Von Joachim Lienert ‒ 20. Februar 2026

Welche Legislaturziele hat der Gemeinderat erreicht? Bei welchen Zielen sehen die Parteien Verbesserungspotenzial? Was wünschen sie sich für die kommende Legislaturperiode? Und wie würden sie die Arbeit des Gemeinderats beurteilen? Wir haben die Ortsparteien befragt und publizieren ihre eigenen Einschätzungen.

Franziska Steiner, Präsidentin: Beim Gedanken an die letzte Legislaturperiode kommen uns verschiedene Skandale (Schulpflege, Bauprojekte) und die extreme Langsamkeit bei der Umsetzung neuer Projekte in den Sinn. Auch wenn punktuell einzelne Projekte gut vorankamen (Velorouten), scheint der Gemeinderat oft bloss zu verwalten. Wir wünschen uns, dass er sich intensiv damit befasst, wie er ein attraktiver Arbeitgeber wird und gut qualifizierte Verwaltungsangestellte anzieht. Auch scheint der Gemeinderat erkannt zu haben, dass seine Kommunikation mit der Bevölkerung nicht die beste ist. Die Dialogabende und das Einbinden aller Akteure (Deponie) in die Projekte sind gute Verbesserungen. Eine völlig neu zusammengesetzte Schulbehörde wird hoffentlich eine bessere Zusammenarbeit hervorbringen.
Das Legislaturziel «Nachhaltiges Zollikon» sticht hervor. Das Fernwärmenetz, der Solaranlagenausbau, Rabatten, die für mehr Biodiversität sorgen, oder Schweine, die im Zollikerwald gegen Neophyten eingesetzt werden, sind Beispiele für die gelungene Zielerreichung. Auch die Digitalisierung der Gemeinde kam gut voran. Die Ortskernentwicklung muss zügig vorangetrieben werden. Wir begrüssen, dass der Gemeinderat den Schwerpunkt auf den Zollikerberg gelegt hat, als klar wurde, dass nicht beide Ortskerne gleichzeitig entwickelt werden können. Wir hoffen, dass in der kommenden Legislaturperiode diese Projekte abgeschlossen werden. Der Gemeinderat muss sich stärker um zahlbaren Wohnraum kümmern. Unsere Gemeinde funktioniert nur, wenn ein breiter Mix aus verschiedenen Menschen hier wohnen kann, die sich auch ins Dorfleben einbringen. Zollikon soll nicht zu einem gesichtslosen Vorort mit tiefem Steuersatz für Gutbetuchte werden. Dies sollte sich in der Liegenschaftsstrategie widerspiegeln, etwa im Verzicht, gemeindeeigene Grundstücke zu veräussern. Unsere Nachbargemeinde Küsnacht und ihre Liegenschaftsstrategie darf hier gerne Vorbild sein.

