Wie unterstützt Zollikon die Artenvielfalt?

Von Lea Moser ‒ 13. März 2026

Die Gemeinde, das Naturnetz Pfannenstil und die Kirchen engagieren sich seit Jahren für die Förderung der Biodiversität. Ein Einblick in laufende Naturprojekte.

Ein Garten Eden auf Erden. Biodiversität wird bei den Kirchen grossgeschrieben: Das Insektenparadies der reformierten Kirche. (Bild: zvg)
Ein Garten Eden auf Erden. Biodiversität wird bei den Kirchen grossgeschrieben: Das Insektenparadies der reformierten Kirche. (Bild: zvg)

Die Gemeinde arbeitet eng mit dem Naturnetz Pfannenstil zusammen, um mehr Lebensräume zum Schutz der ­Artenvielfalt zu schaffen. Letztes Jahr wurden ungefähr 3,5 Hektaren Wildblumenwiesen neu angesät. «Diesen Mai kann man die Untere Rüterwies und die Böniswies in ­voller Blütenpracht bestaunen», freut sich Christian Wiskemann, Fachberater des Naturnetzes ­Pfannenstil. Die artenreiche ein­heimische Blumenmischung ist ein Festessen für Dutzende Arten von Schmetterlingen. «Wenn der Schachbrettfalter auftaucht, ist es immer ein gutes Zeichen, denn er ist etwas anspruchsvoll.» Mit seinem Schachbrettmuster auf den Flügeln ist er sehr gut zu erkennen. Im Mai werden in der Unteren Allmend weitere 1,5 Hektaren Wildblumenwiese angesät. Normalerweise dauert es etwa ein Jahr, bis die Wiese richtig erblüht.

Gibt es dank eines reichhaltigen Blumenbuffets mehr Nahrung für Insekten, profitieren auch Vögel, Fledermäuse, Amphibien und andere Tiere, die sich von ihnen ernähren. Das Aussterben einer Art hat oft grosse Auswirkungen auf viele andere Arten. Deshalb ist der Schutz der Biodiversität enorm wichtig, um die Natur im Einklang zu halten.

Amphibien und ihre Nachbarn: ein sensibles Ökosystem

Im Winter 2024 hat das Naturnetz Pfannenstil im Wald am Ende der Talstrasse einen Weiher angelegt. Seit ungefähr vier Jahren versucht man, die etwas wählerische Gelbbauchunke mit gezielten Aufwertungsmassnahmen auf Zolliker­boden zu locken. Auf der anderen Seite des Wehrenbachs lebt eine ansehnliche Population. «Die Gelbbauchunke ist eine sehr seltene Art, die Auengebiete bevorzugt, die sie bei uns fast nicht mehr findet. Sie steht auf der Roten Liste», erklärt Christian Wiskemann. Als sogenannte Pionierart kann die Gelbbauchunke zwar schnell Gewässer besiedeln, leidet jedoch unter der Konkurrenz anderer Arten. Der Bergmolch und der Grasfrosch, die zu den geschützten Arten zählen, sind anspruchsloser und haben auch schon die beiden Weiher beim Weberacher im Zollikerberg besiedelt. Auch Libellen mögen den Ort. «Libellenlarven leben einige Jahre unter Wasser und ernähren sich unter anderem von Froschlaich, bevor sie an Land kommen und ihr Leben als fliegende Libellen fortsetzen», so Christian Wiskemann. Und die Frösche fressen wiederum die Libellen. «Ein steter Kreis von Fressen und Gefressenwerden.»

Biodiversitäts-Hotspots ­erschaffen

Diesen Frühling baut der Kanton die Binzstrasse um. Die Gemeinde nutzt diese Gelegenheit, die Wendeinsel des Busses in einen Biodiversitäts-Hotspot umzugestalten. «Die Förderung der Wildbienen ist dabei ein grosses Thema», erzählt Christian Wiskemann.

