Von Joachim Lienert ‒ 13. März 2026

Ein kleiner Fehler ist passiert, als die Ortsparteien am Sonntag um 16 Uhr zur Wahlparty im Kirchgemeindesaal luden. Rund sechzig Personen sind gekommen, und diesem Publikum werden die Ergebnisse als Erstes bekanntgegeben. Fast. Denn da und dort wird den gewählten Schulpflegerinnen und -pflegern bereits gratuliert – wegen der Umstellung auf ein neues IT-System wurden die Schulpflege-Ergebnisse versehentlich bereits auf der App VoteInfo und auf der Website des ZoZuBo veröffentlicht. Alle anderen Resultate wird Gemeindeschreiber Thomas Kauflin präsentieren. Keine Überraschungen gibt es beim Gemeinderat. Drei treten zurück, neu gewählt sind Marco Hardmeier von der FDP, der das zweitbeste Ergebnis überhaupt erzielt: 1296 Stimmen erhält er, als Bestplatzierter erzielt Gemeindepräsident Stefan Bührer, ebenfalls von der FDP, 1413 Stimmen. Die FDP dominiert, besetzt mit den weiteren Mitgliedern Thomas Epprecht (1149 Stimmen) und dem ebenfalls neu gewählten Marco Ziegler (1245 Stimmen) gleich vier von sechs Gemeinderatssitzen. Eine klare Mehrheit. In die Parade fahren nur André Hartmann von der SVP (1231 Stimmen) und Evelyne Sydler von der GLP (neu, 1055 Stimmen). Ein lautes «Wow!» geht durch die Reihen, als Gemeindeschreiber Thomas Kauflin die hohe Stimmbeteiligung von rund 71 Prozent verkündet. Kleine Einschränkung: Diese Beteiligung gilt für die nationalen Vorlagen und ist wohl am ehesten der SRG-Initiative geschuldet. Bei den Behördenwahlen lag die Stimmbeteiligung zwischen 49,8 und 51,2 Prozent.

Laetitia Dahl-Bünger, die parteilose Schulpflegepräsidentin, die von Amts wegen auch im Gemeinderat vertreten ist, wurde mit dem besten Resultat von 1162 Stimmen wiedergewählt. Sie freut sich: «Ich bin froh, dass das Ergebnis so eindeutig ist. Wir haben jetzt ein Frauenpower-Team mit einem Mann. Durch die kantonale Schulevaluation wissen wir, dass die Schule Zumikon in den entscheidenden Kriterien wie zum Beispiel Unterrichtsqualität gut unterwegs ist. Auch haben wir eine gute Zusammenarbeit mit den Eltern attestiert bekommen, was sehr wertvoll ist.» Sie freut sich auf die neue Legislatur und sieht als wichtige Aufgabe die Besetzung von zwei Schlüsselpositionen: Sowohl der Schulleiter Philipp Apafi als auch die Leiterin Schulverwaltung und Betriebe Cinzia Bonati gehen in dieser Legislatur in Pension. Den Einstieg in die Schulpflege verpasst hat Andreas Brügger von der GLP mit 819 Stimmen. Er wird geschlagen von den zwei neuen Mitgliedern, der Parteilosen Heike Müller mit 838 Stimmen und Sandrine Chézière von der SVP mit 863 Stimmen. Christoph Bürki (1138 Stimmen) von der FDP sagt: «Jetzt bin ich halt der einzige Mann, aber inhaltlich wird sich nichts ändern. Zumikons Schule hat einen sehr guten Ruf, und das soll so bleiben.» Sandrine Chézière wiederum sagt zu ihrer Wahl: «Ich bin überglücklich und freue mich sehr auf die neue Aufgabe.» Im Vorfeld habe sie gedacht, ihre Parteizugehörigkeit könnte die Wahl schwierig gestalten. Umso dankbarer sei sie für das klare Resultat.
Überhaupt zählt sich in Zumikon die SVP zu den Gewinnerinnen. In der Rechnungsprüfungskommission (RPK) ist sie neu mit zwei Mitgliedern vertreten. Zwar gehören auch hier vier von sieben Mitgliedern der FDP an – darunter Dominik Ziegler, der mit 1251 Stimmen das beste Ergebnis erzielte. Der Bisherige Gérard Olivary von der SVP (1046 Stimmen) schafft die Wiederwahl ebenfalls problemlos. Neu im Gremium sind zudem Dominik Mazur von der Mitte (1016 Stimmen) und Philippe Signer von der SVP (799 Stimmen). Die Wahl verpasst hat Ellen Simone Weyrauch von der GLP mit 743 Stimmen.
