Ein Himmel voller Geigen

Von Lea Moser ‒ 6. März 2026

Wer wohnt im ehemaligen Wohnhaus des bekannten Malers Paul Bodmer? Die Violinistin Esther Hoppe und ihre Familie erfüllen es mit Musik – ganz im Sinne von Bodmers Nachkommen.

Esther Hoppe: Violinistin, Mutter – und leidenschaftliche Hobby-Gärtnerin. (Bild: lmo)
Esther Hoppe: Violinistin, Mutter – und leidenschaftliche Hobby-Gärtnerin. (Bild: lmo)

Die geschwungenen Säulenbögen der Terrasse des Wohnhauses der Familie Poltéra-­Hoppe erinnern an den Kreuzgang des Fraumünsters. Vielleicht war es die Absicht des Erbauers Paul Bodmer, diese Wölbungen nachzuempfinden, hatte er doch 1941 die bekannten Fresken im besagten Kreuzgang fertiggestellt.
«Vor fünf Jahren konnten wir dieses bezaubernde Haus übernehmen. Es war ein absoluter Glücksfall. Wir hatten zufällig davon erfahren und wurden sofort hellhörig», erzählt die in Zug geborene Esther Hoppe. Die junge Familie hatte schon länger erfolglos nach einer grösseren Wohnung im Raum Zürich gesucht. Frau Bodmer, eine professionelle Pianistin, wollte das Haus am liebsten an eine Musikerfamilie übergeben. «Wir freuen uns sehr, dieses schöne Haus mit dem dazugehörigen Musikatelier im Garten in diesem Sinne weiterzuführen», sagt Esther Hoppe. Ihr Ehemann, der in Witikon aufgewachsene Cellist Christian Poltéra, und auch die beiden musizierenden Jungs, acht und fünfzehn Jahre alt, schätzen die Möglichkeiten und die inspirierende Lage am Waldrand.

Von Geigen verzaubert

«Meine Mutter ist Pianistin und ­hatte mich als Dreijährige in eine Vorspielstunde von Geigenschülern mitgenommen. Von da an wollte ich unbedingt Geige spielen lernen», erinnert sich Esther Hoppe amüsiert. Ihre Eltern fanden es noch ein bisschen zu früh, doch mit vier ­Jahren durfte sie dann «endlich» anfangen. Als Kleinkind übte sie täglich spielerisch für fünf Minuten, als Zehnjährige trat sie dem Jugendorchester bei, und mit zwölf gründete sie zusammen mit ihren besten Freundinnen ein Streichquartett. Als 15-Jährige begann sie zunächst als Jungstudentin an der Musikhochschule Basel Unterricht zu nehmen und durfte dann mit 17 das Studium vollumfänglich antreten. Mit 20 Jahren hatte sie das Lehrdiplom – heute wäre das ein Bachelor – in der Tasche.

Sprung ins Unbekannte

Anschliessend wollte Esther Hoppe ihren Horizont international erweitern. Auf Empfehlung bewarb sie sich am «Curtis Institute of Music» in Philadelphia – eine Elite-Schule mit nur 120 Studierenden. Da es dort keine Semestergebühren gibt, ist das Aufnahmeverfahren besonders streng. «Es war die erste Schule, an der ich mich beworben hatte, und ich durfte zusammen mit etwa hundert anderen Geigern zum Vorspielen.» Die besten Fünf wurden aufgenommen, sie war dabei. «Der Wegzug in die USA war für mich damals in vielerlei Hinsicht eine Herausforderung. Ich bin meinen Eltern sehr dankbar, dass sie mich auf meinem Weg immer unterstützt haben.» Nach den zwei Jahren in Philadelphia gönnte sie sich eine Studienpause. «So konnte ich all die Inputs und Ideen, die mir mitgegeben wurden, verarbeiten und meinen eigenen Weg finden.»

Mentor aus London

In der Folge schrieb sich die Violinistin für die «Guildhall School of Music & Drama» in London ein. Der damals schon legendäre Pädagoge Yfrah Neaman erkannte genau, was sie brauchte. «Er stärkte mein Selbstvertrauen, und brachte mich geigerisch und stilistisch weiter.», lobt sie ihren Mentor. Er bereitete sie 2002 auf den internationalen Mozart-Wettbewerb in Salzburg vor. Während vier Runden mussten verschiedene Werke einer internationalen Jury vorgetragen werden – es wurden technische Perfektion und musikalische Überzeugung verlangt. Da war die mentale Stärke enorm wichtig. «Unser Beruf ist physisch wie psychisch in puncto Fokus mit Hochleistungssport durchaus zu vergleichen.» Esther Hoppe gewann den ersten Preis. Kurz darauf verstarb ihr Mentor. Ein Jahr später war sie zusammen mit einem Pianisten und einem Cellisten erfolgreich als Klaviertrio unterwegs. Während acht Jahren spielte das Ensemble viele Konzerte und gewann einige Wettbewerbe. Parallel dazu schloss Esther Hoppe 2007 ihr Solistendiplom (Master of Performance) ab.

Auf den Spuren Mozarts

Von 2009 bis 2013 war sie erste Konzertmeisterin, auch bekannt als «die rechte Hand des Dirigenten», des Münchener Kammerorchesters. 2010 bekam die Musikerin ihren ersten Sohn. 2013 folgte sie dem Ruf als Professorin an die Universität Mozarteum in Salzburg. Regelmässig reist die zweifache Mutter seither nach Salzburg, um dort zu unterrichten. «Es sind jeweils extrem volle Tage, sehr konzentriert und vom Familien-Alltag getrennt.» Seit über 13 Jahren macht ihr die Arbeit mit den talentierten Studierenden im Alter von 18 bis 26 Jahren viel Freude. Es ist ein umfangreiches Pensum, welches sich trotzdem mit der eigenen Konzerttätigkeit verbinden lässt. «Ich spiele als selbständige Musikerin Konzerte, zusammen mit meinem Mann in einem Klaviertrio, manchmal Solokonzerte mit Orchester oder in anderen Kammermusikformationen.» Seit 2025 ist sie zudem künstlerische Leiterin des Kammerorchesters «Camerata Zürich» und schätzt dort die kreative Freiheit. «Am Musikerberuf gefällt mir insbesondere die tägliche Berührung und Auseinandersetzung mit Genies wie Bach und Beethoven, die zeitlose Meisterwerke erschaffen haben. Es ist gleichermassen erfüllend die Musik den Studierenden und dem Publikum näher zu bringen», schwärmt die Musikerin. «Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich diesen Zugang zur Musik haben darf. Und mit mehr Hintergrundwissen wird es immer noch spannender», erklärt Esther Hoppe. Was bei einem Konzert zählt, ist primär der musikalische Ausdruck. «Wenn dieser Funke springt, entsteht eine ganz besondere Atmosphäre zwischen Publikum und Bühne.»

Gerne zu Hause

Momente des Glücks findet die vielbeschäftigte Musikerin und Mutter zu Hause, am Tisch mit der Familie, oder bei einem Restaurantbesuch während einer Konzertreise mit ihrem Mann. Und in der Stille zwischen all der Musik, wenn sie im Sommer auf der Treppe mit Sicht auf den grossen Garten eine Tasse Kaffee geniesst. «Meine ganze ­Familie fühlt sich hier in Zollikerberg wohl und eingebettet in eine sympathische Nachbarschaft mit Zusammenhalt.»

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