Von Brigitte Selden ‒ 13. Februar 2026

Zukunftsorientierte Dossiers wie Energie, Mobilität und Digitalisierung gewannen in den letzten vier Jahren deutlich an Fahrt. Und wenngleich andere Bereiche – etwa die Ortsentwicklung, der Wohnraum und die Liegenschaften – aufgrund komplexer Rahmenbedingungen sowie personeller Vakanzen und Leitungswechsel deutlich mehr Geduld erforderten, zeigt der nun vorliegende Schlussbericht: Das strategische Fundament ist gelegt.
Die vergangene Legislatur hatte das Ziel verfolgt, Zollikon für Familien attraktiver zu gestalten und gleichzeitig bezahlbaren Wohnraum sowie Angebote für das Wohnen im Alter zu fördern. Im Bereich «Wohnen im Alter» wurde eine umfassende Befragung der über 60-Jährigen durchgeführt. Die gewonnenen Erkenntnisse bilden nun eine solide Basis für strategische Entscheidungen, auch wenn konkrete Bauprojekte noch ausstehen.
Beim Thema bezahlbarer Wohnraum verweist der Gemeinderat auf die laufende Ortskernentwicklung und die Überprüfung bestehender Baurechtsverträge. Diese Arbeiten sollen langfristig neue Spielräume eröffnen. Bei den Betreuungsangeboten wurden neue Prioritäten gesetzt: Die geplante Zielgruppenerhebung wird vorerst zurückgestellt, und die Revision der Finanzierungsmechanismen erfolgt erst nach Klärung übergeordneter Vorgaben. Mit dem bewilligten Betreuungshaus Rüterwis entsteht gleichzeitig ein zeitgemässes Provisorium, das bis zur Realisierung eines Neubaus eine solide Lösung bietet. Auch die politische Teilhabe der Jugend wird gestärkt: Ab Herbst 2026 startet ein neues Bildungsprogramm, das junge Menschen gezielt an kommunale Entscheidungsprozesse heranführen soll.
Die Entwicklung der Ortskerne im Dorf und in Zollikerberg gehört zu den anspruchsvollsten Aufgaben der Gemeinde. Im Zollikerberg wurde ein intensiver Dialog mit der Bevölkerung geführt. Nach Workshops und einer Online-Umfrage liegen nun Prinzipien und ein Zielbild vor, die als Grundlage für die nächsten Schritte dienen. Die Zwischennutzung der Roswies durch Schafe und Ziegen sorgt für Belebung, nachdem frühere gewerbliche Projekte nicht weiterverfolgt wurden.
Im Dorfzentrum wurden rechtliche Rahmenbedingungen und Varianten vertieft geprüft. Die Verlängerung des Mietvertrags mit der ETH für das Studentenwohnheim bis 2027 verschafft zusätzlichen Planungsspielraum. Für das Seeufer wird an einem Leitbild gearbeitet, das Biodiversität und Aufenthaltsqualität stärken soll. Die behördenverbindliche Verabschiedung ist für Ende 2026 vorgesehen – ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu späteren baulichen Massnahmen.
Die Erarbeitung einer umfassenden Liegenschaftsstrategie ist weiterhin im Gang. Besonders sichtbar sind die Verzögerungen beim Schwimmbad Fohrbach, wo Rekurse und bauliche Herausforderungen den Zeitplan beeinflusst haben. Die Wiedereröffnung ist nun für die Freibadsaison 2027 vorgesehen. Beim Heinrich-Ernst-Fonds führte der Volksentscheid von 2023 dazu, dass die Immobilien nicht veräussert werden dürfen. Das Stiftungsvermögen bleibt damit gebunden, während das Gebäude aktuell als günstiger Wohnraum und Asylunterkunft genutzt wird.
Im Verkehrsbereich konnten nicht alle geplanten Messungen durchgeführt werden, da parallele Baustellen die Vergleichbarkeit beeinträchtigten. Die Polizei meldet dennoch keinen markanten Ausweichverkehr. Fortschritte gibt es beim Veloentwicklungskonzept, das nun behördenverbindlich ist. In der Parkierungspolitik führten gezielte Anpassungen zu einer Entlastung beim Langzeitparkieren, insbesondere im Bereich der «Zolliker Rampe».
Besonders positiv fällt die Bilanz im Bereich Nachhaltigkeit aus. Der Einbau von Photovoltaikanlagen auf öffentlichen Gebäuden wurde deutlich vorangetrieben. Mit der Baufreigabe für den Energieverbund Lengg und den kommunalen Wärmeverbund Zollikon wurden zentrale Schritte in Richtung Netto-Null-Ziel 2035 gesetzt. Die Gemeinde positioniert sich damit klar auf einem zukunftsorientierten Pfad.
Auch die Digitalisierung der Verwaltung entwickelt sich weiter. Zwar wurde das Ziel, 80 Prozent der Kundenprozesse bis Ende der Legislatur zu digitalisieren, auf 2029 verschoben, doch sind wichtige Meilensteine erreicht: Baugesuche werden seit 2025 vollständig digital bearbeitet, und das Redesign der Webseite mit Chatbot erleichtert den Zugang zu Dienstleistungen. Als Pilotgemeinde für kantonale Digitalisierungsprojekte nimmt Zollikon eine aktive Rolle ein, die langfristig zu effizienteren Abläufen führen dürfte.
Wie beurteilt der Gemeinderat selbst die vergangenen vier Jahre? Sein Fazit fällt trotz der Hindernisse positiv aus: «Vieles konnte erreicht werden, auch wenn eine Neupriorisierung notwendig war. Es ist uns gelungen, wichtige Grundlagen zu schaffen, die die Gemeinde langfristig prägen werden – etwa die Ortskernentwicklung im Zollikerberg, der Ausbau der Photovoltaik, der Start des Fernwärmenetzes oder die Digitalisierung zentraler Kundenprozesse. Insgesamt sind wir mit den Fortschritten zufrieden, gerade auch vor dem Hintergrund personeller Veränderungen. Entscheidend ist, dass die erarbeiteten Grundlagen nun verankert sind und die nächsten Schritte in der kommenden Legislatur zielgerichtet weitergeführt werden können.»
Die kommende Legislatur wird nun entscheidend sein, um diese Konzepte in konkrete Projekte zu überführen und für die Bevölkerung erlebbar zu machen. Die Basis ist gelegt – nun gilt es, sie mit Leben zu füllen.
ANMELDEN
Herzlich willkommen! Melden Sie sich mit Ihrem Konto an.