Von Joachim Lienert ‒ 27. Februar 2026

Welche Legislaturziele hat der Gemeinderat erreicht? Bei welchen sieht man Verbesserungspotenzial? Was wünschen sich die Parteien für die kommende Legislatur? In dieser Ausgabe kommen die Zumiker Ortsparteien zu Wort. Eine Einschätzung der SP Zumikon fehlt; die Partei reagierte auf wiederholte Anfragen nicht.
Katharina Schweizer, Präsidentin: Der Gemeinderat ist bedacht, die Bevölkerung gut zu informieren. Verbesserungspotenzial sehen wir in zwei Bereichen: Über die Entwicklung des Projekts «Wohnen im Alter – OASE» wurde nur zurückhaltend informiert. Ein Instrument für die Kommunikation der Behörde mit der Bevölkerung ist die «Übersicht Laufende Projekte in der Gemeinde Zumikon». In der Ausgabe vom 31. Dezember 2025 wurde aber nicht verständlich dargelegt, dass das Projekt am Scheitern ist. Es sind viele Fragen offen, die der ZoZuBo in seinem Artikel vom 30. Januar 2026 aufgriff. Es fehlt uns an Transparenz. Dieses Legislaturziel wurde nicht erreicht. Auch das Legislaturziel «Eine neue Asylunterkunft der Gemeinde ist in Betrieb» wurde nicht erreicht. Äussere Umstände (Rekurs bis vor das Bundesgericht) und eine polemische Politik von einer Partei trugen dazu bei. Der Gemeinderat hätte beherzter für die Sache auftreten sollen. Die Gegnerschaft der Asylunterkunft hatte mit ihren unsachlichen Argumenten zu leichtes Spiel. Vorausschauend sollte man für die nächste Behördenwahl das Ziel fassen, eine grössere Vielfalt an Parteien für die Arbeit in der Gemeinde zu motivieren. Wir wünschen uns, dass Zumikon, mit dem tiefsten Steuerfuss im Kanton Zürich, an seinem Image als solidarische Gemeinde arbeitet. 2017 wurde bei einem Steuerfuss von 85 Prozent noch eine merklich höhere Auslandshilfe gewährleistet. Jetzt soll sie nur noch 15 000 Franken betragen. Meilen, Maur und Küsnacht gehen als gute Beispiele voran. Soziales Engagement ist nicht eine Last, sondern ein Gewinn für alle. Die erwähnte Kritik soll die gute engagierte Arbeit des Gemeinderats nicht mindern. Er kümmert sich ernsthaft um einen Austausch mit der Zumiker Bevölkerung. Er kommuniziert gut und hat in der vergangenen Legislatur Wesentliches zu einer guten Infrastruktur beigetragen (Projekte Dorfplatz, Tiefgarage, Sanierung Gemeinschaftszentrum und mehr). Die Voraussetzungen für die kommende Legislatur hat er geschaffen: Die Finanzpolitik ist nachhaltig, der Steuerfuss auf ausgezeichnetem Niveau, die geplanten Investitionen können umgesetzt werden.
Caroline Funck, Vorstandsmitglied: Aus grünliberaler Sicht wurden die Ziele des Gemeinderats im Grossen und Ganzen erreicht. Dabei gilt es zu berücksichtigen, dass oft die Gemeindeversammlung oder eine Urnenabstimmung für die Erreichung der Ziele entscheidend sind, wie sich bei der Abstimmung zum Asylzentrum zeigte. Lob gebührt dem Gemeinderat für die Vorarbeiten zur Renovierung und zum Ausbau des Gemeinschaftszentrums, was die Stimmbevölkerung mit der Zustimmung zur Kreditvorlage honorierte. Nun gilt es, das Projekt zielstrebig zu realisieren. Im Vorfeld wurde von einzelnen Exponenten viel Widerstand mit wenig Substanz geleistet. Im Namen eines fairen demokratischen Prozesses wünschen wir uns, dass die Opponenten jetzt den Willen der Bevölkerung respektieren und das Projekt nicht weiter blockieren. In Bezug auf die Sanierung der Dorfgarage und die Neugestaltung des Dorfplatzes wünschen wir uns eine entschlossene Herangehensweise. Es ist eine Zumutung, dass dieses wichtige Parkierungsangebot seit über zwei Jahren massiv eingeschränkt wird. Der Gemeinderat sollte das Projekt umgehend realisieren. Die Finanzen lassen es zu, dass die Gemeinde in die Vorleistung geht, um dann mit aller Konsequenz die Kostenanteile der Miteigentümer einzutreiben. Ein Tolggen im Reinheft ist das Projekt Alterswohnen im Farlifang. Zwar ist nachvollziehbar, dass die Ressourcen des zuständigen Ressorts Gesellschaft von Themen wie Covid, Asylunterkunft und Ukraine-Flüchtlingen stark beansprucht wurden. Auch ist der Abbruch der Verhandlungen mit der Oase-Gruppe richtig. Dennoch wäre mehr Tempo unter Führung des Gemeinderats wünschenswert. Es ist sehr zu hoffen, dass die dringend benötigten Seniorenwohnungen bald realisiert werden können. Abschliessend eine Bemerkung zum Steuerfuss. Auch GLP-Wähler zahlen gerne wenig Steuern. Trotzdem fragt man sich, wie sinnvoll es war, den Steuerfuss auf 71 statt wie vom Gemeinderat beantragt auf 73 Prozent zu senken. Aus grünliberaler Sicht ist es kein Ruhmesblatt, die steuergünstigste Gemeinde in Kanton zu sein.
