Von Dominique Pierre Lüthi ‒ 20. Februar 2026

Kurz vor acht Uhr: Mit einem grossen Rucksack auf dem Rücken, eingepackt in eine dicke Winterjacke, geht ein Kind eine Strasse entlang. Es bleibt stehen und schaut sich um. Wo gestern der Weg noch frei war, stehen heute Abschrankungen. Dahinter ein Bagger, daneben ein Mann mit Helm. Der Schulweg führt an diesem Morgen mitten durch eine Baustelle.
Solche Situationen gehören in Zollikon derzeit für viele Kinder zum Alltag. Damit künftig klimafreundlich geheizt werden kann, wird gebaut – und zwar intensiv. Der Ausbau des Fernwärmenetzes bringt Herausforderungen mit sich. Seit Mai 2025 wird im Dorfzentrum gearbeitet, voraussichtlich noch bis 2028. Das sorgt bei Eltern für Unbehagen, die ihre Kinder jeden Morgen allein zur Schule schicken.
Die Erziehungsberechtigten berichten von eingeschränkter Sicht, Umleitungen und Situationen, die sich von Woche zu Woche verändern. Der gewohnte Schulweg der Kinder wirkt plötzlich nicht mehr sicher. Verantwortlich für den Ausbau des Fernwärmenetzes ist die Werke am Zürichsee AG. Dort gingen in den letzten Wochen vermehrt Rückmeldungen von Eltern ein, die auf die als unübersichtlich und unsicher empfundene Situationen entlang der Schulwege hinweisen. «Die Baufirmen wurden bereits bei den ersten Besprechungen vor Baustart auf die heiklen Situationen hingewiesen. Das Thema Sicherheit wird an jeder Bausitzung thematisiert», erklärt Adrian Sägesser, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Werke am Zürichsee AG. Entsprechend stehe auch der Schulweg bei den Bauarbeiten im Fokus. Um Risiken gering zu halten, werde die Fussgängerführung gezielt angepasst. «Wir weisen anfragende Personen auch immer wieder darauf hin, dass sie vor allem mit Kindern die Baustellen, wenn immer möglich, grossräumig umgehen sollen», sagt Adrian Sägesser. Gleichzeitig räumt er ein, dass die Situation derzeit anspruchsvoll sei: «Durch die Vielzahl der Baustellen muss diesem Umstand noch etwas mehr Rechnung getragen werden.» Entsprechend werden die Baustellen regelmässig kontrolliert, die Verkehrsführung laufend überprüft und bei Bedarf im Rahmen der Bausitzungen angepasst.
Auch die Polizei ist in die Beurteilung der Schulwegsituation eingebunden. Sie erachtet die betroffenen Wege grundsätzlich als sicher, betont aber, dass Baustellen erhöhte Aufmerksamkeit erfordern. «Temporäre Baustellen stellen zwar eine zusätzliche Herausforderung dar, fördern aber auch das Gefahrenbewusstsein und die Selbstständigkeit der Kinder», sagt Peter Zimmermann, Polizeichef der Polizei Zollikon. Deshalb bleibt es nicht nur bei der Theorie. Um Eltern und Kinder zu unterstützen, ist die Polizei auch direkt vor Ort präsent. «Mit einigen Eltern haben wir herausfordernde Übergänge gemeinsam begangen, auf korrektes Verhalten hingewiesen und nach Alternativrouten gesucht. Nach den Sportferien werden wir im Rahmen unserer personellen Möglichkeiten punktuell Präsenz auf dem Schulweg zeigen», erklärt Peter Zimmermann. Diese Begleitungen helfen, Unsicherheiten abzubauen. «Viele Eltern sind beruhigt, wenn sie sehen, was konkret für die Sicherheit der Kinder unternommen wird.» Trotz der zahlreichen Baustellen kam es bislang zu keinen Vorfällen. Peter Zimmermann appelliert deshalb auch an die Eltern: «Wichtig ist, dass sich die Kinder an die vereinbarten Schulwege halten.» Empfohlen wird, den Schulweg gemeinsam mit den Kindern zu begehen und mögliche Gefahren frühzeitig zu thematisieren.
«Die Polizei ist bei jeder Baustelle immer einbezogen. Die Schulleitung wird vor allem bei Baustellen im Bereich von Schulen und Kindergärten mit einbezogen», sagt Adrian Sägesser. Die Schulleitung wird vor Beginn der Arbeiten durch die Projektleitung oder die Bauabteilung der Gemeinde informiert. Bei sensiblen Standorten findet zudem eine gemeinsame Begehung statt. Für die eigentliche Schulwegsicherheit ist die Schule zwar nicht zuständig, doch Hinweise aus dem Schulalltag fliessen in die Planung ein. Beobachtungen zu typischen Verhaltensweisen von Kindern können zusätzliche Hinweise liefern und helfen, die Baustellensicherung gezielt anzupassen. Rückmeldungen aus der Elternschaft zeigen den Schulen auf, wo derzeit Unsicherheiten wahrgenommen werden. Da jede Baustelle den Schulweg verändert, werden mit den Baustellenbetreibern gezielte Absprachen getroffen. «Zu den üblichen Schulwegzeiten sollen möglichst keine Baustellenfahrzeuge bei Strassenübergängen im Einsatz sein», erklärt Urs Rechsteiner, Leiter Bildung der Schule Zollikon. Doch nicht jede kurzfristige Tagesbaustelle lässt sich ankündigen. Bei grösseren Projekten informieren Gemeinde oder Kanton die Bevölkerung. «Dort wo es die Situation aus Sicht der Projektleitung, der Polizei und der Schule erfordert, informiert die Schule zusätzlich die Eltern», sagt Urs Rechsteiner.
Urs Rechsteiner rät, Kinder vor dem Schulweg auf erhöhte Vorsicht rund um Baustellen hinzuweisen. Besonders bei Kindergartenkindern sei das gemeinsame Üben des Schulweges wichtig. Zudem erinnert er daran, Kinder wegen der Baustellen nicht mit dem Auto zur Schule zu bringen. «Gerade bei den sogenannten Elterntaxis entstehen täglich gefährliche Situationen, auch ganz ohne Baustellen.»
Bis der Ausbau des Fernwärmenetzes abgeschlossen ist, werden Baustellen den Alltag in Zollikon noch eine Weile begleiten. Der Schulweg bleibt dabei ein sensibler Ort. Er verlangt Aufmerksamkeit, Zusammenarbeit und Vertrauen. Vertrauen darauf, dass aus vielen kleinen Massnahmen ein sicherer Weg entsteht.
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