Nicole Waechter, Präsidentin: Bei den erreichten Zielen sind die Fortschritte in Nachhaltigkeit und Digitalisierung hervorzuheben, die eine klare grünliberale Handschrift tragen. Der Ausbau von PV-Anlagen wurde massiv gepusht und die Fernwärme aufgegleist. Bei der Digitalisierung wurden mit «eBau», einer ersten KI-Lösung sowie der neuen Website Meilensteine gesetzt. Ein grosser Erfolg war die erste BZO-Revision seit 30 Jahren. Breit abgestützter Widerstand und über 700 Einwendungen konnten die Deponie Brunnenwisen zwar vorerst nicht verhindern, aber mit dem Verweis auf Rote-Liste-Arten den Preis dafür massiv in die Höhe schrauben. Die Bauabteilung wurde nach einer schwierigen Phase erfolgreich neu aufgestellt. Aus schulischer Sicht waren das Engagement für das neue Betreuungshaus, das Projekt Klimaschule und der Kunstrasen Riet zentral.
Handlungsbedarf sehen wir beim ÖV. Der Ärger um den Bus 910 muss gelöst werden; wir fordern den direkten Tiefenbrunnen-Anschluss zurück. Bei der Schule gab es im Rüterwis einen enormen «Braindrain». Das Vertrauen muss durch eine fundierte Schul- und Unterrichtsentwicklung und bessere Kommunikation neu aufgebaut werden. Bei der Ortsentwicklung im Zentrum wurde die Chance nicht genutzt, im Berg immerhin die Planung aufgesetzt. Für die kommende Legislaturperiode wünschen wir ein ganzheitliches Verkehrskonzept. Wir fordern eine echte Vision für die Forchstrasse, (als Beispiele: Trambetrieb FB, Verlängerung der Linien 4 oder 5 bis Zollikerberg, Autounterführung Rosengarten mit Abzweigung Binzstrasse) und Verbesserung der Schul- und Velowegsicherheit. Für Jugendliche braucht es einen festen Treffpunkt im Zollikerberg, bei der Schule eine Verbesserung der Evaluation, Führung und Mitarbeiterattraktivität sowie eine strategische Schulraumplanung. Es braucht mehr Mut bei grossen Infrastrukturprojekten und eine Fokussierung auf die Qualität und Führung unserer Schule.

Jürgen Schütt, Präsident: Wir sehen Verbesserungspotenzial bei Seeufer, Beugi, Entwicklung Dorfzentrum sowie der Reaktivierung der Buslinie 910. Der Heinrich Ernst Fonds (HEF) stockt – eine kreative Lösung, indem die Gemeinde die Liegenschaft übernimmt, wäre sinnvoll.
Bei erneuerbaren Energien sollen für Private Anreize zur Erreichung des Netto-Null-Ziels geschaffen werden, da ist nichts passiert. Unter Einbezug der Netzanstalt und Werke am Zürichsee könnte sicherlich einiges erreicht werden. Wir hoffen, dass sich dem Wärmeverbund ausreichend Private anschliessen, damit die Kapazität voll genutzt werden kann. Bei der Schnittstelle Gemeindeverwaltung / Schule / Schulverwaltung ist die Vereinheitlichung der digitalen Systeme noch nicht geglückt. Die Prozesse der Bauvorhaben sind schwierig. Die Umsetzung des Legislaturziels «Förderung der Biodiversität» findet eher im Verborgenen statt und ist nicht sofort sichtbar, aber wertvoll. Die Schnellzüge der Forchbahn, die morgens und abends ohne Halt am Zollikerberg vorbeifahren und nur schwach besetzt sind, könnten zum Nutzen von deutlich mehr Fahrgästen eingesetzt werden.
Nach vier Jahren RGPK müsste man überprüfen, ob dieses Instrument den erhofften Gewinn für die Gemeinde bringt. Das neu eingeführte «G» (die Geschäftsprüfung) führte zu Abgrenzungsproblemen in Kompetenz und Verantwortung. Zudem hat die RGPK ausser ihren eigenen, in der Regel voll berufstätigen Mitgliedern keinerlei personelle Ressourcen. Auch an eigenen finanziellen Ressourcen fehlt es ihr. Nachdem der Spielplatz Hasenbart 2024 sehr schön neu gestaltet wurde, scheint sich hinsichtlich der Spielplätze nicht mehr viel getan zu haben. Es wäre wünschenswert, mehr zu tun.
Die Umfrage zum Wohnen im Alter im Frühjahr 2024 traf einen Nerv. Was ist inzwischen passiert, was läuft im Hintergrund? Ein Informationsfluss wäre wichtig. Im Grossen und Ganzen macht der Gemeinderat einen guten Job. Die Legislaturziele waren umfangreich – dass davon nicht alles umgesetzt werden konnte, ist naheliegend.

