Rückzug ihrer Kandidatin – SVP möchte vorwärtsblicken

Von Joachim Lienert ‒ 30. Januar 2026

Plötzlich überschlugen sich am Wochenende die Ereignisse. Nachdem der Zolliker Zumiker Bote über eine Abmahnung berichtet hatte, griffen mehrere Medien den Fall auf. Am Montag folgte der Knall: der Rückzug von Adrienne Suvada als Kandidatin der SVP fürs Gemeindepräsidium. Die Partei möchte sich davon nicht beirren lassen.

Neue Ausgangslage: Der Wahlkampf fürs Gemeindepräsidium scheint entschieden. (Archivbild: zzb)
Neue Ausgangslage: Der Wahlkampf fürs Gemeindepräsidium scheint entschieden. (Archivbild: zzb)

Es ist nicht einfach, bei den vielen Artikeln, die in verschiedenen Medien publiziert wurden, den Überblick über die Chronologie der Ereignisse zu behalten. Der Zolliker Zumiker Bote hatte am vergangenen Freitag (ZoZuBo 4/26) über eine Abmahnung durch eine grosse Anwaltskanzlei berichtet, die als Reaktion auf Fragen an die Kandidierende fürs Gemeindepräsidium ausgesprochen worden war. Damit wurde offensichtlich ein Stein ins Rollen gebracht. Noch am selben Abend griffen der Tages-Anzeiger und die Zürichsee-Zeitung den Fall auf, sprachen von einem «Maulkorb» und erwähnten, dass auch sie, ebenso wie das Online-Medium Spatz aus Erlenbach, abgemahnt worden seien.

Unabhängig von der Abmahnung erhielt der Zolliker Zumiker Bote, nachdem die Zeitung bereits im Druck war, am Donnerstagnachmittag letzter Woche aus glaubwürdiger Quelle ein Dokument zugestellt, dessen Inhalt besagte, Adrienne Suvada werde per 31. März ihre Stelle als Gemeindeschreiberin in Erlenbach verlassen.

Kein Wettbewerb mehr um die Gemeinderatssitze

In einem nächsten Akt publizierte sie am Wochenende eine Stellungnahme zu den Vorgängen auf ihrer Wahlkampf-Website – auch diese liegt der Redaktion vor. Kurz darauf wurde die Website vollständig abgeschaltet. Am Montag teilte
die SVP Zollikon mit, Adrienne ­Suvada habe entschieden, ihre Kandidatur für den Gemeinderat und das ­Gemeindepräsidium der Gemeinde Zollikon zurückzuziehen. «Ein wichtiger Beweggrund für den Rückzug ist der Wunsch von Adrienne Suvada, den laufenden Wahlkampf ihrer Ortspartei nicht durch ihre persönliche berufliche Situation zu belasten», heisst es in der Medienmitteilung. Bernhard Ecklin, Präsident der SVP Zollikon, unterstreicht auf Nachfrage, was darin zu lesen war: Die Kandidatin habe ihren Rückzug selbst angeboten. Weiter äussern wolle er sich dazu nicht, für ihn sei das Ganze bereits «Schnee von gestern». Inzwischen hat am Mittwoch der Gemeinderat von Erlenbach ihren Weggang in einer Medienmitteilung offiziell bestätigt. Darin heisst es, dass Adis Merdzanovic, der stellvertretende Gemeindeschreiber, die Funktion des Gemeindeschreibers «per sofort» übernehme.

Auch die Gemeinde Zollikon musste sich wegen des Rückzugs der Kandidatur mit dem Thema befassen. Sie teilte in einer Medienmitteilung ebenfalls am Mittwoch mit: «Da das Vorverfahren bereits abgeschlossen ist und damit alle Fristen verstrichen sind, ist ein offizieller Rückzug nicht mehr möglich. Der Wahlprozess ist gestartet, weshalb Adrienne Suvada bei den offiziellen Wahlunterlagen als Kandidatin aufgeführt sein wird.»