Christoph Born, Vorstandsmitglied: Nach dem derzeitigen Wissenstand der Mitte Zumikon hat der Gemeinderat den grössten Teil der (insgesamt 38) Legislaturziele erreicht. Vor allem bei den Finanzen wurden alle Vorgaben erfüllt: Die Gemeinde hat eine gesunde Finanzpolitik, die mittels einer rollenden Finanzplanung gesteuert wird; der Steuerfuss ist im Bezirk äusserst attraktiv, und die geplanten Investitionen können mittelfristig selbst finanziert werden. Ferner wurde die Teilrevision der Bau- und Zonenordnung vollzogen, und die Gemeinde engagiert sich mit allen möglichen Mitteln im Kampf gegen die Südanflüge und die neu geplanten Südstarts. Im Bereich «Familienfreundlichkeit» ist das bedarfsgerechte flexible Kita- und Hortangebot sichergestellt; der Neubau für das Textile und Technische Gestalten auf dem Areal des Schulhauses Juch ermöglichte es, den Raumbedarf für den Hort wieder zu decken. Gescheitert ist der Gemeinderat mit der Asylunterkunft, wobei dieses Projekt – entgegen der Parole der Mitte Zumikon – vom Souverän verworfen wurde. Dass die Ausführungsprojekte zum Dorfplatz und zur Tiefgarage nicht vorankommen, liegt nicht am Gemeinderat, sondern am Rechtsstreit unter den Miteigentümern über die Kostenverteilung. Bedauerlich ist, dass das Projekt für das Wohnen im Alter hinter dem Dorfplatz abgebrochen wurde und damit der Bedarf an Alterswohnungen in Zumikon weiterhin ungedeckt bleibt. Für die kommende Legislaturperiode wünscht sich die Mitte Zumikon, dass die dringend benötigten Plätze für eine Unterbringung der Asylsuchenden rasch geschaffen und dass die Sanierung der Tiefgarage und die Neugestaltung des Dorfplatzes endlich realisiert werden können – ohne Verzögerungen durch juristische Interventionen. Aus unserer Sicht kann dem Gemeinderat für seine Arbeit in den letzten vier Jahren im Grossen und Ganzen ein gutes Zeugnis ausgestellt werden. Verbesserungsbedarf sieht die Partei bei der Budgetierung von Krediten für grössere Bauprojekte; vor allem die möglichen Mehrkosten sollten künftig transparent aufgezeigt werden.
