Von Joachim Lienert ‒ 27. März 2026

Der exklusive Anlass, er war zwei Jahrgängen vorbehalten: Einwohnerinnen und Einwohnern mit Jahrgang 2007 und 2008 – also 18- und 19-Jährigen. Sie wurden von der Gemeinde zur Feier ihrer Volljährigkeit zu Buffet, Zauberer und kurzer Rede eingeladen. Die Hintergrundmusik lieferte Marco Triulzi, selbst einer der Jungbürger, der in der Freizeit als DJ auflegt. Während des Apéros waren auch die Zumiker Ortsparteien geladen, um sich zu präsentieren. Ein Angebot, das etwa Oliver Schneider zusagte: «Es ist eine gute Gelegenheit, um kennenzulernen, was es für Parteien in Zumikon gibt und wer uns in der Politik vertritt.» Nicolas Widrig pflichtet ihm bei: «Ich finde es spannend, mit Gleichaltrigen zusammen zu sein – und sogar vom Gemeindepräsidenten begrüsst zu werden. So eine Gelegenheit gibt es nicht jeden Tag.»
Auch Savanna Lemmerich freut sich darauf, viele Gleichaltrige wiederzusehen, die sie in ihrer Kindheit kannte. «Als etwa 14-Jährige haben wir uns auf dem Dorfplatz getroffen, jetzt gehen wir eher in die Stadt. Ich kenne etwa 90 Prozent der Leute hier.» Die Leute, das waren rund fünfzig Jugendliche, eingeladen waren 300. Gemeindepräsident Stefan Bührer wies in seiner freien Rede darauf hin, was die anderen 250 verpassten: «Es ist ein ‹Once in a Lifetime›-Anlass. Der 18. Geburtstag ist der bedeutendste im Leben: Er verändert einiges: Ihr dürft jetzt Verträge unterschreiben, ein Auto kaufen oder morgen euren Eltern mitteilen, dass ihr einen Mietvertrag unterschrieben habt und auszieht.» Ein Raunen geht durch den Saal, als er darauf hinweist, dass sie jetzt nicht nur das aktive, sondern auch das passive Wahlrecht haben: «Ihr könnt gewählt werden.» Zudem reiche auf Gemeindestufe eine einzige Unterschrift, um ein Begehren zu starten. «Zum Beispiel, dass ihr endlich den See auch hier oben haben und deshalb das Küsnachter Tobel stauen wollt. Das kostet ein bisschen was, aber eine Unterschrift reicht, um eine entsprechende Initiative einzureichen. Bevor dann die Bevölkerung darüber abstimmt, muss jedoch noch der Gemeinderat die Initiative für gültig erklären, was bei diesem Beispiel allerdings nicht so sicher wäre.» Die Ermunterung des Politikers darf nicht fehlen: «Nehmt die Möglichkeit ernst. Geht abstimmen und wählen. Das ist auch der Grund, weshalb wir die Parteien eingeladen haben.»
Die Jungen zeigten durchaus Interesse an diesen Parteien. Am Stand der FDP fanden die ausgelegten Feuerzeuge viel Zustimmung, bei den Grünen gab es bei einem Mini-Boccia mit Wissensfragen als Preise vegane Häppchen zu gewinnen. Parteipräsidentin Katharina Schweizer strahlte: «Es war megalässig. Ich bin positiv überrascht, wie viel die Jungen wissen, etwa dass die Produktion eines Paars Jeans Tausende Liter Wasser braucht.» Auch SVP-Ortsparteipräsident Gérard Olivary lobte: «Ich finde es eine sehr gute Idee, die Parteien einzuladen. Schliesslich gehört zur Volljährigkeit ja auch, an Wahlen und Abstimmungen teilzunehmen.»