Jetzt will Bernhard Ecklin vorwärtsblicken. Am Montag präsentierte die SVP ihr verbliebenes Kandidaten-Quartett in der Aula Buechholz, rund 30 Personen nahmen an der Diskussionsrunde teil. «Ich bedauere, dass es keinen Wettbewerb mehr um den Gemeindepräsidiums- und die Gemeinderatssitze gibt. Aber jetzt gehen wir in den Wahlkampf mit diesen vier. Alles andere ist ­Vergangenheit und nicht mehr relevant.» Die vier Kandidierenden ­seien sehr engagiert, das Podium sei «wunderbar» verlaufen, auch mit kritischen Fragen aus dem Publikum.

Es verbleibt ein Quartett

Über Sibylle Lehner, die für die Baubehörde kandidiert, sagt Bernhard Ecklin: «Sie ist Gold wert, weil sie Baujuristin ist. Sie eignet sich sehr für die Aufgaben – nicht, weil diejenigen, die jetzt in der Behörde sind, schlecht wären, überhaupt nicht.» Aber vier von fünf Personen in der jetzigen Behörde kämen aus dem Baugewerbe oder seien Architekten. «Die braucht es natürlich auch, doch die Baujuristin Sibylle Lehner täte der Behörde sehr gut. Wir haben viele Themen im Baubereich, da hat es Luft nach oben.» So erwähnt er etwa die markante Kostensteigerung im Verlaufe des grossen Sanierungsprojekts des Schwimmbads Fohrbach.

Auch in der Schulpflege sieht Bernhard Ecklin Bedarf, «um sich neu zu büscheln und auszurichten». Nicht alles sei dort gut verlaufen. «Andrea Linter ist eine junge, ­engagierte Frau mit einer sehr ­konzilianten, konstruktiven Art, mit Menschen umzugehen.» Sie würde der Behörde guttun, ist er überzeugt. Andrea Linter arbeitet als Assistentin der CEO bei der EMS-Chemie AG, also von Magdalena Martullo-Blocher. Zufällig sei Christopher Linter ihr Ehemann, sagt Bernhard Ecklin. «Wir können ja nicht jemandem, der gut ist, sagen, du darfst nicht kandidieren, weil schon dein Mann kandidiert.» Christopher Linter habe Wirtschaft an der HSG studiert und sei bereits vor acht Jahren für die Rechnungsprüfungskommission aufgestellt worden, wurde damals jedoch nicht gewählt. «Wir finden es richtig und normal, dass jemand wie er nochmals antritt.»

Der Vierte im SVP-Quartett ist Christian Freihofer, Zollikerbergler und selbstständiger Vermögens­verwalter. «Er arbeitet mit dem Geld von andern; ich glaube, das kann man auf der Gemeinde gut gebrauchen, auch in der Sozialbehörde.» Da gehe es zwar nicht um sehr hohe Gesamtbeträge. Doch die Steigerung der Ausgaben in den letzten zwei bis vier Jahren beurteilt Bernhard Ecklin als «erschreckend». Christian Freihofer könne dazu beitragen, mit dem Geld der Steuerzahler sorgfältig umzugehen – im Bewusstsein, dass der Handlungsspielraum dieser Behörde wegen der Vorgaben von Bund und Kanton begrenzt sei.

«Ein bisschen mehr SVP würde Zollikon guttun»

Bernhard Ecklin findet: «Ein bisschen mehr SVP in den Behörden würde Zollikon guttun.» Sofort schiebt er lachend nach: «Das ist eine Untertreibung, weil wir jetzt schon bei null sind, da kann es nur nach oben gehen. Wir sind der Meinung, dass es in der Demokratie eine gesunde Vielfalt und Streitkultur braucht.» Es sei ungesund, wenn in allen Behörden die gleiche Partei – die FDP – dominant sei und in der Rechnungs- und Geschäftsprüfungskommission auch noch die anderen kontrolliere.

Auch wenn nun jene Person aus dem Rennen ist, die für die SVP die Hauptrolle im Wahlkampf hätte spielen sollen, gibt sich Bernhard Ecklin zuversichtlich: «Jetzt machen wir mit unseren vier Kandidierenden erst recht weiter. Wir freuen uns auf einen lebendigen Wahlkampf.»

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