Patrick Lüthi, Präsident: In der Gemeindeverwaltung konnten alle offenen Stellen erfolgreich besetzt werden. Das entlastet die Abteilungen und spricht für ein gutes Arbeitsklima. Eine gut funktionierende Verwaltung ist die Voraussetzung für die Umsetzung der Legislaturziele. Bei der Familienfreundlichkeit ist unsere Gemeinde sehr gut aufgestellt: Ein bedarfsgerechtes Angebot an Kindertagesstätten- und Hortplätzen ist gewährleistet. Für das Textile und Technische Gestalten (TTG) der Schule konnten Räume geschaffen werden. Neue digitale Hilfsmittel erleichtern die Kommunikation zwischen Eltern, Schule und Verwaltung. Im Bereich Sicherheit wurde ein umfassendes Notfallkonzept erarbeitet und die gemeindeübergreifende Zusammenarbeit der Blaulichtorganisationen vertieft. Mit der Teilrevision der Bau- und Zonenordnung (BZO) wurden Weichen für die künftige Raumentwicklung gestellt. Die Grossprojekte für den Dorfplatz, die Tiefgarage sowie die Sanierung des Gemeinschaftszentrums wurden von der Stimmbevölkerung mit deutlichem Ja gutgeheissen. Nun gilt es, diese Vorhaben entschlossen umzusetzen. Finanziell steht Zumikon auf soliden Beinen. Die anstehenden Investitionen können aus eigener Kraft getragen werden. Verbesserungspotenzial sehe ich bei den Wohn- und Betreuungsstrukturen. Weder die neue Asylunterkunft noch die Projektierung für das Wohnen im Alter durch die «Oase» konnten realisiert werden. Hier braucht es neue Lösungen und einen konstruktiven Dialog. Für die kommende Legislatur wünsche ich mir eine gut funktionierende Zusammenarbeit innerhalb der Behörden sowie zwischen Behörden, Verwaltung und Bevölkerung. Ich bin überzeugt, dass die FDP Zumikon die richtigen Personen für die passenden Ämter nominiert hat, um dies sicherzustellen. Abschliessend bin ich dankbar, dass sich in unserer Gemeinde zahlreiche Bürgerinnen und Bürger für unser Zusammenleben engagieren. Diesem Engagement und unserer direkten Demokratie gilt es Sorge zu tragen. Dazu gehört auch, demokratische Entscheide zu respektieren und politisch Andersdenkende nicht zu verunglimpfen.
Gérard Olivary, Präsident: Die Leistungsbilanz des Gemeinderats in der Legislatur 2022 bis 2026 fällt gemischt aus. Zumikon ist eine schöne, gut funktionierende Gemeinde mit hoher Lebensqualität. Einige wichtige Themen erfordern aber mehr Aufmerksamkeit. Bei den Finanzen: Dank der umsichtigen Politik von Gemeinderat André Hartmann ist Zumikon die steuergünstigste Gemeinde im Kanton. Allerdings sind die Ausgaben von 70,94 Millionen Franken im Jahr 2020 auf 82,39 Millionen 2024 angestiegen. Die SVP erwartet vom Gesamtgemeinderat, die Ausgaben sämtlicher Ressorts regelmässig zu überprüfen und zu hinterfragen.
Zu den Grossprojekten: Tiefgarage und Dorfplatz wurden mit überwältigendem Mehr angenommen. Trotzdem geht es nicht vorwärts. Die Verzögerung einigen «undemokratischen Rekurrenten» in die Schuhe schieben zu wollen, ist nicht korrekt. Der Gesamtgemeinderat sollte eine Lösung mit den involvierten Parteien finden. Die Asylunterkunft neben dem Kindergarten wurde an der Urne mit 57,5 Prozent abgelehnt. Damit endet ein Irrweg des Gemeinderats. Nebst der verfehlten Standortwahl war auch das Vorgehen aus demokratischer Sicht unhaltbar: Die Kosten wurden so etappiert, dass ein Entscheid der Stimmbürger an der Urne verhindert werden sollte. Letztlich musste das Bundesgericht eingreifen und die Einhaltung des korrekten demokratischen Vorgehens gegen den Gemeinderat verfügen. Nur so erhielten die Zumikerinnen und Zumiker die Möglichkeit, über diese wichtige Frage an der Urne abzustimmen. Die SVP verlangt eindringlich, dass zukünftig bei Projekten von solch politischer, finanzieller und emotionaler Tragweite direkt der Weg an die Urne beschritten wird, um eine korrekte demokratische Entscheidungsfindung zu gewährleisten. Dem Gemeinderat ist es gelungen, die Vakanzen in Schlüsselpositionen verschiedener Abteilungen mit qualifizierten Fachkräften zu besetzen. Kritisch ist aber die hohe Fluktuation zu sehen. Wir erwarten, dass die Personalpolitik analysiert wird, gegebenenfalls sind Führungsdefizite zu eruieren und Massnahmen zu treffen.
Die Urteile der Parteien zeigen: Im Grundsatz sind sie mit der Arbeit des Gemeinderats zufrieden. Hervorgehoben werden die soliden Finanzen; durchzogener beurteilen sie die geplanten Grossprojekte. Dabei verorten sie die Schuld für Verzögerungen auf unterschiedlichen Seiten. Einen Wunsch teilen die meisten Parteien: dass die Projekte vorangehen und realisiert werden mögen – zum Wohle der Bevölkerung. Ein erster Grossauftrag an den Gemeinderat für die Legislatur 2026 bis 2030 ist also gesetzt.
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