Philippe Signer ist positiv überrascht: «Ich beurteilte meine Chance fünfzig zu fünfzig, auch wegen des Frauenbonus. Beim Wahlpodium erlebte ich alle Kandidaten als gut geeignet.» Die Gemeinde habe anspruchsvolle Themen vor sich, er erwähnt die üblichen Bekannten Tiefgarage und Dorfplatz. «Ich erachte es als Aufgabe der RPK, hier unterstützend tätig zu sein, damit alle Aufgaben im Zeit- und Kostenbudget umgesetzt werden können.» Dass die SVP jetzt ein grösseres Gewicht habe, sieht er als positiv, sei doch der neue Gemeinderat sehr FDP-lastig, «da tut eine alternative Sicht von aussen gut». Parteipräsident Gérard Olivary pflichtet ihm bei: «Ich bin begeistert. Wir haben alle unsere Kandidaten in die Behörden gebracht.» Er weist darauf hin, dass mit André Hartmann und Adrian Feldmann (Sozialbehörde, 1132 Stimmen) zwei weitere SVP-Leute neben ihm selbst über 1000 Stimmen erzielt haben. «Das hatten wir als SVP in Zumikon noch nie.»
Freude also auf der einen Seite des politischen Spektrums. Trüber sieht man es auf der anderen Seite. Katharina Schweizer, Parteipräsidentin der Grünen, gibt freimütig zu: «Wir sind enttäuscht. Dass Sandro Monti nicht gewählt wurde, ist bitter.» Alessandro Monti hatte für die Sozialbehörde kandidiert. Er hätte einen so grossen Leistungsausweis für dieses Behördenamt mitgebracht, sagt Katharina Schweizer. Doch es reichte nicht, mit 653 Stimmen landete er abgeschlagen auf dem fünften und letzten Platz. Die Bisherige Anna Willi von der SP eroberte mit 964 Stimmen den vierten Sitz. Damit bleibt sie die einzige Vertreterin einer linken Partei überhaupt in den Zumiker Behörden. Die Linken haben einen schweren Stand im Dorf. Katharina Schweizer sagt: «Wir können einen Topkandidaten haben, und der wird nicht gewählt, weil er in der falschen Partei ist. Dabei sind wir sehr gemässigte Grüne und durchaus wählbar. Wir haben einfach einen Einheitsbrei an der Goldküste.»
Für Stefan Bührer ist eine gewisse Vielfalt alleine durch die Wahl von Evelyne Sydler von der GLP und durch die Neubesetzung der Hälfte des Gemeinderats gegeben. «Ich habe mal ihr Smartvote-Profil angeschaut; sie ist deutlich weniger bürgerlich als die anderen. Diese Stimme hat bislang gefehlt, und ich finde es gut, dass sie sie einbringt.» Er betont, dass man im Gemeinderat nicht als Einzelpersonen wirke. «Wir sind ein Gremium. Wären wir dort zerstritten, würde es nicht funktionieren. Es ist wichtig, dass alle Meinungen vertreten sind und wir zusammen auch Kompromisse finden. Wir arbeiten im Auftrag der Bürgerinnen und Bürger.» Er sei froh, dass die SVP, die national einen Wähleranteil von rund 30 Prozent habe, mit dieser Wahl in den Behörden vertreten und nicht in der Opposition sei, «das wäre nicht konstruktiv».
Weil man wusste, dass keine Kampfwahl bevorstand, hatte sich der Gemeindepräsident schon im Vorfeld mit den neuen Gemeinderatsmitgliedern ausgetauscht, um die kommende Legislatur zügig anpacken zu können. So gehe man schon in der ersten Woche nach den Sommerferien in Klausur. Fünf Dauerthemen dürften dabei auch die neue Legislatur prägen: die Sanierung der Tiefgarage, die Erneuerung des Dorfplatzes, das Gemeinschaftszentrum, eine Asylunterkunft und Wohnen im Alter.
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