Clara Brunner ist eine dieser Volljährigen. Sie zog vor fünf Jahren mit ihren Eltern und ihrer Schwester von Bassersdorf nach Zumikon, um zentraler zu wohnen; in Zumikon fand die Familie ein Haus. «Der Umzug war nicht einfach, ich musste mich erst an den neuen Ort gewöhnen. Aber Zumikon ist eine schöne Gemeinde und bietet einen guten Mix aus Ruhe, Natur und Nähe zur Stadt.» Sie besucht ein Gymnasium in Zürich, und ihre grosse Leidenschaft ist das Ballett; praktisch täglich übt sie, regelmässig besucht sie die Ballettschule für das Opernhaus Zürich und die Zurich Ballet and Contemporary Academy. Ein Hobby, das sie mit Jamie Lüthy verbindet, die an der Ballettschule in Zumikon Unterricht nimmt. Jamie ist in Zumikon aufgewachsen und geht in Küsnacht ins Gymnasium. «Ich freue mich, alle Gesichter wieder zu sehen. Es ist klein und heimelig hier. Die meisten Leute kenne ich zumindest vom Sehen.» Mit ihrer Freundin Nevia ging sie schon zusammen in die Primarschule. Heute absolviert diese in Zumikon eine Lehre zur Drogistin. «Ich kenne sehr viele Leute hier, vom Chindsgi, von der Primarschule, von Kolleginnen.» Sie freut sich, hier zu sein, «um zu feiern, dass wir erwachsen werden».
Was auffällt: An den einen Tischen im reformierten Kirchgemeindesaal sitzen die jungen Frauen mehrheitlich unter sich – an den anderen die jungen Männer. «Zufall», sagt einer von ihnen. «Man sitzt halt mit denen zusammen, die man schon kennt.» Spielt da doch noch eine gewisse Scheu mit? Überhaupt, ob sie sich freuen, erwachsen zu sein? Nils Martin sagt in einer Runde von Kollegen: «Wir freuen uns so mittel. Es hat gleich viele Vorteile wie Nachteile. Vorteile: Wählen, Autofahren» – «Verantwortung!», fährt ihm ein Kollege ins Wort – «das ist eher ein Nachteil», meint der andere, die Gruppe lacht. Gian Zuffellato erzählt, man kenne sich vom Sport, vom Unihockey, vom Golfen und Tennisspielen. Er schätzt die Freundschaften in Zumikon. «Manchmal treffen wir uns in der Pizzeria Italia 2000, aber ich gehe nicht so oft in den Ausgang, wir verbringen eher einfach Zeit zusammen mit Kollegen, bei jemandem zu Hause.» Timo Buff betont die Fixsterne im Kalender – die Sterne der Champions League: «Wir treffen uns oft am Mittwochabend für die Champions League bei jemandem zu Hause, meistens bei Nils.» In der Gruppe, mit der er beim Gespräch zusammensteht, sind alle in Zumikon aufgewachsen.
Noch etwas gehört zum neuen Leben der jungen Erwachsenen, wie der Gemeindepräsident betonte: «das Steuerzahlen – wenn auch noch nicht in grossem Ausmass». Er weist auf einige Unterschiede zu seiner eigenen Jungbürgerfeier hin. Damals habe man sich im Gemeindesaal getroffen, und der sei proppenvoll gewesen. Das lag aber nicht bloss daran, dass viel mehr junge Leute an dem Anlass dabei sein wollten, sondern vor allem daran, dass auch die Eltern eingeladen waren. «Und der Männerchor. Und der Frauenchor.» Heute könnte man die Jungen damit nicht mehr locken. Diesen Part übernimmt Zauberer Tino Plaz. Er zeigt, was rein theoretisch auch mit Steuern passieren könnte, indem er etwa eine Zwanzigernote, die von einem jungen Mann markiert wurde, verschwinden und an einem völlig unmöglich erscheinenden Ort wieder auftauchen lässt. Er errät Namen und Gedanken. Die Jungen sind verblüfft, lachen, staunen über die Tricks und Illusionen.
Stefan Bührer macht sich keine Illusionen: So sehr es sich um einen Once-in-a-Lifetime-Anlass handelt, so sehr dürften die Jungen an diesem Abend noch andere Interessen haben. Also erinnert er in seiner Rede vorsorglich daran, dass man bei den Geschenken – neben drei Eintritten in die Badi, die er jeder und jedem persönlich überreicht – aufpassen müsse. «Es hat auch Sackmesser dabei. Wenn ihr also nachher noch in einen Club geht, solltet ihr das besser nicht mitnehmen.» Es johlt und pfeift im Saal. Einmal im Leben darf man das hier erleben. Schön, wenn man die Volljährigkeit dabei so positiv wahrnimmt wie Selma Dauti, die vor Kurzem ihre Lehre zur Detailhandelsfachfrau abgeschlossen hat: «In Zukunft kommt immer mehr Verantwortung auf mich zu, das spüre ich. Aber jetzt nach der Lehre ist der Druck nicht mehr da, ich geniesse jetzt viel mehr Freiheiten.»
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