Von Joachim Lienert ‒ 13. Februar 2026

«Früh übt sich, wer ein Meister werden will.» Das antwortet Wilhelm Tell seiner Frau Hedwig, als sie bemerkt, wie früh sich ihre Kinder schon mit der Armbrust beschäftigen. Wer heute Meisterin oder Meister werden will, braucht jedoch nicht nur von klein auf zielgerichtete Ambitionen, sondern auch: Geld. Die Frage ist nur: wie viel?
Sibylle Lehner, Baurechtsanwältin und Mutter von zwei kleinen Kindern, hat in Zollikon im letzten Oktober eine Einzelinitiative eingereicht. Im Januar erklärte der Gemeinderat sie für gültig; somit wird sie der nächsten Gemeindeversammlung vom 17. Juni zur Abstimmung vorgelegt. Der Initiativtext lautet: «Für die Kinder- und Jugendförderung im Sportbereich sollen klare und einheitliche Grundlagen geschaffen und gleichzeitig die finanzielle Unterstützung der Sportvereine erhöht werden.» Warum es eine solche Initiative braucht, erklärt Sibylle Lehner dem Zolliker Zumiker Boten: «Ich stellte fest, dass 2024 so viele Kinder und Jugendliche wie noch nie an Aktivitäten von Jugend+Sport (J+S) teilnahmen. Weil aber immer mehr Kinder Sport treiben, sinken die Beiträge pro Kind.» Sie verglich daraufhin die Sportförderung von Zollikon mit jener anderer Gemeinden und bemerkte, dass viele Nachbargemeinden Vereine nach klaren Reglementen unterstützen. «Ich fand es bedauernswert, dass wir in Zollikon kein solches haben.»

Nachgefragt bei der Gemeinde Zollikon: Stimmt das – gibt es kein Förderprogramm für Kinder und Jugendliche? Die stellvertretende Gemeindeschreiberin Claudia Valler bestätigt: «Das stimmt. Wir haben bislang rund 65 000 Franken pro Jahr für die Vereinsförderung im Sport ausgegeben, aber ohne Reglement. Andere Gemeinden haben klare Reglemente, die zum Beispiel besagen: ‹Pro Junior in einem Verein gibt es so und so viele Franken›.»
Sibylle Lehner wünscht sich mehr Transparenz: «Die Gelder sollen fair ausgerichtet und wirklich für die Kinder verwendet werden. Ein Verein soll sich nicht damit vergolden und teures Mobiliar kaufen, sondern das Geld soll direkt den Kindern zugutekommen. Unabhängig von ihrem sozialen Hintergrund sollen alle an sportlichen Aktivitäten teilnehmen können; das lässt sich sehr gut in einem Reglement festhalten.» Dabei gehe es ihr nicht darum, einzelne Vereine zu bevorzugen: «Wichtig ist, dass die Förderung breit ausgerichtet ist. Es gibt die paar bekannten Vereine, die haben Geld – und andere fallen durch die Maschen.» Zum Beispiel solle auch ein Bogenschützenverein mit acht Mitgliedern Unterstützung erhalten und nicht immer bloss die gleichen drei grössten Vereine. «Jedes Kind soll in dem Sport unterstützt werden, den es lässig findet.» Sibylle Lehner, die im März als SVP-Kandidatin für die Baubehörde antritt, betont: «Ich habe die Initiative alleine eingereicht, völlig unabhängig von der SVP. Hier geht es nicht um ein Parteianliegen, sondern um die Förderung der Zolliker Kinder.» Sie selbst ist in Erlenbach aufgewachsen, zog 2020 mit ihrem Mann nach Zollikon und gründete hier ihre Familie. «Mein Mann ist Ur-Zolliker, schon seine Eltern wohnten hier.»
Zu der Frage, welche Vereine Zollikon aktuell unterstützt, sagt Claudia Valler: «Bisher haben wir ausschliesslich ortsansässige Vereine unterstützt. Dazu gibt es Beschlüsse, die weit zurückreichen. Es gab sie schon, als ich vor 26 Jahren zur Gemeinde stiess, und sie wurden seither nie geändert.» Festgelegt sei unter anderem, welcher Verein wie viel Geld erhält. Zudem regeln separate Vereinbarungen, welche Vereine gemeindeeigene Infrastrukturen kostenlos nutzen dürfen, etwa der SC Zollikon den Sportplatz Riet, der Schwimmclub das Fohrbach oder die Turnvereine die Turnhallen. «Der Betrag von rund 65 000 Franken ist seit etwa 30 Jahren unverändert, es gab auch nie einen Teuerungsausgleich.» Eine Ausnahme bildet der Schwimmklub, der während der Totalsanierung des Schwimmbads Fohrbach zusätzlich mit 20 000 Franken unterstützt wird, weil er auf auswärtige Anlagen ausweichen muss.
Ursprünglich sah die Einzelinitiative einen wiederkehrenden Rahmenkredit von maximal 100 000 Franken pro Jahr zu Lasten der Erfolgsrechnung von 2026 bis 2030 vor. Nachdem Sibylle Lehner Rücksprache mit der Gemeinde gehalten hatte, entfernte sie diesen Passus. Claudia Valler erklärt: «In welchem Umfang ein solcher Kredit gesprochen werden soll, werden wir sinnvollerweise erst im Reglement festhalten. So könnte es zum Beispiel heissen: ‹Pro Junior zahlen wir 150 oder 200 Franken›. Das ist flexibler. Den Stimmberechtigten muss aber bewusst sein, dass die Ausgaben steigen, je mehr Junioren in der Gemeinde Sport treiben.» Das Reglement soll zudem klar definieren, welche Vereine beitragsberechtigt sind. «Warum sollten zum Beispiel nur die Vereine in der Nähe Beiträge erhalten? Warum nicht auch die Seglervereinigung Erlenbach, wenn ein Kind aus Zollikon dort Kurse besucht?» Solche Fragen müssten geklärt werden. Sie betont, dass es an der Zeit sei, in diesem Bereich aktiv zu werden. Bereits vor Einreichung der Initiative sei sich der Gemeinderat einig gewesen, dass bei der Förderung der Kinder und Jugendlichen Handlungsbedarf bestehe. Falls die Gemeindeversammlung am 17. Juni der Initiative von Sibylle Lehner zustimmt, hat der Gemeinderat 18 Monate Zeit, ein konkretes Reglement auszuarbeiten; dieses wird anschliessend ebenfalls der Gemeindeversammlung vorgelegt.

