 von der Gemeindeversammlung gutgeheissen. Für die Umsetzung wollte die Gemeinde das Grundstück der Oase Gruppe im Baurecht zu möglichst günstigen Konditionen abgeben. Voraussetzung war, dass die künftigen Alterswohnungen zu möglichst tiefen Mietzinsen angeboten werden, damit die vergünstigten Baurechtskonditionen möglichst vollständig an die Mieterinnen und Mieter weitergegeben werden können. Diese Regelung mit einem kommerziell ausgerichteten Bauträger wie der Oase Gruppe auszugestalten, erwies sich gemäss der Medienmitteilung als anspruchsvoll.
Noch im August 2025 standen die Zeichen auf Grün: Nach längeren Abklärungen und Verhandlungen verabschiedete der Gemeinderat die Absichtserklärung. In einem nächsten Schritt hätte diese von beiden Parteien unterzeichnet werden müssen. Doch dazu kam es nie. «Ursprünglich war geplant, daraus einen offiziellen Anlass zu machen», erklärt Gemeindeschreiber Thomas Kauflin auf Anfrage. «Doch noch bevor ein Termin festgelegt werden konnte, wünschte die Oase Gruppe weitergehende Zusagen und brachte neue Forderungen vor.»
Neu wollte die Oase Gruppe den Studienwettbewerb zur Ausgestaltung des Areals nicht mehr – wie ursprünglich angekündigt und in der Absichtserklärung festgehalten – selbst finanzieren. Stattdessen sollte die Gemeinde den Baurechtsvertrag mit einem Zahlungsvorbehalt für eben diesen Studienwettbewerb der Gemeindeversammlung vorlegen. Das hätte bedeutet: Wäre der Baurechtsvertrag von der Gemeindeversammlung abgelehnt worden, hätte die Gemeinde Zumikon die Kosten für den Wettbewerb tragen müssen. «Diesen Druck wollten wir auf die Zumiker Stimmbürgerinnen und Stimmbürger nicht ausüben», sagt Thomas Kauflin. Den Baurechtsvertrag zudem vor Abschluss eines Studienwettbewerbs dem Souverän zur Abstimmung zu unterbreiten, wollte der Gemeinderat gemäss Thomas Kauflin ebenfalls nicht: «Für die Gemeindeversammlung hätte es einen Gestaltungsvorschlag, mindestens aber eine Visualisierung des Projekts gebraucht.»
Hinzu kam, so heisst es in der Medienmitteilung, dass sich das Umfeld für die Planung von Pflegeplätzen während der langwierigen Verhandlungen» mit «grosser Dynamik weiterentwickelt» habe. Neu behält sich der Kanton Zürich vor, Bewilligungen für Pflegeplätze nicht mehr zu erteilen, wenn diese in den neuen Versorgungsregionen bereits ausreichend vorhanden sind. Dies ist bei der Versorgungsregion Unterer Zürichsee aktuell der Fall. «Potenzielle Investoren wissen somit nicht, ob sie neu erstellte Pflegeplätze realisieren und betreiben können», heisst es dazu in der Medienmitteilung.
Dieses Investitionsrisiko sei für die Oase Gruppe aber nicht der ausschlaggebende Punkt für die Beendigung der Zusammenarbeit gewesen: «Als privates Unternehmen sind wir uns dieses Risikos bewusst, es wäre nicht zu gross geworden», erläutert Silvan Hürlimann, Generalsekretär des Verwaltungsrates der Oase Gruppe, auf Anfrage. Ausschlaggebend sei vielmehr die bereits verstrichene Zeit gewesen, betont er: «In der Regel dauert die Ausarbeitung einer Absichtserklärung mit einer Gemeinde drei bis sechs Monate. Mit Zumikon dauerte es knapp mehr als zwei Jahre.» Es habe sich daher die Frage gestellt, wie lange die Ausarbeitung eines Baurechtsvertrags noch gedauert hätte. In Anbetracht dessen habe sich die Oase Gruppe mehr Sicherheit gewünscht: «Ein Projektwettbewerb hätte uns mindestens eine halbe Million Franken gekostet. So viel Geld zu investieren, ohne zu wissen, wie es ausgehen wird und ob es nochmals mehrere Jahre dauert, war unternehmerisch nicht mehr tragbar. Deshalb wollten wir dieses Risiko schlussendlich mit der Gemeinde teilen. Dies ist bei anderen Gemeinden, mit denen wir zusammenarbeiten, eigentlich der Normalfall».
Vor rund zehn Jahren wurde der Kauf der Wiese im Farlifang mit einem klar definierten Ziel von der Gemeindeversammlung angenommen: An diesem Standort sollen neue Alterswohnungen entstehen. Doch genau das wurde im Laufe der Zeit zur Knacknuss. Zunächst habe man von fünf Pflegeplätzen gesprochen, erzählt Thomas Kauflin, dann sei die Anzahl von zehn auf zwanzig erhöht worden, letztlich habe die Oase Gruppe dreissig Plätze verlangt. «Wir wollten keine Überbauung, die schlussendlich als Pflegeheim wahrgenommen wird. Das Ziel war es – und soll es bleiben –, primär bezahlbare Alterswohnungen zu schaffen.» Aus Sicht der Oase Gruppe sei die Zusammenarbeit aber nicht an diesem Punkt gescheitert, betont Silvan Hürlimann. Dass es nun soweit gekommen ist, bedauern beide Parteien.
Nun müssen die Karten wieder neu gemischt werden. An der Idee von Alterswohnungen im Farlifang will der Gemeinderat festhalten. In der Medienmitteilung formuliert er das Ziel, das Projekt innerhalb der nächsten fünf Jahre neu zu realisieren. Ist das realistisch? Thomas Kauflin sagt: «Der Gemeinderat ist bereits auf der Suche nach einem anderen Bauträger. Diesmal nach einem, der nicht in erster Linie gewinnorientiert operiert. Wenn wir jemanden finden, der engagiert ist und kein Gegenwind kommt, dann ist dieser Zeithorizont durchaus realisierbar.»
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