Kompost fördert die Gemeinschaft

Von Martina Gradmann ‒ 27. März 2026

Im Zollikerberg haben sich mehrere Bewohnerinnen und Bewohner zu einer «Kompost-Gruppe» zusammengetan. Sie wollen einerseits etwas für die Umwelt tun, auf der anderen Seite aber auch die Gemeinschaft pflegen.

Beim Sieben des Zollikerbergler Komposts helfen im Frühjahr jeweils viele Hände mit. (Bild: zvg)
Beim Sieben des Zollikerbergler Komposts helfen im Frühjahr jeweils viele Hände mit. (Bild: zvg)

Kompost, das ist eine Philosophie und ein Thema, das jeder ein bisschen anders betrachtet. Und das fängt schon mit der Frage an, was denn in den Kompost gehört und was nicht. So ist sich auch die Kompostgruppe der Ahorn Häuser im Zollikerberg nicht einig, ob beispielsweise Eierschalen in den Kompost gehören. Denn während verschiedene Gartenratgeber Eierschalen zum Kompostieren empfehlen, sind diese für Brunello Wüthrich ein No-Go. «Eierschalen oder auch Avocado-Schalen gehören nicht in den Kompost, weil sie sich viel zu langsam zersetzen», erklärt der Vater des Initianten der Kompostgruppe. Angefangen habe alles mit seinem Sohn Matthias, der damals Umwelt- und Naturwissenschaften studierte und 1994 bei den Eltern zu Hause das erste Kompostprojekt startete. «Wir waren schon immer eine sehr umweltbewusste Familie, doch erst durch das Studium wurde Matthias klar, wie wichtig der ökologische Kreislauf ist.» Er habe die Holzkorporation Zollikon als Besitzerin der Häuser angefragt, ob sie das Material zum Bau einer Kompostanlage finanzieren würden. Diese sagte zu, und gemeinsam mit zwei Freunden bauten sie die erste Anlage. Später ging es darum, wer mitmachen würde, rund zwanzig Bewohnerinnen und Bewohner der Ahornsiedlung schlossen sich dem Projekt an. «Die damalige Gemeinderätin Wagner bestimmte den Platz neben dem Wald, und wir konnten starten. Damit alles ein bisschen schöner aussah, hat meine Frau Rhododendron und Azaleen gepflanzt, die mittlerweile sehr gewachsen sind», erzählt Brunello Wüthrich. Die Kompostgruppe hat ihren Platz gleich neben dem Bach auch deshalb gewählt, weil eine Wasserstelle in der Nähe des Kompostplatzes das Feuchthalten erleichtert. Hecken und Sträucher sind zudem ein guter Wind- und Sichtschutz und verhindern in der warmen Jahreszeit ein zu schnelles Austrocken des Kompostgutes.

Was in den (Zollikerbergler) Kompost gehört und was nicht

Das Wort Kompost stammt aus dem Lateinischen und bedeutet «Zusammengesetztes». Bei der Kompostierung entsteht durch Rückgewinnung von tierischen und pflanzlichen Substanzen Humus, das Endprodukt eines komplizierten Naturvorganges. Durch Humus wird der Boden aufnahmefähiger und bekommt einen ausgeglichenen Nährstoff-, Luft- und Wasserhaushalt und fördert das Wachstum sowie die Gesundheit der Pflanzen. Damit das Kompostieren gelingt, sollten die organischen Bestandteile möglichst keine Schadstoff- und Störungsgehalte aufweisen, weil diese schlecht biologisch abbaubar oder unverrottbar sind.

Um erfolgreich zu kompostieren, hat die Kompostgruppe im Zollikerberg eigene Richtlinien aufgestellt. So dürfen pflanzliche Küchenabfälle und pflanzliche Speisereste wie rohes oder gekochtes Gemüse, Obstabfälle, Nudeln, Reis, Kaffeesatz, Bananen-, Zitronen- und Orangenschalen in den Kompost. Nicht in den Kompost gehören Knochen, tierische Küchenabfälle und tierische Speisereste wie rohes oder gekochtes Fleisch, Geflügel und Fischabfälle, Innereien oder Wurst. Auch Korkzapfen, Eier, Avocado oder Nussschalen gehören nicht in den Kompost, weil sie sich laut Brunello Wüthrich viel zu langsam zersetzen. Garten- und Grünabfälle sollten zerkleinert, Wurzelballen zerhackt und Blumensträusse auseinandergenommen werden. Damit die Verrottung der frisch zugegebenen Küchenabfälle nicht zu geruchsintensiv wird, sollten diese mit Strukturmaterial wie Zweigen, Strauch- oder Heckenschnitt vermischt werden. Auch Steinmehle haben für die Kompostbereitung eine grosse Bedeutung. Sie werden zur Förderung des Bakterienlebens, zur Einleitung biologischer Prozesse und zur Versorgung mit Mineralstoffen und wichtigen Spurenelementen eingesetzt. Besonders wichtig ist die gute Belüftung des Komposthaufens, damit die Rottevorgänge unter Luftzutritt vonstattengehen können, die Bodenlebewesen benötigen ständigen Luftaustausch.

Kompostieren bedeutet auch Gemeinschaft

Das Ganze funktionierte gut, doch 2015 war die Anlage morsch geworden und drohte auseinanderzufallen. «Wir schrieben erneut der Holzkorporation, ob sie uns eine neue Anlage finanzieren würden. Sie sagten zu und beauftragten eine Firma für den Bau», erzählt Brunello Wüthrich. «Die Holzkorporation ist nicht nur sehr sozial eingestellt, sondern auch sehr innovativ», ergänzt Wüthrichs Nachbarin Beatrice Thelen. «Sie haben schon vor einiger Zeit vorausschauend eine Holzschnitzelheizung eingebaut, was uns allen beim jetzigen Ölpreis sehr entgegenkommt.» Momentan kümmern sich 18 Bewohnende im Turnus um die Kompostanlage, was gut funktioniere. Einmal im Jahr werden alle zum Sieben aufgeboten, und die ganze Aktion wird mit einem Apéro und gemütlichem Zusammensein gefeiert. «Ein Kompost ist nicht mit der Grünabfuhr zu vergleichen, wo andere Methoden für den Verrottungsprozess zum Einsatz kommen», weiss Beatrice Thelen. «Kompost braucht Luft und muss immer wieder mal gemischt werden», ergänzt Brunello Wüthrich. Die entstandene Erde werde dann hauptsächlich für Geranienkisten und Blumentöpfe verwendet. Das gemeinsame Kompostieren bedeute Gemeinschaft und sich an etwas Sinnvollem zu beteiligen, sagen die beiden. «So produzieren wir natürlich auch weniger Abfall. Seit wir auch das Plastik separat entsorgen können und die verrottenden Abfälle wegfallen, riecht es auch viel weniger», sagt Beatrice Thelen. Meist seien es allerdings die langjährigen Mieterinnen und Mieter, die sich am Projekt beteiligen, und nicht alle Neuzuzügerinnen und Neuzuzüger interessierten sich dafür. «Leider, wir versuchen immer wieder neue Mitbewohnende anzuschreiben und mit ins Boot zu holen.»

Alle zwei Jahre verschickt Brunello Wüthrich eine Kostenabrechnung für Anschaffungen wie das Steinmehl, das gegen Mücken wirken soll, und neue Gerätschaften. Auch wenn die Bewohnenden des Ahornquartiers keine eigenen Gärten besitzen, sind sie doch davon überzeugt, etwas Gutes für die Umwelt zu tun.

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