Sportbegeisterter Familienmensch

Von Lea Moser ‒ 27. Februar 2026

Die Journalistin Fabienne ­Sennhauser präsidiert den Zürcher Presseverein und als Co-Präsidentin den Berufsverband «impressum». Sie lebt nach dem Motto: «Wer aufhört, besser sein zu wollen, hat aufgehört, gut zu sein.»

Hat Fabienne Sennhauser ein paar Stunden freie Zeit, setzt sie sich in ein Café und liest ein Buch. (Bild: lmo)
Hat Fabienne Sennhauser ein paar Stunden freie Zeit, setzt sie sich in ein Café und liest ein Buch. (Bild: lmo)

«Kaffee mit Milch ist mein Lebenselixier», gesteht Fabienne Sennhauser – und stellt ihre Tasse auf den Tisch. «Das ist mein fünfter Kaffee heute; ich brauche täglich mindestens drei, sonst bekomme ich Kopfweh.» Kein Wunder bei dem straffen Wochenplan. Jeden Abend Programm, zuhause ist sie fast nie. Nebst dem Vollzeitpensum als Redaktorin beim Tages-Anzeiger präsidiert sie den Zürcher Presseverein (ZPV) und ist auch Co-Präsidentin von «impressum», dem grössten Berufsverband für Medienschaffende in der Schweiz und Lichtenstein. «Ich bin froh, dass Caroline Gebhard aus der Romandie und ich uns diese Arbeit aufteilen können», erzählt die 33-Jährige. Beide seien für das Amt angefragt worden und hätten in Anbetracht des Aufwands zuerst dankend abgelehnt. Zu zweit ergänzen sie sich perfekt: «Am Tag der Wahl sahen wir uns zum ersten Mal und waren uns sofort sympathisch.» Ein Glücksfall. «An den Vorstandssitzungen übersetze ich jeweils für die Deutschschweizer.» Fabienne Sennhauser liebt Französisch und liest gern Bücher in der zweiten Landessprache. Sie ist fasziniert von den Unterschieden unserer Sprachregionen. «Wir kämpfen für gute Arbeitsbedingungen. In der Romandie gehen wir dafür gemeinsam auf die Strasse. In der Deutschschweiz ist es viel schwieriger, eine Einheit zu schaffen.»

Wichtige Ehrenämter

Wie wurde sie Präsidentin des ­Zürcher Pressevereins? «Franca Siegfried, ehemalige Redaktorin des Zolliker Zumiker Boten, sprach mich am Medientisch einer Gemeindeversammlung an. Ich war damals für die Zürichsee Zeitung (ZSZ) tätig und Franca Siegfried Vorstandsmitglied des ZPVs. Sie seien auf der Suche nach jungen, dynamischen Personen, ob ich nicht Lust hätte, ‹reinzuschnuppern›.» Das war im Frühling 2022, zwei Monate später wurde sie in den ZPV-Vorstand gewählt und ein Jahr später zur Präsidentin. Der ZPV ist die grösste Sektion von «impressum», und Zürich der grösste Medienplatz unseres Landes. «Es kann gut sein, dass man mich deshalb für das impressum-Präsidium angefragt hat.»

Wurzeln im Zollikerberg

Wie bringt sie dies alles unter einen Hut? Sie lebe allein und habe keine Kinder, deshalb könne sie sich das leisten. Sie spiele auch regelmässig Curling in Küsnacht und Klarinette. Und versucht, Zeit mit ihrer Familie zu verbringen. «Meine Familie steht über allem. Wir unterstützen uns gegenseitig und haben ein sehr enges Verhältnis.» Die gemeinsamen Wochenenden mit den Eltern und der Schwester auf dem Campingplatz am Neuenburgersee sind unantastbar. Die Familie ihres ­Vaters stammt aus dem Zollikerberg, sie selbst wuchs aber in der Forch auf und wohnt seit Herbst 2018 im Zollikerberg. Sie schätzt das funktionierende Dorfleben mit vielen Vereinen, die Einkaufsmöglichkeiten, die Nähe zur Stadt und den tiefen Steuerfuss.

Hauswartin des Kindergartens

Als die 13-Jährige von der Primarschule im ländlichen Maur ins Langzeitgymnasium Rämibühl wechselte, erlebte sie einen Kulturschock. Ein junges Mädchen in der grossen, hektischen Stadt. Nach der Matura studierte sie Kulturwissenschaften und Soziologie. «Ich pendelte jeden Tag von der Forch an die Uni Luzern, da ich mein Geld als Hauswartin des Kindergartens ‹Witellikon›, unterhalb vom Fohrbach, verdiente.» Ein gut bezahlter, flexibler Nebenjob, der sich perfekt mit dem Leben der 20-jährigen Studentin vereinbaren liess. Obwohl sie bereits als Kind Sportreporterin werden wollte, fand sie erst spät den Weg in eine Redaktion. «Beni Thurnheer war mein grosses Vorbild.» Fabienne Sennhauser zählt Sportarten auf, die sie begeistern – unterbricht dann: «Es geht schneller, jene zu nennen, die mich nicht interessieren.» Zum Reitsport und Golf habe sie den ­Zugang noch nicht so richtig gefunden, sagt sie lachend. Ihre ganze Familie sei sportbegeistert, im Fussball und Eishockey jedoch alle von unterschiedlichen Teams. «Mein grösster Traum ist es, einmal die Olympischen Spiele in der Schweiz live zu kommentieren.» Sie sei die geborene Sport­reporterin, es habe sich bisher nur nicht ergeben …

Steile Karriere

Dabei machte sie ihre ersten journalistischen Erfahrungen in einer Sportredaktion: Einen Sonntag im Monat war sie für den «Resultatedienst» bei der NZZ im Einsatz. Abwechslungsweise mit drei anderen Studenten hat sie die internationalen Sportresultate vom Nachmittag bis Mitternacht zusammengetragen und die Sportredaktion unterstützt. Gegen Ende des Studiums absolvierte sie ein viermonatiges Praktikum bei der Zürichsee Zeitung und wurde nahtlos angestellt. 2016 ist sie von zuhause aus- und nach Zumikon Waltikon gezogen. Mit 26 wurde sie Co-Ressortleiterin für die Ausgabe Meilen und mit 30 stellvertretende Chefredaktorin der ZSZ. «Ich bin sehr dankbar, dass man mir das ­zugetraut und mich gefördert hat. Die meisten Mitarbeitenden hatten ­einen grösseren Leistungsnachweis und waren älter als ich.» Im Frühling 2024, nach über acht Jahren bei der ZSZ, wechselte sie zum Tages-Anzeiger. «Ich schätze es, täglich neue Menschen kennen zu lernen. Als Lokaljournalistin schreibe ich über Leute, die ich am nächsten Tag wieder auf der Strasse sehe.» Dies sei faszinierend und herausfordernd zugleich. «Reaktionen – ob gut oder schlecht – sind wichtig; sie zeigen, dass man gelesen wird.» Ob es etwas gibt, dass sie viel Mut gekostet hat? Sie überlegt lange und lacht, als ihr etwas einfällt: «Der Schritt vom 125er auf den grossen Töff machte mir Angst. Ich bin meinem Vater dankbar, dass er mir Mut gemacht hat, mich zu überwinden. Jetzt teilen wir diese Leidenschaft.»

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