Auch Stefanie Majer, Sachbearbeiterin Ökologie der Gemeinde Zollikon, weiss über solche Hotspots Bescheid: «Auf einer Grünfläche zwischen dem Waldburgweg und der Trichtenhauser Strasse – gegenüber der Spitaleinfahrt – wurde ein alter Nussbaum nicht einfach gefällt, sondern in einen Biodiversitäts-Hotspot umgewandelt.» Was für unser Auge zunächst sonderbar erscheint – der tote Stamm steht noch da, seine Äste als Haufen daneben –, birgt für die Natur viele Vorteile. Das Totholz wird zum ­Lebensraum für Insekten, Pilze und Moose und bietet somit Nahrung. Spechte und andere Vogelarten nutzen Stammhöhlen als Brutplätze, Kleinsäuger und Amphibien finden darin Unterschlupf. Auch die Asthaufen dienen als Versteck, Schutz und Rückzugsort. Durch die langsame Zersetzung entsteht nährstoffreicher Humus, der die Bodenfruchtbarkeit fördert. Und noch eine gute Nachricht: Diesen Frühling wird ein neuer Nussbaum gepflanzt.

Neophytenbekämpfung

Mancher hat sich schon gewundert, wieso an der Rotfluhstrasse eine lichtundurchlässige Blache über einer Rabatte angebracht wurde. Diese machte dem asiatischen Knöterich, einer invasiven Neophytenart, die sich stark ausbreitet und einheimische Pflanzen verdrängt, den Garaus. Durch den Lichtentzug wird die Photosynthese verhindert, sodass die Pflanzen nach einigen Monaten bis Jahren absterben. Nach erfolgreicher Bekämpfung empfiehlt sich eine standortgerechte Nachbepflanzung mit einheimischen Arten. «Im ­Oktober führt die Gemeinde erstmals eine Neophyten-Tauschaktion durch. Details dazu folgen in Kürze», sagt Stefanie Majer.

Vorbildliche Kirchen

«Wir haben für diese Legislaturperiode einen Massnahmenplan zur Nachhaltigkeit erstellt und 2022 mit der Umsetzung begonnen. Gestartet haben wir damit, invasive Pflanzenarten auf dem Areal der katholischen Kirche möglichst zu entfernen», erläutert Heinz Montanari, Vizepräsident der katholischen Kirche und zuständig für das Ressort Nachhaltigkeit. «Danach liessen wir in Zollikon eine gut zehn Meter lange Hecke mit einheimischen Stauden anlegen, die das ganze Jahr über ein breites Nahrungsangebot liefern soll.» Die Stauden mit Dornen bieten den nistenden Vögeln Schutz vor Katzen. Und auf dem Kirchturm im Zollikerberg wurden auf Vorschlag der Gemeinde die ersten drei Holzkästen als Nisthilfen für Dohlen angebracht. Weitere ­sollen an anderen Standorten folgen. Rund um die Kirche im Zollikerberg wachsen nun Wildblumenwiesen. «Im Juni schneidet der Gärtner diese mit der Sense schonend zurück, damit nicht unnötig Insekten verletzt werden.» Die Gräser lässt man ein paar Tage liegen, damit sie noch aussamen können. Vor zwei Jahren haben Mitarbeitende der Kirche bei den Fahnenmasten im Zollikerberg ein Wildbienenparadies angelegt. «Gewisse Bienenarten legen ihre Eier in den Boden. Da solche Brachen tendenziell immer mehr verschwinden, kann damit ein Beitrag zur Artenvielfalt geleistet werden», sagt Heinz Montanari. Ein Wassertümpel und ein Gehölzhaufen ergänzen den einen Quadratmeter grossen Sandhaufen. Auch die reformierte Kirche hat auf Wildblumenwiesen umgerüstet und pflegt eine Sandlinse und ein Wildbienenhaus. «Die Sandlinsen müssen einmal im Jahr von Sprösslingen befreit werden, damit sie nicht zuwachsen», erklärt Renato Römer vom Sekretariat der reformierten Kirche.

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