Von Joachim Lienert ‒ 27. März 2026

Jazz, Bossa Nova, Swing, Pop, Rock … Raúl Buchwalder am Schlagzeug und sein Kollege am Klavier probieren gerade viele Stilrichtungen aus. Am liebsten würde er noch viel mehr üben. Doch da sind noch seine vielen anderen Aktivitäten. Zuoberst gerade der Beruf. Im Sommer wird er seine Lehre als Elektroinstallateur bei Greuter Elektro in Zollikon abschliessen. Sein zwei Jahre älterer Bruder Luca, der den gleichen Beruf gewählt hatte, berichtete viel Positives darüber, «und so suchte ich gar nicht lange. Ich habe nur zwei Schnupperlehren gemacht. Zollikon ist nahe, ich kenne viele Leute hier, und Elektroinstallateur gefiel mir sehr, es ist eine gute Basis für den weiteren Berufsweg.» Lampen und Steckdosen installieren, Netzwerke einrichten, Beleuchtungstechnik … «Ich mache alles, was mit Elektrizität zu tun hat.» Stolz ist er zum Beispiel auf die Beleuchtung in den Schulhäusern Buechholz, Rüterwis und Oescher, die er zusammen mit seinen Arbeitskollegen auf LED umgebaut hat.
Da kamen Erinnerungen auf. Schliesslich wohnt Raúl Buchwalder seit seiner Geburt im Zollikerberg, ging dort in den Kindergarten, in die Primarschule Rüterwis und für die Sek ins Buechholz. Auch das Schlagzeug ist mit einem Schulhaus verbunden. Mit etwa fünf nahm er erstmals Drumsticks in die Hand. «Mein Grossvater hatte bei sich zu Hause in Maur ein Schlagzeug. Wenn wir ihn besuchten, ging ich nach dem Essen runter in den Keller.» Dort spielte er auf dem grossen Arsenal an Perkussionsinstrumenten «und kam noch gar nicht an die Fusspedalen hinunter». Die Leidenschaft liess ihn nie mehr los; seit er sieben Jahre alt ist, besucht er den Schlagzeugunterricht von Thomas Ilg im Rüterwis.
Am liebsten würde er täglich spielen. «Aber ich habe gerade viel zu tun mit der Lehrabschlussprüfung.» Zwei Schlagzeuge hat er, ein konventionelles und ein elektronisches. Die Nachbarn stört es nicht, die Familie, die in einer Mietwohnung lebt, hat mit ihnen geredet. Inzwischen konnte er ohnehin im Jugendtreff einen Schlagzeugraum mieten. «Dort kann ich in Ruhe spielen, ohne jemanden zu nerven.» Er macht bei vielen Projekten von Thomas Ilg mit, bei den Schlagzeugforen der Schule Zollikon oder wie dieser Tage bei der Singlust, wo er Kesselpauken, Marimbaphon, Glockenspiel und Timpanis zum Klingen bringt. Er freut sich auf ein musikalisches Ereignis: «Mit der Zumico gehen wir im Mai ans eidgenössische Musikfest in Biel. Das wird sicher ein spannendes Erlebnis.»
Raúl Buchwalder ist verwurzelt in Zollikon. Seine Kindheit? «Sehr glücklich», sagt er mit Betonung auf dem «sehr». Sein Grossvater väterlicherseits stammt aus dem Wallis. Seine Mutter wuchs in Witikon auf, direkt neben der Trichtenhausermühle, später zogen die Grosseltern in den Zollikerberg. Als sie wegzogen, übernahmen Raúl Buchwalders Eltern die Wohnung. Dort wuchs er auf – und dort wohnt er noch immer. Die Familie reiste gerne, öfter zum Beispiel nach Malta, wo seine Mutter länger für einen Sprachaufenthalt gewesen war, und für die Skiferien natürlich ins Wallis. Mit seinem Bruder führt er schon mal zusammen für Freunde und Familie Elektroinstallationen durch. Er ging auch ab und zu als Statist zur Feuerwehr Zollikon, wo sein Bruder mitwirkt. Beim SC Zollikon spielte er Fussball, wegen der Lehre hörte er im ersten Lehrjahr auf. Jetzt beginnt er wieder ein wenig Tennis zu spielen und besucht den Jungschützenkurs. Im Sommer grilliert er mit Kollegen im Wald, badet im See, im Winter trifft man sich oft zu Hause, früher im Jugendtreff in der Nähe des Dufourplatzes. In der Aufzählung der beliebtesten Treffpunkte darf das Fohrbach nicht fehlen. «Nicht jede Gemeinde hat so ein tolles Schwimmbad samt Freibad. Ich ging oft ins Fohrbach – bis ich älter wurde», sagt er und lacht. Heute bevorzugt er den See, da hat es weniger Kinderlärm. Was würde er im Dorf verändern, wenn er könnte? Wieder lacht er: «Baustellenfreie Strassen! Die vielen Baustellen in Zollikon stören mich am meisten. Auch mehr Begegnungsorte und Veranstaltungen wären schön.»
So jung er ist, so reflektiert betrachtet er die noch Jüngeren. «Wir waren nicht viel besser, aber ich habe das Gefühl, die Jungen unternehmen nicht mehr so viel, wie wir das taten. Sie sind viel am Handy oder schauen zu Hause Serien. Die Kinder haben heute so früh ein Handy. Ich erhielt erst in der Sek eines. Social Media beeinflussen das Verhalten der Jungen enorm.» Auf die Frage, wo er mit dreissig stehen wolle, antwortet der junge Mann frei: «Das habe ich mir noch nie überlegt.» Sogleich wird klar, dass er sich sehr wohl Gedanken macht. «Ich bin sicher, dass ich immer noch denselben Freundeskreis haben werde. Aber beruflich lasse ich es auf mich zukommen, das will ich nicht planen. Ich will in den Zwanzigern mein Leben leben, reisen, mit dreissig, vierzig kommt vielleicht eine Zukunft mit Frau und Kindern; da lasse ich mich nicht stressen.» Auf die Welt blickt er mit gemischten Gefühlen. Er geht meistens wählen und abstimmen. «Es interessiert mich, was in der Welt passiert. Das beeinflusst meine nächsten fünfzig Jahre. Vor allem die Kriege gehen mir seit Jahren auf den Sack», sagt er erfrischend unverblümt. «Die Ukraine, der Nahe Osten mit den Amerikanern, dass sich jeder einmischen muss und es sich zu einem Krieg aller Länder ausweitet, das nervt mich am allermeisten.»
Jetzt gibt es erst einmal kurzfristige Planung: der Lehrabschluss – und dann das Bus-Abenteuer. «Wir möchten einen Monat in Europa herumreisen, vielleicht auch länger.» Mindestens zu viert werden sie sein, eher zu sechst. Gerade bauen sie einen alten Mazda-Kleinbus mit Jahrgang 1998 um. «Bald ist er fertig, bereit zum Schlafen, Campen und Kochen.» Wahrscheinlich treiben sie ein weiteres Auto auf, damit alle Platz haben. Ans Meer soll es gehen, nach Frankreich an den Atlantik, surfen lernen, der Küste entlang nach Spanien, Portugal, vielleicht sogar nach Marokko, entlang dem Mittelmeer zurück nach Italien – und wieder nach Hause, dort oben im Zollikerberg, wo zwei Schlagzeuge auf ihn warten.
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