Felix Heer, Präsident: Der Gemeinderat hat wichtige Projekte angestossen. Mit dem Ausbau von Photovoltaikanlagen und dem Aufbau des Fernwärmeverbunds wurden nachhaltige Lösungen umgesetzt. Gleichzeitig wurde der Investitionsstau reduziert, etwa mit der laufenden Sanierung des Fohrbachs und der Erneuerung der Sportanlage Buechholz. Die Realisierung des Betreuungshauses Rüterwis stellt ein Betreuungsangebot für Familien sicher. Auch bei der Ortskernentwicklung im Zollikerberg konnte nach Jahren des Stillstands ein strukturierter Prozess gestartet werden. Zudem wurden wichtige planerische Grundlagen geschaffen, etwa mit dem Velokonzept. Handlungsbedarf besteht bei der Verkehrsführung und der Entlastung der Forchstrasse. Hier muss sich die Gemeinde konsequent gegenüber dem Kanton einbringen. Ebenso zentral ist eine effiziente Gemeindeverwaltung. Eine hohe Servicequalität für die Bevölkerung, klare Zuständigkeiten und eine professionelle Planung, insbesondere bei den Liegenschaften und IT in Zusammenarbeit mit der Schule, sind entscheidend.
In der kommenden Legislatur müssen die begonnenen Projekte zu Ergebnissen geführt werden, insbesondere bei der Ortskernentwicklung (Zollikerberg und Zollikon Dorf, Beugi), bei Infrastruktur und Liegenschaften. Ebenso sind Fortschritte bei der Verkehrsführung notwendig, ergänzt durch Verbesserungen für den Veloverkehr im Rahmen ohnehin geplanter Strassenprojekte. Der Gemeinderat hat zentrale Projekte aufgegleist, die für die langfristige Entwicklung Zollikons entscheidend sind. Es gilt, den eingeschlagenen lösungsorientierten Weg weiterzugehen, mit Fokus auf konkrete Resultate, gesunde Finanzen und eine starke Gemeinde.

Bernhard Ecklin, Präsident: Erfüllt hat die Gemeinde das Projekt «Installation der Photovoltaikanlagen». Nicht bei den Zielen gibt es Verbesserungspotenzial, sondern bei Planung, Massnahmen und Umsetzungsgrad derselben. Wir wünschen uns endlich wieder eine lebendige politische Streitkultur in den Behörden unter Einbezug aller politischen Strömungen, die Zollikon vorwärtsbringt. Der Gemeinderat versteht trotz persönlichem Engagement seine Verantwortung zu wenig ganzheitlich. Er führt mit «beschränkter Haftung». Er ist fälschlicherweise der Ansicht, sein Auftrag sei rein «strategischer» Natur.
Die Unterstützung der Verwaltung durch klare Zielvorgaben und Kontrolle ist ungenügend. Dieses bedenkliche Selbstverständnis ist der Hauptgrund für den Stillstand in vielen Bereichen und zum Teil ausser Rand und Band geratener Grossprojekte, wie dem Fohrbach, bei dem man nicht nur Expertise, sondern auch Verantwortung auslagern zu können glaubt. Der Gemeinderat beklagt sich gerne über die angeblich gestiegenen Anforderungen an Amtsträger und hat dabei vergessen, was den Kern unseres Milizsystems ausmacht. Ausbleibende Knochenarbeit an Projekten, die dem Souverän in Varianten zum Entscheid vorzulegen wären, wird ersetzt durch immer neue «Ideen», euphemistisch als «Grundlagen» geadelt, die in süffigen, aber sterilen Formaten wie den sogenannten Dialogabenden zelebriert werden und damit vor allem alte Ziele und Beschlüsse vernebeln. Fazit: Weniger versprechen, mehr anpacken und umsetzen – das wäre besser.
Die Befragung der Parteien zeigt: Der Themen sind viele, der Strauss an Wünschen und Ideen bleibt gross. Und so können auch die neu zu wählenden Behörden aus den Beurteilungen der sich zu Ende neigenden Legislatur einiges herauspicken, was sie in der kommenden Legislatur 2026 bis 2030 beschäftigen dürfte.
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