Die Mitte, die fast vergessen ging

Von Joachim Lienert ‒ 27. Februar 2026

Die EVP Zollikon ist klein. So klein, dass sie im Trubel der Wahlkampfberichterstattung unterging. Fast. Ein Nachtrag zur Beurteilung der Legislatur durch Zolliker Ortsparteien (ZoZuBo 8/2026).

Sieht sich als Brückenbauer ­zwischen den Parteilagern: Felix Wirz, Präsident der EVP Zollikon. (Bild: zvg)
Sieht sich als Brückenbauer ­zwischen den Parteilagern: Felix Wirz, Präsident der EVP Zollikon. (Bild: zvg)

Die Zahl der Mitglieder der EVP ist überschaubar: Zehn sind es, dazu kommen einige Sympathisanten. Dennoch habe die 60-jährige Ortspartei ihre Berechtigung, findet Präsident Felix Wirz. Er verweist auf konkrete Erfolge an Gemeindeversammlungen, zum Beispiel die Freihaltezone in der Unterhueb, die die EVP eingefädelt habe. Zudem betont er: «Wir sind die einzige Partei, die ziemlich genau in der Mitte angesiedelt ist.» Ein Ansporn für ihn: «Als Präsident sehe ich es als meine Aufgabe an, mit den verschiedenen politischen Lagern mehrheitsfähige Lösungen zu suchen. Ich habe einen sehr guten Draht zu den Parteien links von uns, aber auch zu den meisten Parteien rechts von uns – bis hin zur SVP.»

Keine eigenen Kandidaten

Seine Partei stellt für die Behördenwahlen vom 8. März keine eigenen Kandidaten. Sie habe schon früh beschlossen, solche aus anderen Parteien und Parteilose zu unterstützen, «bei der Schulpflege beispielsweise Rui Biagini und Nicole Waechter von der GLP, Sabine Knüsli vom Forum 5W, Andrea ­Linter von der SVP und den Partei­losen Andy Tschopp.» Von der FDP ist niemand darunter. Warum? Er verweist auf die Schulpflege. «Dort gibt es zwei Lager. Die einen wollen so weitermachen wie bisher. Das andere Lager möchte einen ­Systemwechsel herbeiführen.» Die EVP vertrete Letzteres. «Es ist schlecht gelaufen in den letzten vier Jahren. In der Schulpflege muss sich einiges ändern.» Natürlich gingen die Meinungen wegen der Situation im Schulhaus Rüterwis auseinander. «Aber ich war dort eng dabei. Rui Biagini war der Einzige, der sagte: Es läuft schief, wir müssen hinschauen, nicht wegschauen.» Die übrigen Schulpflegemitglieder hätten gefunden, dies sei nicht nötig. «Das Desaster sahen wir am Schluss alle. Wie es in der Schulpflege weitergeht, hängt davon ab, wer gewählt und wer Präsident wird.»

Lob für die Finanzen, Schelte für die Liegenschaften

Als positiv in dieser Legislatur bewertet er die Finanzpolitik: «Insbesondere Sylvie Sieger (FDP, die Red.) muss man ein Lob aussprechen.» Kritischer beurteilt er die Bauprojekte mit Budgetüberschreitungen. «Auffallend oft gingen bei der Planung zentrale Elemente vergessen, etwa bei der Heizung im Rüterwis oder der Entwässerung der Sportanlage Buechholz. Patrick ­Dümmler hat nicht wahnsinnig berauscht mit dem Leistungsausweis seines Liegenschaftenressorts.» Für die kommende Legislatur wünscht sich Felix Wirz mehr Transparenz, offenere Kommunikation und mehr Mut, entschlossen zu handeln. Warum hat er selbst nicht kandidiert? Der Zollikerbergler und Inhaber eines Obstbaubetriebs in Steinmaur im Zürcher Unterland sagt: «Jetzt nicht, aber ich bin 42, da kann noch viel passieren. Vielleicht reizt es mich, wenn ich älter bin.»

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