Im Gegensatz zu Zollikon verfügt Zumikon seit Langem über ein «Reglement über die Kinder- und Jugendförderung in Sportvereinen» (KJFR). Die Gemeinde erweist sich im Vergleich mit Zollikon zudem als grosszügiger: Obwohl Zumikon mit 5739 Einwohnerinnen und Einwohnern (Stand Dezember 2024) weniger als halb so gross ist wie Zollikon mit 13 584, beläuft sich der Rahmenkredit im Budget seit Mai 2013 auf jährlich 100 000 Franken. Seit 2023 und bis 2027 wurde dieser Betrag gar auf 120 000 Franken erhöht. Thomas Kauflin, Gemeindeschreiber von Zumikon, erklärt: «Die Förderung und Unterstützung der sportlichen Aktivitäten von Kindern und Jugendlichen ist dem Gemeinderat ein grosses Anliegen.» Sein Ziel war es von Anbeginn, einen Betrag von 200 Franken pro Jugendlichem und Jahr auszurichten. «2022 zeigte sich jedoch, dass der Rahmenkredit bereits wieder zu klein war. Bei inzwischen 585 gemeldeten Jugendlichen konnte nur noch ein Betrag von 170.94 Franken pro Jugendlichem ausbezahlt werden. So wurde der Kredit an der Gemeindeversammlung im November 2023 auf Antrag des Gemeinderats nicht nur verlängert, sondern auch auf 120 000 Franken erhöht; dieser Beschluss hat Gültigkeit bis 2027.»
Konkret wurden 2025 in Zumikon für 487 Jugendliche in acht Vereinen insgesamt 97 400 Franken ausbezahlt. Das siebenseitige Reglement der Gemeinde definiert, welche J+S-Sportarten beitragsberechtigt sind. Die Liste reicht von Aikido über American Football bis zu Wasserball und Windsurfen. Und Wilhelm Tell hätte seine Freude: Auch das Armbrustschiessen gehört dazu. Der nächste Armbrustschützenverein befindet sich in Zollikon. Gut, definiert das Reglement, dass auch Vereine in Nachbargemeinden berücksichtigt werden können, sofern es in Zumikon selbst kein entsprechendes Angebot gibt. Gerade erst hat der Gemeinderat in seiner Sitzung vom 19. Januar die Definition «Nachbargemeinden» präzisiert: Profitieren können nur direkt an Zumikon grenzende Gemeinden: Küsnacht, Zollikon und Maur. Und Wilhelm und Hedwig Tell sollten noch husch, husch ein paar Walters und Walfriedes zur Welt bringen, denn gemäss dem Reglement muss ein Verein mindestens 15 jugendliche Mitglieder zählen, damit er von Zumikon gefördert werden kann.
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