«Die Jugendfeuerwehr ist für mich mehr als nur ein Hobby»

Von Martina Gradmann ‒ 20. Februar 2026

Der Zolliker Remo Kaufmann engagiert sich als Leiter und stellvertretender Kommandant der Jugendfeuerwehr des Bezirks Meilen – und als Hauswart im Gemeindehaus. Einen Grossteil seiner Freizeit verbringt er in der Feuerwehr.

Er möchte etwas Sinnvolles für das Dorf und die Gemeinschaft tun: Der Zolliker Remo Kaufmann leitet als stellvertretender Kommandant die Jugendfeuerwehr Zollikon. (Bild: mag)
Er möchte etwas Sinnvolles für das Dorf und die Gemeinschaft tun: Der Zolliker Remo Kaufmann leitet als stellvertretender Kommandant die Jugendfeuerwehr Zollikon. (Bild: mag)

Für das Gespräch hat er sich die Jacke mit dem Logo der Feuerwehr angezogen, auch darunter verbirgt sich ein Pullover mit demselben Logo. In der «Höhli», dem Vereinslokal der Feuerwehr Zollikon, erzählt Remo Kaufmann von seinem Engagement als stellvertretender Kommandant der Jugendfeuerwehr Bezirk Meilen. «In diese kann man ab dem 13. Lebensjahr eintreten; mit 18 Jahren folgt dann der Übertritt in die Feuerwehr.» Er ist diesen Weg gegangen, was auch damit zu tun hatte, dass schon der Vater Materialwart bei der Feuerwehr war. Das Leben des 36-Jährigen ist stark geprägt durch die Feuerwehr. Er startete 2004, damals 14-jährig, in der Jugendfeuerwehr, wurde 2017 Leiter und 2024 stellvertretender Kommandant. «Wir machen etwas Sinnvolles für das Dorf, die Gemeinschaft. Wir möchten Jugendlichen etwas beibringen und sie motivieren, sich für eine gute Sache einzusetzen.»

Immer mehr Mädchen ­engagieren sich

Sieben Mädchen und zwölf Jungs engagieren sich in dieser Jugendfeuerwehr – und was den Leiter ­besonders freut: Immer mehr Mädchen interessieren sich für die vielfältigen Aufgaben der Feuerwehr. «Wir ermutigen sie natürlich, an ihrer Schule Werbung zu machen und Jugendliche für die Feuerwehr zu gewinnen», schmunzelt er. Heute geht es längst nicht mehr nur um die Löschung von Bränden, sondern auch um Leitungsbau, Öl- und Chemieunfälle, Atemschutz, Transporthilfe und vieles mehr. Die Jugendlichen trainieren zum Beispiel den richtigen Umgang mit Funkgeräten, das Binden verschiedener Knoten und den Einsatz der grossen Feuerwehrleiter. Auch für den kantonalen Jugendfeuerwehr-Wettkampf werden die jungen Frauen und Männer vorbereitet. «Dieser findet dieses Jahr voraussichtlich am 29. August statt, und darauf wollen wir natürlich vorbereitet sein», betont Remo Kaufmann. Die Jugendfeuerwehr ist auch präsent an den Blaulicht-Tagen und den Tagen der offenen Türen der Milizfeuerwehren des Bezirks Meilen. Diese stellen die Arbeit von Rettungskräften der Öffentlichkeit vor, sensibilisieren für Sicherheitsthemen und suchen Nachwuchs zu gewinnen. «In die Jugendfeuerwehr kommen oft Kinder von Feuerwehrleuten, was in ländlichen Gebieten viel häufiger der Fall ist als in den Seegemeinden.»

Wenn Remo Kaufmann nicht seine Leitungsfunktion bei der Jugendfeuerwehr wahrnimmt, arbeitet er als Hauswart im Gemeindehaus. Da dieses nah beim Feuerwehrdepot steht, sei er bei einem Einsatz meist als einer der ersten auf dem Platz. Als Korporal hat er schon einiges erlebt, etwa den Dachstockbrand vor einigen Jahren an der Seestrasse, der mehr als vierzehn Stunden gedauert habe. «Das war ein Grossereignis, das einem in Erinnerung bleibt.»

Tiere retten, Verletzte bergen

Er hat auch schon einen Hund gerettet, der in einen vereisten Tümpel gefallen war, und brach dabei selbst durchs Eis ins kalte Wasser ein. «Ich spürte meine Füsse ziemlich lang nicht mehr, doch zum Glück hat sich das wieder normalisiert.» Auch Katzen rettet die Feuerwehr von Bäumen oder hilft mit Tragen beim Transport von Verletzten. Die Aufgaben sind vielfältig und die Handgriffe müssen sitzen. Nicht zuletzt deshalb wird mehrmals jährlich geübt, auch mit den Jugendlichen. Für diese steht am 25. Februar in Oetwil am See zum Thema «Materialkunde ab Tanklöschfahrzeug und Funk» die erste Übung in diesem Jahr an. Fünf Leiter betreuen dabei die 19 Jugendlichen, darunter Kommandant Yves Andres, Stellvertreter Remo Kaufmann und die Leiter Dominik Emmenegger, Bruna De Araújo und Severin Hauser. «Die Jugendfeuerwehr ist ein wild zusammengewürfelter Haufen», lacht Remo Kaufmann, da brauche es auch hin und wieder ein mahnendes Wort. Doch wenn auch ab und zu Witze gemacht werden, sei eigentlich allen klar, dass man den Kopf bei der Sache haben müsse. Er ist selbst noch jung, und man kann sich gut vorstellen, dass er einen lockeren Umgang mit den Jugendlichen pflegt, sich aber auch Respekt zu verschaffen weiss.

Schlimme Ereignisse wie in Crans-Montana hat er zum Glück nie erlebt. Wie «seine» Jugendlichen darauf reagiert haben, wird er wohl an der ersten Übung erfahren. Als Feuerwehrmann sei man immer wieder mit schwierigen Situationen konfrontiert. Das könne ein Autounfall sein oder auch ein medizinischer Notfall zu Hause, bei dem man den Sanitätern Hilfe leisten müsse. «Es kommt hin und wieder vor, dass wir einen Patienten mit der Autodrehleiter aus dem Haus bergen müssen», erzählt Remo Kaufmann. Aber auch Ölspuren oder Wasser in Gebäuden kommen häufig vor.

In Zollikon aufgewachsen und zur Schule gegangen, später kurz im Zollikerberg wohnhaft, bedeutet die Gemeinde für ihn Heimat. Er wohnt gerne hier, spielt Faustball und ist Mitglied der Männerriege. Und klar, Mitglied im Feuerwehrverein und als technischer Verantwortlicher in der selbstständigen Zweigsektion IG-Saurer, welche die Feuerwehr-Oldtimer pflegt und mit ihnen Ausfahrten macht. Für die Feuerwehr und Jugendfeuerwehr jedenfalls nimmt Remo Kaufmann gerne auch einen Sonntags-Pikettdienst in Kauf.

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