Warum die Forchbahn für Ärger sorgt

Von Dominique Pierre Lüthi ‒ 6. Februar 2026

Wenig Spielraum für Fehler: Viele Fahrgäste empfinden den Betrieb der Forchbahn derzeit als unzuverlässig. Warum das System an seine Grenzen stösst und weshalb Sekunden entscheidend sein können, zeigt ein Blick hinter den Fahrplan.

Der Einspurbetrieb bei der Haltestelle Spital Zollikerberg bringt den Fahrplan an seine Grenzen. (Bild: dpl)
Der Einspurbetrieb bei der Haltestelle Spital Zollikerberg bringt den Fahrplan an seine Grenzen. (Bild: dpl)

Unrealistische Fahrpläne, verpasste Anschlüsse, zu­nehmende Frustration: Viele Leser ärgern sich derzeit über den als unzuverlässig empfundenen Betrieb der Forchbahn. Besonders bei der Haltestelle Spital Zollikerberg scheint das System anfällig. Der Grund liegt im aktuellen Einspurbetrieb und in einem Fahrplan, der auf wenige Sekunden genau getaktet ist.

Geduldsprobe für die Fahrgäste

Wegen der laufenden Gleissanierung wird zwischen Rehalp und Waldburg abschnittsweise nur eingleisig gefahren. Ein Betrieb, der von den Fahrgästen Geduld und von den Betreibern höchste Präzision verlangt. «Der Einspurbetrieb reduziert die betrieblichen Ausweichmöglichkeiten und macht das System insgesamt störungsanfälliger», erklärt Jeannette Herzog, Leiterin Kommunikation der Forchbahn AG. Besonders irritierend für viele Fahrgäste: An der Haltestelle Spital Zollikerberg scheinen Züge in beide Richtungen zur gleichen Minute abzufahren. Die Folgen sind Verspätungen, verpasste Anschlüsse und wachsende Unzufriedenheit.

Begegnungen auf engem Raum

Was auf den ersten Blick nach einem Planungsfehler aussieht, ist technisch so vorgesehen. «Dass Züge in beide Richtungen an einer Haltestelle scheinbar zur gleichen Zeit abfahren, hängt mit der Fahrplankonstruktion zusammen. Es sind geplante Begegnungslagen», sagt Jeannette Herzog. Das System funktioniert stabil, solange alle Züge pünktlich sind. Kommt es auch nur zu kleinen Verspätungen, verschiebt sich der gesamte Ablauf. «Die Züge müssen sich an definierten Begegnungspunkten treffen. Wenn diese Zeitfenster nicht mehr eingehalten werden, entstehen Wartezeiten, die sich dann in der Folge als Verspätung zeigen», so Jeannette Herzog.

Fahrplan hinter dem ­Fahrplan

Ein entscheidender Punkt liegt im Unterschied zwischen dem publizierten und dem betrieblichen Fahrplan. Während für die Fahrgäste nur die abgerundeten Abfahrtsminuten sichtbar sind, wird intern wesentlich genauer geplant. «Hinter dem publizierten Fahrplan liegt ein betrieblicher Fahrplan, der in Sechs-Sekunden-Schritten geplant wird», erklärt Judith Setz, Leiterin der Medienstelle der Verkehrsbetriebe Zürich VBZ. Tatsächlich fährt der stadteinwärts fahrende Zug wenige Sekunden später ab als der stadtauswärts fahrende, auch wenn im Fahrplan dieselbe Minute angezeigt wird.

Enger Knoten Rehalp

Die aktuell beobachteten Verspätungen lassen sich jedoch nicht allein auf den Einspurbetrieb zurückführen. «Die Verspätungen entstehen häufig nicht erst im Abschnitt Spital Zollikerberg, sondern bereits vorher, insbesondere durch die sehr engen Abfahrtszeiten im Knoten Rehalp», erklärt Jeannette Herzog. Für Pendlerinnen und Pendler ist das ärgerlich, da sich die Verspätungen bis zum Bahnhof Stadelhofen fortsetzen und dort wichtige Anschlüsse verpasst werden.

Die Zuständigkeiten im Zürcher Verkehrsnetz sind klar verteilt. Die strategische Gesamtverantwortung für den öffentlichen Verkehr liegt beim Zürcher Verkehrsverbund. Er koordiniert die Verkehrsunternehmen und bestellt das Angebot im Auftrag von Kanton und Gemeinden. Die operative Umsetzung, etwa Detailfahrpläne, Baustellen- und Ersatzkonzepte, liegt bei den Verkehrsunternehmen selbst, konkret bei den VBZ und der Forchbahn. Laut Forchbahn wurden die Risiken der engen Fahrplanlage frühzeitig eingebracht. «Im offiziellen Verfahren haben wir insbesondere auf die ­Robustheit hingewiesen, konkret auf die sehr engen Zeitlagen bzw. den fehlenden Puffer im Knoten Rehalp, auf das Risiko, dass sich bereits kleine Unregelmässigkeiten rasch auf Anschlüsse auswirken können, sowie die erhöhte Anfälligkeit in Kombination mit betrieblichen Einschränkungen», sagt Jeannette Herzog. Nicht alle Wünsche liessen sich jedoch im Gesamtsystem umsetzen.

Keine schnelle Lösung in Sicht

Kurzfristige Anpassungen sind nur begrenzt möglich. «Grössere Anpassungen erfolgen im Rahmen des offiziellen Fahrplanverfahrens für 2027/2028», ergänzt Jeannette Herzog. Kleinere Optimierungen würden zwar geprüft, seien im laufenden Fahrplan aber stark eingeschränkt. Die Bauarbeiten im betroffenen Abschnitt dauern voraussichtlich bis Sommer 2027. Bis dahin bleibt der Betrieb empfindlich und für viele Fahrgäste eine Geduldsprobe.

Die Forchbahn will sich dafür ­einsetzen, dass die Situation mit einem kommenden Fahrplanwechsel verbessert wird. Zudem können Einwohnerinnen und Einwohner über ihre Wohngemeinden formelle Eingaben zum Fahrplan einreichen, die im weiteren Prozess geprüft werden. Bis dahin zeigt sich: Im dicht getakteten Zürcher Verkehrsnetz entscheiden wenige Sekunden darüber, ob ein System funktioniert oder ins Stocken gerät.

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